Noch vor zwei Jahren war die Super League fest in Deutschschweizer Hand. Der FC Sion war einziger Vertreter der Romandie. Doch die Zeiten haben sich geändert. Erst kam Xamax zurück, dann Servette. Eine Wiederauferstehung der Romandie. Eine notwendige, wie man in Genf findet. «Die Romand-Derbys fehlten», sagt etwa Trainer Alain Geiger. Und er erinnert sich an 10 000 Zuschauer gegen Lausanne in der Challenge League.

Für das Spiel am Samstag gegen Sion werden in Genf erneut so viele Zuschauer erwartet. «Wären derzeit keine Ferien, könnten auch 15 000 bis 20 000 Zuschauer kommen», sagt Servette-Präsident Didier Fischer. Er sehnt sich nach mehr Derbys. «Ich bin ganz klar für eine Aufstockung der Liga auf zwölf bis 14 Teams und den Zusammenschluss von Promotion und Challenge League zu einer neuen Liga von 20 Mannschaften», erklärt Fischer. Das gäbe Klubs wie Lausanne die Möglichkeit, in der höchsten Liga zu spielen. Also mehr Derbys.

Spielt Servette bald auf Kunstrasen?

Servette, das hat der erste Auftritt in Bern gezeigt, ist bereit für diese Liga. Jetzt wartet also Sion, das zum Auftakt gegen den FCB mit 1:4 unterging. Fischer geht optimistisch in dieses erste Derby: «Wir haben die Mannschaft verstärkt, ohne dass dabei der Esprit der Truppe verloren gegangen wäre. Spieler wie Tasar und Ondoua haben die Konkurrenz erhöht. Und bei Wüthrich hat man den Eindruck, dass der Ligawechsel ihn auf ein neues Level gebracht hat.» Der Ligaerhalt ist ein Muss. Unter Druck setzen will Fischer seine Mannschaft aber nicht, er sagt bloss: «Wir dürfen uns nicht verbieten, eine Überraschung zu schaffen.»

Weniger überraschend wäre, wenn Servette bald auf Kunstrasen spielen würde. Wie Thun, Xamax und YB. Die Pläne sind da, die Entscheidung aber liegt bei der Stiftung, der das Stadion gehört. «Derzeit können wir den Rasen zwei Stunden pro Woche nutzen. Die Stiftung möchte, dass die Genfer mehr von ihrem Stadion haben. Wenn der Naturrasen das Problem ist, dann darf es keine Tabus geben. Auch wenn ich ihn dem Kunstrasen vorziehe», sagt Fischer.

Noch keine gleichwertige Alternative zu Mikroplastik

Da ändert auch nichts daran, dass die EU offenbar ein Verbot von Kunstrasenplätzen ins Auge fasst, wie Anfang Woche bekannt wurde. Zu knapp ist der Platz in Genf. Ganz ähnlich also wie bei YB. CEO Wanja Greuel sieht die Entwicklung gelassen, sagt: «Ich gehe davon aus, dass man entweder neue Technologien entwickelt oder Alternativen zu Plastik findet.»

Die gibt es, wie eine Nachfrage bei Polyton, dem Hersteller des YB-Kunstrasens, ergibt. Zum Beispiel Kork oder Sand. «Aber beide Stoffe haben Nachteile. Sie dämpfen weniger, man verletzt sich schneller», sagt Polyton-Sprecher Tobias Müller. Ziel aber sei es, in den nächsten Jahren eine zu 100 Prozent biologische Lösung zu finden, die ähnliche oder gleiche Eigenschaften habe wie das Gummigranulat. Gut möglich also, dass dann in Genf ein Romand-Derby auf Kunstrasen steigt.

Sébastian Lavoyer