US Open

Vor Knaller-Final: Beckers Psycho-Krieg gegen Federer

Boris Beckers Worte sorgen für Wirbel in der Tenniswelt.

Boris Beckers Worte sorgen für Wirbel in der Tenniswelt.

An den US Open steht das Duell der Besten auf dem Programm! Doch der Kampf hat vor dem ersten Aufschlag längst begonnen. Djokovic-Coach Boris Becker stichelt gegen Federers Kamikaze-Return, den SABR. Machen die Psycho-Spielchen den Schweizer nervös?

Es ist das große Thema dieser US Open und wird vor dem großen Finale heiß diskutiert - ist Roger Federers SABR (Sneak Attack by Roger), der extrem aggressive Halbvolley-Return, ein cleverer Coup oder eine respektlose Unsportlichkeit? Federer selbst sieht kein Problem: «Alles, was funktioniert und was innerhalb der Regeln ist, sollte man auch nutzen. Und ich werde den SABR im Finale auf jeden Fall einsetzen.»

Der Nummer 1 missfällt der Trick

Djokovic dagegen reagiert gereizt auf die freche Variante des Schweizers, der beim Return schon auf der T-Linie steht und damit die Aufschlagbewegung seines Gegners interveniert. «Es ist ein spektakulärer Schlag für Roger - für den Spieler auf der anderen Seite des Netzes nicht so sehr. Mehr habe ich nicht dazu zu sagen», so der Serbe.

Sein Coach Boris Becker hatte dagegen eine Menge über den SABR zu sagen. Schon vor einigen Tagen stellte der dreimalige Wimbledonchampion in einem Interview fest, dass ihn seine Generation von damals einfach «abgeschossen» hätte, wenn er diesen Return probiert hätte. Am Samstag legte Becker in Flushing Meadows noch einmal nach - die Psycho-Spielchen vor dem Traumfinale sind in vollem Gange.

«Der SABR bedeutet, den gegnerischen Aufschlag nicht ernst nehmen», monierte Becker, «es gibt ungeschriebene Regeln im Tennis. Klar kann sich der beste Spieler aller Zeiten alles erlauben - aber es muss mir erlaubt sein, das zu erwähnen. Ich unterstütze meinen Spieler und wenn ich Dinge sehe, die in der Umkleide diskutiert werden und keiner getraut sich, etwas zu sagen, nur weil es Roger Federer ist - zu denen gehöre ich nicht.»

Becker ließ durchblicken, dass viele Spieler den Return als unsportlich empfänden und ist überzeugt, dass jeder andere Spieler dafür kritisiert werden würde - nur eben Federer nicht. Und die Tatsache, dass Becker sich nun trauen würde, das Schweizer Tennis-Denkmal anzukratzen, «erhitzt die Gemüter». «Daran sieht man doch, dass es alle beschäftigt», fügte der 47-jährige Leimener hinzu.

Federer soll Gegnern wie Djokovic oder Murray unterlegen sein

Becker kann jedoch verstehen, warum Federer den SABR einsetzt: «Es ist eine strategische Variante, ein Bluff, um den Aufschläger im Ungewissen zu lassen, ob er es wieder versucht oder nicht. Es ist ein Schachzug.»

Und den hat der Schweizer mit seinen 34 Jahren offenbar nötig auf den schnellen, amerikanischen Hartcourts. «Roger hat auf Hartplatz noch nie so aggressiv gespielt wie jetzt», befand Becker, «er hat gemerkt, wenn er in die langen Ballwechsel geht, ist er den etwas jüngeren Gegnern wie Djokovic oder Murray unterlegen.» Also setzt Federer seit dem Sommer auf dem Platz auf volle Attacke und den Kamikaze-Return.

Doch Becker gibt sich betont gelassen: «Es ist viel Gedöns um sehr wenig. Es ist nicht spielentscheidend. Roger wird deswegen nicht gewinnen und auch nicht verlieren. Er hat bisher beständig gut im Turnier gespielt, aber ich glaube nicht, dass er sich noch steigern kann - wir werden sehen, wie Novak darauf im Finale antwortet.» Darauf dürften wohl alle sehr gespannt sein...

Becker Tweet SABR

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