Fechten
Max Heinzer rockt das Jazz-Mekka und holt EM-Silber

Max Heinzer gewinnt in Montreux EM-Silber im Degenfechten. Er wird erst im Final vom französischen Weltranglisten-Ersten Gauthier Grumier gestoppt (12:15).

Andreas Fretz
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Max Heinzer, from Switzerland, right, competes against Bas Verwijlen, from the Netherlands, left, during the men's individual epee 1/16th final at the European Fencing Championships in Montreux, Switzerland, Sunday, June 7, 2015. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Max Heinzer, from Switzerland, right, competes against Bas Verwijlen, from the Netherlands, left, during the men's individual epee 1/16th final at the European Fencing Championships in Montreux, Switzerland, Sunday, June 7, 2015. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

KEYSTONE/VALENTIN FLAURAUD

Die Weltnummer 1 gegen die 4, ein Franzose gegen einen Schweizer, Gauthier Grumier aus der Bourgogne gegen Max Heinzer, den Schwyzer von der Fechtgesellschaft Basel: Montreux hatte seinen Traumfinal. Dreimal schon hatte Heinzer EM-Bronze im Degen-Einzel gewonnen. Bis gestern nun Silber dazukam.

«Irgendwann, ich hoffe schon sehr bald, werde ich sehr glücklich über diese Medaille sein», sagte Heinzer unmittelbar nach dem Final, den er mit 12:15 verloren hatte. Nur zu gerne hätte Heinzer bei der Siegerehrung der Schweizer Hymne gelauscht, und zu Beginn des Gefechts schien sich sein Wunsch zu erfüllen.

Er führte zunächst mit 3:1, ehe der Franzose mit fünf Treffern in Serie zum 6:3 den Umschwung einleitete. Die Verletzung an seiner Hand, die Heinzer im Halbfinal erlitten hatte, wollte der nicht als Ausrede gelten lassen. Er sei stolz auf seine Leistung, sagte Heinzer, «stolz, dass ich dem Druck an der Heim-EM standgehalten habe».

Armada scheiterte früh

Gleich eine ganze Armada hatten die Schweizer Degenspezialisten ins EM-Gefecht geschickt. Eine hoffnungsvolle Armada, der in Europa laut Papierform nur Frankreich das Wasser reichen kann. Angeführt von Heinzer, der Weltnummer 4, über Fabian Kauter (11), Benjamin Steffen (15) und Peer Borsky (29), zählten alle vier Eidgenossen zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten. Alles war angerichtet in Montreux.

Doch dann kamen die Sechzehntelfinals. Und nur ein Schweizer blieb übrig: Max Heinzer, der Teamleader. Am Vorabend des Einsatzes flanierte das Quartett noch gemeinsam am Ufer des Genfersees, genoss die wunderbare Promenade in Montreux, ass ein Eis und beäugte die Freddie-Mercury-Statue im Hafen, die die rechte Faust triumphierend in die Höhe streckt.

Danach gings zurück ins Hotel, wo vor dem Einschlafen noch der Champions-League-Final auf der Agenda stand. Ein Vorbereitungsprogramm, dessen Symbolik förmlich nach Gold riecht. Am Ende wurde es Silber.

Heinzer animierte das Publikum

In der Gruppenphase gaben sich die Schweizer keine Blösse. Alle erreichten souverän das 64er-Tableau. Damit ging das Turnier in den K.-o.-Modus über. Auch hier überstanden noch alle Schweizer die erste Runde. Dann die verhängnisvollen Sechzehntelfinals.

Das Auditorium Stravinski, wo sich am Jazzfestival die Grössen aus der Musik die Ehre geben, war ausverkauft. Die Erwartungshaltung hoch. Der Druck ebenso. Heinzer war der Einzige, der ihm standhielt. Mit gekonnten Mätzchen trieb er seine Gegner immer wieder an den Rand der Verzweiflung – auch das eine hohe Kunstform im Fechten.

Er beanspruchte eine Verletzungspause. Und er verstand es, das Publikum zu animieren und auf seine Seite zu ziehen. Heinzer bot eine Show, Heinzer rockte das Mekka des Jazz. Benötigte aber auch ein Quäntchen Glück. Sowohl im Viertelfinal gegen Kauter-Bezwinger Maxim Chworost als auch im Halbfinal gegen den Ungarn Gabor Boczko siegte er erst in der Verlängerung.

Endstation Sechzehntelfinals

Anders seine Teamkollegen. Der Zürcher Peer Borsky schied gegen Paolo Pizzo (It), die Weltnummer 7, mit 6:15 aus. Der Basler Benjamin Steffen mit demselben Resultat gegen Mihail Jefremenko (Let), die Weltnummer 206. Und es erwischte auch den Berner Fabian Kauter. Er verlor gegen Maxim Chworost aus der Ukraine (38) mit 8:15.
In den Achtelfinals wären Steffen und Kauter aufeinandergetroffen.

«Dieses Duell wollten wir unbedingt – vielleicht zu sehr», sagt Kauter nach dem Ausscheiden. Die Enttäuschung war entsprechend gross. «Im letzten Gefecht hat nicht mehr viel zusammengepasst», sagt Steffen, «schon meine erste Aktion ging voll daneben. Und mein Gegner traf einfach alles.» Ähnlich tönte es bei Kauter: «Ich hätte unbedingt in Führung gehen müssen. Ich bin nicht gemacht für Aufholjagden und war in der Folge ein leichtes Fressen.»

Nun gilt es, die Konzentration für den Teamwettkampf am Mittwoch aufzubauen. Für Heinzer mag dies einfacher sein als für seine Teamkollegen. Die Schweizer sind in der Teamweltrangliste die Nummer 3, in Europa liegen nur die starken Franzosen vor ihnen. Die letzten drei EM-Titel im Team gingen allesamt an die Schweiz. Etwas, das bisher keine andere Nation in der EM-Geschichte erreicht hat.