Zweifel

Wegen der Buschbrände: Roger Federer dachte an Verzicht auf Australian Open

Roger Federer trainiert bereits in Melbourne.

Roger Federer trainiert bereits in Melbourne.

Seit Donnerstag weilt Roger Federer in Melbourne, wo er sich auf die Australian Open vorbereitet. Kurz vor seiner Abreise habe er mit dem Gedanken gespielt, die Reise nicht anzutreten.

Roger Federer beherrscht die Klaviatur der Diplomatie. Bestes Beispiel ist sein Umgang mit den Forderungen der Klimaaktivisten, die ihn jüngst dazu aufforderten, seine Zusammenarbeit mit der Schweizer Grossbank Credit Suisse zu beenden. Diese steht in der Kritik, weil sie Geld in Unternehmen investiert, die fossile Energien fördern wie Kohle oder Fracking. Federer reagierte mit einem Statement, das auch CH Media vorliegt.

Er nehme die Auswirkungen und Bedrohungen durch den Klimawandel sehr ernst. Als Vater von vier Kindern habe er grossen Respekt und Bewunderung für die jungen Klimaaktivisten. «Ich bin ihnen dankbar, dass sie uns alle dazu zwingen, unser Verhalten zu überprüfen und nach innovativen Lösungen zu suchen. Wir sind es ihnen und uns selbst schuldig, zuzuhören», richtete Federer aus. Er sei sich seiner Verantwortung als Privatperson, Athlet und Unternehmer bewusst und versprach, den Dialog mit seinen Sponsoren zu suchen. Er nannte dabei weder die Credit Suisse noch Greta Thunberg.

«Möchte ich wirklich dorthin?»

Seit letzten Donnerstag weilt Federer nun bereits in Melbourne, wo er ab kommender Woche bei den Australian Open seinen siebten Titel anstrebt. Nun sagte er bei einem Anlass, er habe sich überlegt, gar nicht erst nach Australien zu reisen. «Ich fragte mich, bin ich glücklich damit? Möchte ich wirklich dorthin? Oder sollte ich sofort aufhören, zu packen? Denn ich könnte auch einfach zu Hause bleiben!», sagte Federer.

Am Mittwoch nimmt er an einem Benefizspiel teil. Der Erlös fliesst den Opfern der Buschbrände in Australien zu. Zudem kündigte Federer an, aus seinem eigenen Vermögen zu spenden. Federer steht seit 2009 bei der Credit Suisse unter Vertrag. Diese unterstützt ihn im Gegenzug bei seiner Stiftungsarbeit, die Kindern im südlichen Afrika, aber auch in der Schweiz Zugang zu Bildung verschafft. Über 50 Millionen Dollar sind es inzwischen bereits. Alleine im letzten Jahr spendete Federer 1,8 Millionen Franken aus dem eigenen Vermögen, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist.

Federer steht immer wieder im Fokus der Klimaaktivisten. Wie hier im Februar 2019 in Genf anlässlich eines Events im Vorfeld des Laver Cups.

Federer steht immer wieder im Fokus der Klimaaktivisten. Wie hier im Februar 2019 in Genf anlässlich eines Events im Vorfeld des Laver Cups.

Auch zu seiner Rolle als Vorbild in Zeiten des Klimawandels macht sich der 38-Jährige durchaus Gedanken. Ob er ein schlechtes Gewissen habe? «Wenn ich Ja sagen würde, müsste ich meine Karriere sofort beenden. Deshalb kann ich nicht so antworten.» Mitte Dezember sagte er zu Schweizer Medien, mit seinem Lebenswandel könne er kein Vorbild sein. «Wir leben ein komplett abnormales Leben. Deshalb ist dies ein heikles Thema für mich. Wenn du auf meinem Niveau Tennis spielst, reist du das ganze Jahr. Ich verbringe so viel Zeit im Flugzeug. Deshalb kann ich den Leuten nicht sagen, sie müssten darauf achten, nicht zu viel zu fliegen, und dann gleich nach Australien reisen. Aber ich kann die Grand-Slam-Turniere ja auch nicht nach Basel holen.» Dass sich Federer von der Credit Suisse lossagt, wie seine Kritiker fordern, erscheint gleichwohl illusorisch.

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