Fussball

Von Bergens Tor, Ashimerus Fehlschuss: Die Geschichten des Fussball-Wochenendes

Festhütte Stade de Suisse: Die Young Boys und ihr abtretender Captain Steve von Bergen (mit Pokal) feiern erneut den Meistertitel, den dreizehnten insgesamt.

Mit einem hoch spannenden Finish um die Europacupplätze entschädigte die Super League für ihr bescheidenes Spielniveau, der YB-Captain schoss eines seiner sehr raren Tore und Bayern holte das Double

#1 YB feiert und wird sich verändern

Klar ist: wenn im Februar in L.A. die Oscars vergeben werden, muss in der Kategorie «Bestes Drehbuch» der Fussballgott einen Preis gewinnen. Nicht nur in der Champions League hat er unglaubliche Geschichten geschrieben. Auch für die kritisierte Super League hat er sich zum Saisonende hin einiges einfallen lassen. Der Kampf gegen den Barrageplatz und vor allem jener um die Europacupplätze war extrem prickelnd.

Und selbst für den Abend der Pokalübergabe an den seit Mitte April feststehenden Meister YB war etwas ganz Besonderes vorgesehen. Dass Captain Steve von Bergen ausgerechnet in seinem allerletzten Spiel für Gelb-Schwarz sein erstes Tor erzielen durfte, sein erst drittes in 19 Profijahren und 633 Pflichtspielen, war aber des Kitschigen fast zu viel. Seit mehr als sechs Jahren und einem Tor für Palermo gegen Sampdoria hatte er nicht mehr getroffen, und nun, 15 Minuten vor dem Karriereende, lenkte er beim 4:0 gegen Luzern eine Flanke zum Endstand ins Netz.

«Ich glaube, ich habe den Ball mit der Schulter getroffen. Solche Dinge sind nur im Fussball möglich», sagte der Verteidiger, der wie Loris Benito, Kevin Mbabu, Sékou Sanogo und Thorsten Schick vor dem Spiel verabschiedet worden war. Auch Assistenztrainer Harald Gämperle verlässt den Klub und wechselt zu Hertha. Gehen könnten auch noch welche wie Djibril Sow und Christian Fassnacht.

Verabschieden sich mit dem Meisterpokal: Steve von Bergen, Kevin Mbabu, Thorsten Schick und Loris Benito.

Verabschieden sich mit dem Meisterpokal: Steve von Bergen, Kevin Mbabu, Thorsten Schick und Loris Benito.

Im ausverkauften Stade de Suisse hatte YB mit einer tollen Leistung für Partystimmung gesorgt, die auch am Sonntag beim Meisterkorso durch die Stadt ungebrochen anhielt. In der Saison nach dem ersten Meistertitel seit 32 Jahren lieferten die Berner eine famose Bestätigung dafür ab, dass sie den FC Basel als Nummer 1 in der Schweiz abgelöst haben.

In der Champions League zahlten sie zwar Lehrgeld, doch ihre Kampagne war gleichwohl ansprechend. Der neue Trainer Gerardo Seoane überzeugte, optimierte das Spiel seines Vorgängers Adi Hütter und sorgte mit seiner Mannschaft für einige Super-League-Rekorde wie mit den erreichten 91 Punkten und den erzielten 99 Toren. Fast ein Viertel davon schoss Torschützenkönig Guillaume Hoarau (24).

Die Mannschaft braucht jetzt neue Gesichter. Fabian Lustenberger (Hertha) und Marvin Spielmann (Thun) sind bereits verpflichtet. Zum Glück für YB haben sich die Erfolgs-Baumeister Christoph Spycher (Sportchef) und Seoane entschieden, bei YB zu bleiben.

#2 Der FC Lugano holt den Jackpot

Ja, es stimmt, an der Spitze war die Super League wegen der YB-Dominanz ohne Spannung. Auch der zweite Rang des FCB (Trainer Marcel Koller steht dennoch auf der Kippe), der zur Champions-League-Qualifikation berechtigt, war unantastbar. Doch das Spektakel, das am letzten Spieltag um die Europacupränge geboten wurde, war nicht zu überbieten. Gleich vier Mannschaften auf den Rängen 3 bis 6 totalisierten 46 Punkte.

