Schwingen

Gisler gewinnt zum 4. Mal das Nordwestschweizerische Schwingfest

Bruno Gisler kann es doch noch. Im vorletzten Kranzfest vor dem Eidgenössischen landet der Solothurner einen überzeugenden Sieg. Der Vater gewinnt und sein Sohn scheint bereit, ihn abzulösen.

Die blutige Schramme an der Nase war Bruno Gisler egal: Sieger am Nordwestschweizerischen Schwingfest in Fulenbach. Nach 14 intensiven Minuten im Schlussgang gegen Michael Bless, den Gast aus der Nordostschweiz, reichte dem Solothurner das Unentschieden zum Festsieg.
Die Vorgeschichte bietet schon fast Stoff für einen Film. Doch von vorne: Bruno Gisler hat mit seiner Frau Evelin drei Kinder. Zwei Mädchen und einen Buben. Sohnemann Timo ist erst sieben Jahre alt.

Die Highlights des Schlussgangs im Video:

Nordwestschweizer Schwingfest

Nordwestschweizer Schwingfest

Schlussgag 2016: Bruno Gisler gegen Michael Bless

m Samstag durfte er zum ersten Mal wettkampfmässig ins Sägemehl. Papa Bruno Gisler hat ihn an den Schnuppertag in Fulenbach mitgenommen. Und Timo ist eben schon ganz der Papa: Er gewann. «Das hat mich für das Fest am Sonntag motiviert», sagte Bruno Gisler und machte es seinem Nachwuchs nach: Sieg. Zum vierten Mal am Nordwestschweizerischen nach 2007, 2011 und 2015. Was für ein Happy End für die Familie.

Doch das ist noch nicht mal alles. Die Geschichte hat noch zwei Pointen mehr. Heute hat Bruno Gisler Geburtstag. Er wird 33 Jahre alt und beschenkte sich am Sonntag selbst: mit dem Sieg und dem 100. Kranz für den Nordwestschweizer Verband. «Das macht mich sehr stolz. Es hat gleich beim ersten Versuch geklappt.»

Der grösste Hoffnungsträger

Insgesamt hat er nun 114 Kränze. Die ersten 14 hat der Innerschweizer, der in der Ostschweiz aufgewachsen ist, für einen anderen Verband geholt. Nun ist er pünktlich für das «Eidgenössische» Ende August in Topform gekommen. Damit zählt er in Estavayer erst recht zu den grössten Hoffnungsträgern des Nordwestschweizer Verbands. «Meine Formkurve stimmt», sagt Gisler, der am nächsten Sonntag auf der Schwägalp den letzten Test für das Saisonhighlight in Angriff nimmt. «Ich bin gut im Schuss, danach habe ich zwei Wochen Pause bis Estavayer. Ich sehe keinen Grund, nicht zu starten.»

Dies, obwohl Gisler selbst sagt, dass er das Alter und die Doppelbelastung mit eigenem Bauernhof immer deutlicher spürt. «Ich arbeit 150 Prozent und daneben schwinge ich.» Nur die Lust am Sport ist nach wie vor gross. «Ich gehe zwar davon aus, dass es in diesem Jahr mein letztes ‹Eidgenössisches» werden wird, aber wenn mein Körper weiterhin mitspielt, werde ich sicher noch ein Jahr weitermachen.»

Fällt Mario Thürig aus?

Dass ein Einsatz kurz vor dem Eidgenössischen aber immer auch mit Risiko behaftet ist, zeigte sich am Sonntag. Mario Thürig, erst Anfang der Saison nach einer langen Verletzungen auf den Schwingplatz zurückgekehrt, verletzte sich erneut am Knie. Wie schlimm es ist, werden erst die nächsten Tage zeigen. Zumindest muss befürchtet werden, dass der vierfache Eidgenosse erneut ausfallen könnte.

Es wäre für den Nordwestschweizer Verband ein herber Verlust für das «Eidgenössische.» Ein Kranzgewinn ist beim 31-Jährigen programmiert, wenn er dabei sein kann. Ebenfalls verletzt aufgeben musste am Sonntag Marc Stoffel, der Grenzwächter aus dem Basellandschaftlichen Verband.

Hauptprobe für die Bösen

Hauptprobe für die Bösen

Das Nordwestschweizer-Schwingfest ist für die regionalen Schwinger der letzte grosse Formtest für das Eidgenössische in drei Wochen.

Von den weiteren Hoffnungsträgern des Nordwestschweizer Verbands verpasste Christoph Bieri am Sonntag sogar den Kranz. Damit ist für den 30-Jährigen der letzte Test für Estavayer missglückt. Denn anders als Gisler verzichtet der Aargauer auf einen Start auf der Schwägalp. «Wenn ich drei Wochen vor dem Eidgenössischen gesund bin, riskiere ich nichts mehr», sagt er. Die Unfälle von Mario Thürig aber auch von Marc Stoffel zeigen, dass dieses Denken durchaus berechtigt ist.

Das Generationenduell

Besser als Bieri lief es den restlichen Trümpfen für Estavayer. Patrick Räbmatter und Remo Stalder konnten beide den Tag mit Kranzauszeichnung beenden. Gleiches gilt für den 19-jährigen Aargauer Nick Alpiger, der sinnbildlich für die aufstrebende neue Generation im Verband steht (siehe Box). Einzig vom späteren Festsieger Bruno Gisler musste sich Alpiger am Sonntag besiegen lassen.

Ein Sieg, der Gisler wichtig ist: «Nick und ich hatten schon einige gute Duelle. Für mich als Routinier ist es schön, noch gegen die starken Jungen bestehen zu können.» Noch – auch Gisler ist sich bewusst, dass es im Nordwestschweizer Verband schon bald zu Wachablösungen kommen könnte.

Doch wer weiss: Vielleicht wird sich Alpiger in ein paar Jahren wieder mit einem Gisler messen. Bruno Gislers Sohn Timo hat an diesem Wochenende ja gezeigt, dass er das Schwingen in den Genen hat. Zwar ist er 12 Jahre jünger als Alpiger. Doch das heisst einzig, dass die Situation dannzumal andersherum wäre. Alpiger als Routinier und Gisler als junger Herausforderer.

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