Coronamassnahmen

Was darf ich noch? Fragen und Antworten zu den neuen Regeln im Schweizer Sport

Ab sofort werden die Tribünen in der Schweiz wieder so aussehen.

Ab sofort werden die Tribünen in der Schweiz wieder so aussehen.

Die Worte von Gesundheitsminister Alain Berset tönen dramatisch. «Die Lage hat sich spektakulär verschlechtert. Darum müssen wir die Ungewissheit akzeptieren. Und nun auch bescheiden sein.» Es ist ein Appell, der ­direkt an die Sportlerinnen und Sportler der Schweiz gerichtet ist. So sieht die neue Welt aus.

Darf ich bei meinem Lieblingsklub noch ins Stadion gehen?

Nein. Ab sofort sind in der ganzen Schweiz keine Grossanlässe mehr erlaubt mit mehr als 50 Personen.

Kann mein Fussball-Training im Hobby-Verein noch stattfinden?

Auch nicht. Jeder Kontaktsport ist verboten – ausser für Profis.

Wie kann ich mich sonst fit halten?

Sportliche Freizeitaktivitäten in der Halle sind erlaubt, wenn maximal 15 Personen dabei sind – und dabei die ­Abstandsregeln eingehalten und Masken getragen werden. Es gibt auch ­Alternativen ohne Maske, wie Tennis oder Badminton. Oder Sportarten draussen wie Joggen oder Velo fahren. Auch Schwimmen ist ­möglich – es gibt einfach Kapazitäts-­Beschränkungen in den Hallenbädern.

Ich möchte lieber ins Fitnesscenter!

© Marco Govel / imago stock&people

Das sollte gehen. Aber es gilt Maskenpflicht, sowohl für Gruppen-­Aktivitäten wie auch für Übungen an Geräten. Ausnahmen gibt es für Center mit riesigen Flächen und wenig Besucherinnen und Besuchern. Klar ist: Je grösser das Center desto einfacher kann man sich schützen. Auch Zumba, Pilates oder Yoga ist mit Maske möglich. Überall und immer gilt: Maximal 15 Leute zusammen.

Dürfen meine Kinder weiter in ihre Sportvereine gehen?

Ja. Kinder und Jugendliche bis und mit 16 Jahren dürfen alle Arten von Trainings weiterführen – auch Kontaktsportarten wie Unihockey, Volleyball, Basketball oder Handball. Auch der Unterricht in Schulklassen darf stattfinden, selbst wenn mehr als 15 Personen in einer Klasse sind.

Training weiter erlaubt bis 16 Jahre. Damit das Kind einmal so gut wird wie der Sohn von Cristiano Ronaldo (Mitte)

Training weiter erlaubt bis 16 Jahre. Damit das Kind einmal so gut wird wie der Sohn von Cristiano Ronaldo (Mitte)

Wie lange bleiben die Regeln so?

Das ist eben noch nicht klar, «Ungewissheit akzeptieren», hat Bundesrat Berset gesagt.

Darf ich wenigstens darauf hoffen, im Winter auf die Skipiste zu gehen?

Diese Chancen sind berechtigt. Wenn die Ansteckungs-Zahlen zurückgehen, können die Skigebiete öffnen. Jene, die schon offen haben, dürfen den Betrieb aufrechterhalten. Auch Skitouren, Schneeschuhwandern oder Langlaufen ist jederzeit möglich. Verschiedene Hersteller haben bereits Masken konzipiert, die wie ein erweiterter Schal wirken – also sogar noch warm geben.

Die Wintersaison dürfte stattfinden.

Die Wintersaison dürfte stattfinden.

Überleben die Skigebiete, wenn viel weniger Leute kommen?

Natürlich spüren sie es, wenn Ski-Weekends abgesagt werden und der Après-Ski ausfällt. Dafür sehen die Zahlen des Sommers hervorragend aus, es sind viele Rekorde zu erwarten. Deshalb ist die Lage nicht aussichtslos.

Wie stark gefährdet ist mein ­Lieblingsverein im Fussball und im Eishockey?

Die finanzielle Lage spitzt sich zu. Den Vereinen entgehen zwischen sechs und zehn Millionen Franken.

Wie kann das Überleben sicher­gestellt werden?

Eine wichtige Rolle spielt das zinslose Darlehen des Bundes. Ab Dezember kann jeder Verein Geld in der Höhe von maximal 25 Prozent der Ausgaben der Saison 18/19 beziehen. Für den Fussball stehen gesamthaft 100 Millionen Franken fürs Jahr 2020 bereit, fürs Eishockey 75 Millionen. Im Jahr 2021 noch einmal derselbe Betrag Die Rückzahlungsfrist beträgt zehn Jahre. Doch diese Dauer ist unerheblich, denn die Klubs werden die Gelder nie zurückzahlen können – da können sie die Löhne noch so senken. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Bund die allermeisten der Schweizer Profiklubs betreiben und in den Konkurs schicken wird, ist sehr gering.

Kann ich in den nächsten Wochen weiterhin Fussballspiele der Super League schauen?

Geisterspiele. Aber immerhin. Die Super League wird weiterspielen.

Geisterspiele. Aber immerhin. Die Super League wird weiterspielen.

Ja. Die Liga tut alles dafür, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Liga lobt die Schutzmassnahmen der Klubs, muss aber auch immer wieder erleben, dass Kantonsärzte und Kantonsärztinnen ganze Mannschaften in Quarantäne schicken, wenn einzelne Spieler positiv getestet werden. CEO Claudius Schäfer sagt darum: «Die Quarantäne ist für einen geregelten Spielbetrieb ein grosses Hemmnis. Wir erwarten, dass es möglich ist weiterzuspielen, selbst wenn man zwei oder drei positive Fälle im Team hat. Wie in anderen Ligen auch. Das hatten wir vorab mit den Gesundheitsbehörden so besprochen.»

Wie sieht es im Eishockey aus?

Die National League und die Swiss League spielen – soweit die Teams nicht in Quarantäne sind – erst einmal bis am nächsten Sonntag durch. Dann wird während der Länderspielpause ohne Länderspiele entschieden, ob die Meisterschaft mit Geisterspielen fortgeführt oder eine Pause eingelegt wird. Für einen Unterbruch ist eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Die Tendenz heisst: Es wird mit Geisterspielen weitergespielt. In Kombination mit Lohnverzicht der Spieler, Bundesgeld und Wiedergewährung der am 1. September ausgelaufenen Kurzarbeitsentschädigung für Zeitverträge hoffen die Klubs, überleben zu können.

Welche Erkenntnisse gibt es aus dem runden Tisch, zu dem Sportministerin Viola Amherd geladen hat?

Das Bewusstsein, wie sehr der Sport leidet, ist in der Politik angekommen. Und ebenso die Bereitschaft, den Sport zu unterstützen. Weil die Erkenntnis gewachsen ist, dass Profiklubs mehr sind als geldverschlingende Monster. Es ist sogar möglich, dass die Vereine von der «Härtefall»-Klausel profitieren könnten. Zudem sind die Sportverbände erfreut, dass Kinder und Jugendliche weiter Teamsport treiben können.

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