Weil der FC Lugano (3:3 gegen das zum 21. Mal sieglose GC) das gegenüber Thun um zwei Tore bessere Torverhältnis hat, landete er auf Rang 3 und hat die 3,3 Millionen Franken Antrittsgage für die Gruppenphase der Europa League auf sicher. In die Qualifikation müssen Thun (1:0-Sieg in Sion) und Luzern. Dieses Ziel verpassten der FCZ und St. Gallen (1:1). Hätte Majeed Ashimeru kurz vor Schluss seine Riesenchance für die Ostschweizer verwertet, wären nun diese Dritte und um ein paar Millionen reicher…

Lugano-Trainer Fabio Celestin herzt Mattia Bottani nach der Euro-League-Qualifikation.

Lugano-Trainer Fabio Celestin herzt Mattia Bottani nach der Euro-League-Qualifikation.

#3 Stéphane Henchoz Trainer beim FC Sion

Kurz vor den Barragespielen gegen den FC Aarau wurde bekannt, dass Xamax-Trainer Stéphane Henchoz in der kommenden Saison den FC Sion übernehmen wird. Im Gegensatz zu Steve von Bergen, Tranquillo Barnetta, Alain Nef, Claudio Lustenberger und Nelson Ferreira bleibt er damit der Super League erhalten. Die fünf zurücktretenden Spieler sind in der Liga insgesamt 1608 Mal aufgelaufen. Ersterer ist in der «Schweiz am Wochenende» bereits gewürdigt worden.

Der 37-jährige Alain Nef hätte beim FCZ gerne noch eine Saison angehängt, erhielt aber keinen Vertrag mehr. Beim FC St. Gallen beendete der 34-jährige Barnetta seine Karriere dort, wo er sie 17 Jahre zuvor lanciert hatte. Claudio Lustenberger war als 19-Jähriger zum FC Luzern gekommen und geblieben, bis er nun mit 32 Jahren zurücktritt. Der 37-jährige Nelson Ferreira vom FC Thun schliesslich war mit 437 Partien aktuell der Mann mit den meisten Super-League-Spielen.

Stephane Henchoz steht bald bei Sion an der Seitenlinie.

Stephane Henchoz steht bald bei Sion an der Seitenlinie.

#4 Niko Kovac darf bei den Bayern bleiben

Eine Woche nach dem 29. Meistertitel hat der FC Bayern München zum 19. Mal den Cup gewonnen und zum 12. Mal das Double. Robert Lewandowski (29./85.) und Kingsley Coman (78.) schossen die Tore zum verdienten 3:0-Sieg gegen Leipzig. Die Münchner brauchten aber einen überragenden Goalie. Manuel Neuer war nach längerer Verletzungspause zurückgekehrt und zählte zu den Matchwinnern.

Es war auch der Triumph von Trainer Niko Kovac, der ein Jahr zuvor an gleicher Stelle mit Frankfurt den Cup geholt hatte, bei Bayern aber bis zuletzt nicht so richtig geschätzt wurde. Am Samstag sagte aber der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge auf die klare Frage, ob der Pokalsieg auch ein klares Ja für Kovac gewesen sei: «Das haben wir eigentlich nie infrage gestellt.» Präsident Uli Hoeness sagte am Sonntag beim Fest auf dem Marienplatz: «Es ist ja wohl gar keine Frage, dass unser Trainer nächste Saison Niko Kovac heisst.»

Niko Kovac darf wohl beim FC Bayern bleiben.

Niko Kovac darf wohl beim FC Bayern bleiben.

#5 Freuler mit Bergamo in Champions League

In der italienischen Serie A sind am späten Sonntagabend die letzten Entscheidungen gefallen. Dabei sicherte sich Atalanta Bergamo mit Remo Freuler im Mittelfeld dank einem 3:1-Sieg über Sassuolo den dritten Rang und definitiv die Qualifikation für die Champions League. Eine grosse Leistung der Bergamasken! Ebenfalls für den Einzug in die Königsklasse genügte Inter der 2:1-Heimerfolg über Empoli, welches absteigen muss.

Trotz des 3:2-Erfolgs bei Spal Ferrara reichte es für die AC Milan nur für die Europa League. Am Tag zuvor hatte Blerim Dzemaili beim 3:2-Heimsieg von Bologna über Napoli ein Tor erzielt. Es war im 266. Spiel der 30. Treffer des 33-jährigen Schweizers. Im spanischen Cupfinal unterlag der FC Barcelona in Sevilla dem FC Valencia 1:2. Der Gewinn des Goldenen Schuhs für den besten Torschützen Europas dürfte für Lionel Messi ein schwacher Trost gewesen sein. In Portugal gewann Sporting den Cupfinal im Penaltyschiessen gegen Porto.

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