Mit geschicktem Management und der notwendigen Kaufkraft hat sich Wiler-Ersigen im Schweizer Unihockey wieder an die Spitze gehievt. In der neuen Saison ist der namhaft verstärkte Titelverteidiger wieder der Gejagte, dem am ehesten die Grasshoppers die Stirn bieten können. "Wiler-Ersigen kauft zwei Weltmeister, GC einen weiteren Schweizer Nationalspieler" lautete die Formel im Transfersommer.

Das 12:1 im Supercup gegen Langnau war nach den Transfercoups von Joonas Pylsy und Krister Savonen erstes sportliches Ausrufezeichen von Wiler-Ersigen. Die beiden finnischen Weltmeister - Pylsy avancierte nach seinem ersten überzeugenden Gastspiel in der Schweiz für Langnau zwischen 2013 und 2016 zum absoluten Weltklassestürmer, Savonen gilt als mutmasslich bester Verteidiger - benötigten keine vier Minuten, um sich ein erstes Mal in die Skorerliste einzutragen. Bereits tauchte in Unihockey-Kreisen wieder jene Frage auf, die sich während einer Dekade so viele gestellt haben: "Wer kann Wiler-Ersigen bloss gefährlich werden?"

Nun, den Grasshoppers ist es zuzutrauen. Die Zürcher, in der Vorsaison Qualifikationssieger und erst im Superfinal von Wiler-Ersigen gestoppt, reagierten auf den Abgang von Emil Julkunen (nach Zug) und die Rücktritte von Roberto Vizzini und Nico Berlinger mit der Verpflichtung des umworbenen Churer Nationalstürmers Paolo Riedi und des finnischen Zorro-Künstlers Daniel Johnsson von Wiler-Ersigen. Wiler-Ersigen seinerseits liess unter anderem Verteidiger Daniel Sesulka und Goalie Christoph Reich nach Chur ziehen, dazu traten die Ex-Nationalspieler Dave Wittwer und Joel Krähenbühl zurück.

Mit Aussenseiterchancen steigen Malans (mit Rückkehrer Jarkko Nurmela) und Köniz (mit Schweden-Rückkehrer Manuel Maurer, ohne Schweden-Abgang Jan Zaugg und den zu Winterthur gewechselten Patrik Doza und Tuomas Iiskola) ins Rennen. Dahinter dürfte ein Sextett mit Zug, Rychenberg Winterthur, dem ohne Ausländer spielenden Cupsieger Langnau, Chur, Uster und Waldkirch-St. Gallen um die weiteren Playoff-Plätze kämpfen. Für Thun und den kampfstarken, aber qualitativ limitierten Aufsteiger Sarnen dürfte es um den Verbleib in jener Liga gehen, in der einem Gentlemen's Agreement zufolge neu pro Spiel maximal vier Ausländer eingesetzt werden sollen. Eine Absichtserklärung, die von Zug nicht unterschrieben wurde. Die Zentralschweizer steigen mit sechs Legionären (unter ihnen zwei Goalies) in die Saison.

Piranha Chur gegen die bösen Geister

Für die Frauen von Piranha Chur endete die letzte Saison doppelt bitter. Obwohl sie spielerisch die Besten waren, liessen sie sich vom Dauerrivalen Kloten-Dietlikon die nationalen Titel abluchsen. Sowohl im Cupfinal als auch im Superfinal verspielten die Bündnerinnen Führungen - im Spiel um den Meistertitel ein 4:1 im Schlussdrittel, im Cup ein 2:0 in den letzten 14 Minuten.

Helfen im Kampf gegen die bösen Geister soll ein Erfolgstrainer früherer Tage. Mark van Rooden, 2012 bei den Churerinnen nach diversen gemeinsamen Erfolgen entlassen, erhält eine neue Chance. Der Zürcher löst den zurückgetretenen Daniel Darms ab und führte seine Equipe auf Anhieb zu einem 7:1 im Supercup gegen Kloten-Dietlikon.

Die erste gelungene Revanche kam die Churerinnen indes teuer zu stehen. Die neu verpflichtete Norwegerin Karen Farnes zog sich einen Kreuzbandriss zu, Captain Seraina Ulber verletzte sich am Fuss und befindet sich nach einer Operation im Wettlauf gegen die Zeit um die Teilnahme an der Heim-WM in Neuenburg im Dezember, ihrem letzten grossen Karriere-Highlight. Damit könnten sich die Vorteile wieder Richtung Kloten-Dietlikon verschoben haben. Die Zürcherinnen glauben, die durch eine Handvoll Abgänge entstandenen Lücken unter anderem mit der Verpflichtung der schwedischen Weltmeisterin Iza Rydfjäll geschlossen zu haben.

Verletzungspech hin oder her, für die nachfolgenden Kräfte Bern-Burgdorf, Berner Oberland, Emmental Zollbrück und die Red Ants dürfte der Superfinal auch diesmal ausser Reichweite sein. Neu vertreten ist in der höchsten Spielklasse der Frauen das Tessin anstelle der Romandie. Mendrisiotto sicherte sich die erstmalige Promotion in die NLA im Auf-/Abstiegsduell gegen Aergera Giffers.