Nina Betschart und Tanja Hüberli verpassten die Sensation nur knapp. In einem hochdramatischen und emotionalen Halbfinal gegen die Kanadierinnen Melissa Humana-Paredes und Sarah Pavan verloren die Schweizerinnen 19:21, 21:17, 17:21). Nachdem sie sechs Matchbälle abgewehrt und einen eigenen Matchball vergeben hatten, schaffte die lange Sarah Pavan mit einer Blockaktion die Entscheidung. Schon an den letzten Titelkämpfen in Wien waren Hüberli/Betschart den Kanadierinnen, die im Vorjahr am Major-Turnier in Gstaad triumphiert hatten, unterlegen.

Noch immer ist aber die erste Medaille eines Schweizer Frauen-Teams möglich. Dazu benötigen Hüberli/Betschart am Samstag im Spiel um Platz 3 einen Sieg gegen das australische Duo Taliqua Clancy/Mariafe Artacho, die Nummer 7 des Turniers. Clancy/Artacho hatten in den Achtelfinals die andere Schweizer Paarung, Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré, ausgeschaltet.

"Wie ein Traum"

Das Highlight des Tages hatten die beiden Schweizerinnen in ihrem ersten Spiel vom Freitag gesetzt, indem sie sich gegen die Brasilianerinnen Barbara/Fernanda mit 19:21, 21:13, 15:13 in die Halbfinals vorkämpften. Wie schon tags zuvor beim Exploit gegen die als Nummer 4 gesetzten Brasilianerinnen Ana Patricia/Rebecca verloren Hüberli/Betschart auch im Viertelfinal gegen das erneut höher eingestufte brasilianische Duo den ersten Satz. Doch die Schweizerinnen, lediglich die Nummer 16 des Turniers, vermochten sich erneut zu steigern und setzten sich letztlich verdient mit 19:21, 21:13, 15:13 durch.

"Es fühlt sich an wie ein Traum, der wahr wird", freute sich Blockspielerin Hüberli, die zusammen mit Betschart vor einem Jahr EM-Silber gewonnen hat. "Wir sind hierhergekommen und wussten, dass wir gut spielen können. Aber wenn du dann die Halbfinals erreichst, ist das schon etwas Besonderes." Für Philippe Saxer, den Direktor Beachvolleyball bei Swiss Volley, war klar: "Was Tanja und Nina heute Mittag gezeigt haben, ist etwas vom Besten im Schweizer Frauen-Beachvolleyball, das ich je gesehen habe - wenn nicht sogar das Beste."

Hüberli/Betschart schaffen Historisches

Der Halbfinaleinzug der beiden Zentralschweizerinnen war gleich in doppelter Hinsicht historisch: Noch nie zuvor schaffte es ein Frauenteam aus der Schweiz an einer WM in die Halbfinals. Bislang war ein 5. Rang von Nicole Schnyder/Simone Kuhn aus dem Jahr 2003 das beste Resultat. Bei den Männern gab es 1999 (Paul und Martin Laciga) und 2005 (Paul Laciga/Sascha Heyer) zweimal Silber.

Mit dem Erfolg von Hüberli/Betschart stand auch fest, dass die stolze Volleyball-Nation Brasilien erstmals überhaupt in der WM-Geschichte mit keinem Frauenteam unter den Top 4 vertreten ist.