Kunstturnen

Die grosse Freude auf ein lautes Publikum

Jessica Diacci am Schwebebalken

Jessica Diacci am Schwebebalken

Das Aargauer Frauen-Duo Jessica Diacci und Laura Schulte ordnen den persönlichen WM-Erfolg dem Team unter.

Grölende Schotten? Kein Problem für Jessica Diacci. Die 21-Jährige aus Villnachern freut sich auf den Mehrkampf in der SSE Hydro Arena in Glasgow vor 13 000 begeisterungsfähigen und lauten britischen Kunstturn-Fans. «Bei einigen meiner Wettkämpfe ist der eigene Atem das lauteste Geräusch, das man hört. Ich freue mich, wenn eine Stimmung herrscht wie am Fussballmatch», sagt die Mehrkampf-Finalistin der letzten Europameisterschaften. Auch Teamkollegin Laura Schulte spricht von einer Megahalle und einer Superstimmung, die sie in Glasgow erwartet und die sie beflügelt und nicht etwa stört.

Für die 18-jährige Fricktalerin aus Stein ist es nach 2014 die zweite WM-Teilnahme. Ihr Weg nach Glasgow war ein Rennen gegen die Zeit. Rätselhaften Fussproblemen während des Winters folgte im Mai eine Operation des grossen Zehs am linken Fuss. Neben ihren Schrauben beim Sprung und am Boden begleiten Laura Schulte seither auch zwei Schrauben im Zeh. Erst Ende September kehrte die Wirtschaftsmittelschülerin an der Schweizer Meisterschaft ins Wettkampfgeschehen zurück. Dies als Mehrkampf-Dritte derart überzeugend, dass sie sich das WM-Ticket sicherte.

«Alles ging schneller als eigentlich geplant», sagt die Fricktalerin. Nicht nur, weil es sportlich läuft, schwebt Schulte auf Wolke sieben. Vor einem Monat machte sie den Führerschein und kurvt seither mit ihrem neuen Opel die steile Strasse von Biel, wo sie in einer Gastfamilie direkt am See lebt, zum «Arbeitsort» Magglingen hoch.

Fragt man Diacci und Schulte nach ihren WM-Zielen, dann sprechen beide ohne mit der Wimper zu zucken vom Teamergebnis – und nur davon. Rang 16 wird mit Punktelokomotive Giulia Steingruber angestrebt. Gelingt dies, dürfen die Schweizerinnen im Frühling beim Testwettkampf in Rio um ein Olympiaticket kämpfen. Ein hohes Ziel – den Mehrkampf bei der letzten WM in China beendete das Frauenteam auf dem 19. Platz.

Fehlerfreie Übungen will Jessica Diacci zum Teamerfolg beitragen. Wegen einer langen Verletzungsserie ist es ihr erster WM-Auftritt seit 2011. «Ich will nicht mehr zurückblicken», sagt sie. Die Leidenschaft fürs Kunstturnen habe ihr über die dunklen Zeiten hinweggeholfen. «Und in diesem Jahr bin ich gesund und megazufrieden.» Mit der Qualifikation für den Final der 24 Besten im Mehrkampf gelang ihr an der EM das international wertvollste Resultat. Daneben hat sie im Sommer die Wirtschaftsmittelschule ebenfalls mit einer Topleistung abgeschlossen. Die WM kann für Jessica Diacci kommen. 

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