Muriel Mercier

Der 20. November 2009 war ein schwarzer Tag für den Fussball. Beim Cup-Achtelfinal zwischen dem FCB und dem FCZ kam es zu brutaler Randale vor und im Gästesektor des Basler St.-Jakob-Parks: Zürcher Hooligans stürmten den Eingangsbereich, zerlegten den Gästesektor in Einzelteile, rissen Schalensitze aus den Rängen und warfen sie auf Personen, die in den unteren Reihen sassen. Die Basler Polizei setzte Gummischrot und Tränengas ein. Es gab 25 Verletzte. Sieben Fussball-Chaoten wurden vor Ort verhaftet.

Seither suchen Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt (Stawa) zusammen mit ihren Zürcher Kollegen nach weiteren Übeltätern. Am Freitag greift sie nun zu jener Massnahme, die sie wiederholt angekündigt hat: Sie veröffentlicht Bilder von 17 namentlich noch nicht identifizierten Personen im Internet, denen eine oder mehrere Straftaten angelastet werden. Landfriedensbruch, Sachbeschädigung sowie Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz gehören zum Deliktskatalog.

Diesem Schritt der Stawa, die Bilder der mutmasslichen Täter zu publizieren, gehen allerdings andere Ermittlungsmassnahmen voraus. Man dürfe dies erst tun, nachdem alles andere fehlgeschlagen habe, sagt Beat Rudin, der Basler Datenschutzbeauftragte. «Die Stawa hat intensiv mit den Kennern der Zürcher Hooligan-Szene zusammengearbeitet und uns glaubhaft versichert, dass sie das Mögliche unternommen hat, um die Täter auf anderem Weg ausfindig zu machen.»

Damit die Bilder im Internet aber nicht gegen die Regeln des Datenschutzes verstossen, musste die Stawa jeweils ein Strafverfahren gegen die Personen einleiten. Zudem: «Wir hatten sehr viele Bilder von möglichen Tätern», sagt Stawa-Sprecher Markus Melzl. «Aber wir veröffentlichen nur diejenigen Köpfe, von denen wir auf den Aufnahmen präzise erkennen, dass sie eine Straftat begangen haben. Wir wollen schliesslich keine Vorwürfe hören, wir würden die Leute nur an den Pranger stellen», fügt er an.

Delikt muss schwer genug sein

Dies verlangt auch der Datenschutz. «Der Verdacht zu einer Straftat muss hinreichend sein, damit Fotos veröffentlicht werden dürfen», erklärt Rudin. Ausserdem müsse das ausgeführte Delikt eine gewisse Schwere haben. «Mauerpinkler dürften so nicht ermittelt werden. Bei der Tat muss es sich beispielsweise um Körperverletzung handeln.» Andere Menschen, die um die Täter herum standen, dürfen ausserdem nicht erkennbar sein.

Die 17 Bilder der Straftäter werden am kommenden Freitag ab 8 Uhr auf www.stawa.bs.ch/tatverdächtige-fussballfans zu sehen sein. Bis dahin können sich diejenigen Personen aus der Zürcher Hooligan-Szene, die am Cup-Achtelfinal eine strafbare Handlung begangen haben, bei der Stawa melden.