Als Konsequenz fordern sie die Wada auf, die Dopingliste radikal zu entrümpeln und Sportler weltweit aufzuklären, dass ihr heimlicher Betrug eigentlich gar keiner ist. Höchstens ein Spiel mit der Gesundheit.

Fast gleichzeitig sagt eine Studie in Nordamerika, bei denen Sprinter anstatt mit leistungssteigernden Substanzen von Nahrungsergänzungsmitteln lediglich mit Placebos gefüttert wurden, dass bereits das Gefühl, ein solches Zaubermittel einzunehmen, zu einer Verbesserung der Leistung führt. Ist Doping letztlich vor allem eine Kopfsache und sind viele verbotene Mittel gar nicht so effektiv, wie man denkt?

Die beiden niederländischen Wissenschafter haben sämtliche vorliegenden Studien über die Leistungssteigerung der verbotenen Substanzen ausgewertet. In vielen Fällen ist ein Effekt deshalb nicht erwiesen, weil es schlicht keine Studien gibt.

Daraus zu schliessen, dass viele Mittel gar nicht leistungssteigernd sind, ist aber zu simpel. Zwar sind sich viele Fachleute einig, dass die Wada-Verbotsliste tatsächlich Substanzen enthält, für deren Verbot es keine Notwendigkeit mehr gibt. Die Praxis zeigt aber auch, wie heikel das Entfernen aus der Liste sein kann.

2004 kam man zum Schluss, dass die Verwendung von Pseudoephedrin eine zu kleine Leistungssteigerung zur Folge hat, und hob das Verbot auf. Die Folge war eine dramatische Zunahme des Missbrauchs. Wegen der geringen Wirkung ganz einfach mit einem Vielfachen der therapeutischen Dosis.

Die Kriterien für die Verbotsliste umfassen neben der leistungssteigernden Wirkung auch eine gesundheitliche Gefährdung und den Verstoss gegen den Geist des Sports. Das ist der Fall, wenn kerngesunde Athleten Medikamente schlucken, die für schwerkranke Menschen bestimmt sind.

Und letztlich ist es gar nicht so einfach, einen leistungssteigernden Effekt von Substanzen wissenschaftlich nachzuweisen. Die meisten beantragten Studien werden von der Ethikkommission nicht bewilligt. Erstens kann man Spitzensportlern nicht einfach dopingrelevante Mittel einflössen. Zweitens ist es höchst unethisch, bestens trainierten Menschen eine stark überhöhte Dosis eines Medikamentes zu verabreichen. Doch genau das passiert im Sport, wie der jüngste Dopingskandal in Deutschland einmal mehr zeigt.