Sportpolitik

FCB – der Klotz am Bein der Basler Sportpolitik

Welches ist die Sportstadt der Schweiz? Basel! Wo sitzen am meisten Regierungsmitglieder und Ratsangehörige auf der Stadion-Tribüne? In Basel! Wo müht sich die Sportpolitik am meisten ab? In Basel . . .

FCB

Welches ist die Sportstadt der Schweiz? Basel! Wo sitzen am meisten Regierungsmitglieder und Ratsangehörige auf der Stadion-Tribüne? In Basel! Wo müht sich die Sportpolitik am meisten ab? In Basel . . .

Das Basler Sportkonzept von 1999 ist versandet, während sich die Basler Politik mit der Sportförderung ziemlich schwer tut. Es mangelt an einer organisierten Sportlobby.

Von Bojan Stula

Wieso hat der Sport in der Sportstadt Basel keine grössere Polit-Lobby? «Das habe ich mich auch schon gefragt», sagt der soeben zurückgetretene Präsident des Basler Fanprojekts und Sportbeirat Markus Lehmann. «Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt», sagt der Basler Sportgesetz-Initiant André Weissen. «Das frage ich mich immer wieder», sagt der Panathlon-Präsident Bernhard Segesser. Die Ratlosigkeit dieser drei ausgewiesenen Basler Sportförderer darf als durchaus repräsentativ für die Lage im Stadtkanton angesehen werden.

Dass es der Sport in der Sport- und Euro-Stadt Basel auf politischem Parkett schwer hat, ist eine alte Erkenntnis. Zahllose gescheiterte Anträge, Vorstösse, Pläne und Visionen pflastern den Weg der hiesigen Sportentwicklung. Das 1999 verabschiedete Basler Sportkonzept ist bis heute nie richtig umgesetzt worden. Andere Initiativen, wie etwa das 2007 vom Departement Eymann aufgegleiste Vereins-Unterstützungsprojekt, wurden von einem Teil der Betroffenen als ungenügend taxiert.

«Wenn es darum geht, sich an der Meisterfeier des FCB in der ersten Reihe zu zeigen, sind alle dabei. Wenn es aber darum geht, die Grundlagen für den Basler Sport zu schaffen, drängt sich keiner mehr vor», schimpft Sportarzt Segesser. CVP-Parteipräsident Markus Lehmann weiss aus seiner Tätigkeit als Grossrat und Initiant der Sportkommission, dass man bei Sportvorlagen immer unheimlich viel lobbyieren muss: «Ich wurde oft belächelt, wenn ich mich solcher Themen annahm.» Entsprechend gering ist die Anzahl städtischer Politikerinnen und Politiker, die man reflexartig als sportfreundlich und -fördernd bezeichnen will.

Ex-Spitzenhandballer Markus Lehmann und CVP-Parteikollege André Weissen zählen in dieser Hinsicht zweifellos zur ersten Garde. Daneben kommen vielleicht noch Grossrats-Namen wie Ernst Mutschler (FDP), Heinrich Ueberwasser (EVP), Christine Keller (SP), Oskar Herzig (SVP), Claude Beranek (LDP), Peter Bochsler (DSP) oder das Bündnisgrüne Vater-Tochter-Gespann Urs und Loretta Müller in den Sinn. FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler sind daneben auch Conradin Cramer (LDP), Sakia Frei (FDP) oder SVP-Präsident Sebastian Frehner als besonders sportpolitisch interessiert aufgefallen.

Sie alle haben sich in der Vergangenheit im Grossen Rat für sportfördernde Vorlagen ausgesprochen oder selber solche eingereicht. Dieser bunte Querschnitt durch die Parteienlandschaft beweist zumindest, dass das übliche Links-rechts-Schema bei politischen Sportfragen keine, oder allenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dies bestätigt Lehmann: «In jeder Fraktion gibt es Gleichgesinnte.» «Allerdings», gibt Lehmanns Parteikollege André Weissen zu bedenken, «kommt bei den wenigsten Politikerinnen und Politikern die Unterstützung für den Sport aus innerem Antrieb und von sich aus».

Ein anderes grundsätzliches Problem sei, dass der Regierungsrat in Sportfragen ein sehr heterogenes Bild abgebe. «Da wird nur ganz selten an einem Strick zu Gunsten des Sports gezogen», so Lehmann. «Wenn es um die Finanzierung von Projekten geht, wird dies in der Regierung verhindert. In finanziellen Fragen schaut jeder Regierungsrat nur für sich», kritisiert Lehmann und nennt ein Beispiel: «Als ich 2003 einen Vorstoss einreichte, um die St. Jakobshalle in eine Genossenschaft nach Vorbild des Fussballstadions umzuwandeln, wurde dies vom Erziehungsdepartement hochkant abgelehnt.»

An Stelle der üblichen Gräben zwischen den Parteien tun sich in politischen Sportfragen also vielmehr grundsätzliche Differenzen zwischen Grossem Rat und Regierung auf. FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler vermisst in dieser Hinsicht vor allem ein «organisiertes politisches Lobbying» zugunsten des Sports: «Darunter leiden auch andere Sportarten und Vereine.»

CVP-Grossrat André Weissen hegt noch einen anderen Verdacht, gerade in Bezug auf den FCB: Neben der Vorreiterrolle, die der FC Basel in der regionalen Sportlandschaft unbestritten einnimmt, wirke er andererseits als politischer Verhinderer - zumindest unbewusst. Viele Politikerinnen und Politiker geben sich in Fragen, die den FC Basel im Speziellen und den Sport im Allgemeinen betreffen, äusserst zurückhaltend: «Der FC Basel mit seinen Millioneneinnahmen und dem Hooligan-Problem gleicht einem politischen Minenfeld», sagt Weissen. «Da haben viele Angst um ihren politischen Ruf, wenn sie den FC Basel offen unterstützen; besonders in finanziellen Fragen.»

Diese Beobachtung kann Bernhard Heusler aus Sicht des FCB nur bestätigen: «Bei der Gewaltproblematik kann man auf dem politischen Parkett nicht punkten, ausser man tritt als verbaler Hardliner auf. Doch Hardliner, die sich nicht vertieft mit der Thematik auseinandersetzen, tragen nie konstruktiv zur Lösungsfindung bei», stellt Heusler fest. «Das ist nicht nur in Basel, sondern auch auf Bundesebene so.»

Aber auch die politisch verkehrte Darstellung des FC Basel als gewinnorientiertes Unternehmen ärgert den FCB-Vizepräsidenten: «Wir halten den FC Basel nur auf einem solch hohen Niveau, weil wir überzeugt davon sind, dass die Region Basel Spitzenfussball sehen will und der FCB für viele Baslerinnen und Basler eine wichtige identitätsstiftende Funktion erfüllt.» Wenn man den Nutzen daraus ziehen wolle, dann müsse man eben auch zu den Nebenwirkungen Ja sagen und nicht so tun, wie wenn diese vom Klub erfunden worden wären.

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