Zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren stehen die New England Patriots um den 41-jährigen Superstar Tom Brady in der Super Bowl. Mit dem sechsten Titel würde New England, das vor einem Jahr im Final den Philadelphia Eagles unterlag, zu Rekordgewinner Pittsburgh Steelers aufschliessen. Die Rams triumphierten bislang erst einmal in der Super Bowl. 2000 war die Franchise seinerzeit allerdings in St. Louis angesiedelt.

New Englands Quarterback Tom Brady hat die Patriots zu allen fünf bisherigen Super-Bowl-Siegen geführt. Sechs Triumphe sind indes noch keinem gelungen. Viermal wurde New Englands Quarterback als wertvollster Spieler ("MVP") der Super Bowl ausgezeichnet. Die Frage nach dem grössten Quarterback aller Zeiten, dem "Greatest Of All Time" (G.O.A.T.), wird in den USA immer seltener gestellt, zumal Brady in dieser Saison mit 41 Jahren erneut seine Klasse bewiesen hat. Und ein Ende ist nicht Sicht.

Die Rams halten ihre extrem starke Abwehrreihe um Topstar Aaron Donald entgegen. "Er ist ein grossartiger Spielmacher", sagte der gefürchtete Defensive Tackle über Brady. "Aber so wie jeden anderen setzt man ihn unter Druck, und so wie für jeden anderen wird es ein harter Tag für ihn." Brady muss schnell Zuspiel-Varianten finden, sonst wird er das eine oder andere Mal von den Beinen geholt. "Das ist eine ziemlich einzigartige Abwehr", weiss der Top-Spielmacher. "Es wird unser bestes Spiel brauchen."

Für Aufregung sorgte zu Wochenbeginn ein Zitat von Nickell Robey-Coleman, wonach bei Brady "das Alter definitiv seinen Tribut gefordert hat". Der Rams-Verteidiger hat seine Aussage mittlerweile relativiert, fühlt sich missverstanden. "Er ist immer noch der GOAT. Er ist immer noch eine Legende", betonte Robey-Coleman beim traditionellen Medientag.

McVay - der jüngste Headcoach

Das Alter spielt auch bei den Trainern eine Rolle: Rams-Coach Sean McVay ist mit 33 Jahren der jüngste Cheftrainer der Super-Bowl-Geschichte - und damit halb so alt wie sein Gegenüber Bill Belichick (66).

Bereits in seiner zweiten NFL-Saison schaffte es McVay in den NFL-Final. "Ich habe jede Menge Respekt für Sean", lobt der sonst häufig wortkarge Patriots-Coach Belichick seinen Kontrahenten. "Ich denke, er hat einen grossartigen Job mit den Rams in den vergangenen zwei Jahren gemacht. Seine Teams spielen auf einem extrem hohen Niveau, sind sehr konstant und gut gecoacht." "Surreal", beschrieb McVay seine Eindrücke.

Im Januar 2017 verblüfften die Rams die Football-Welt, als sie den damals 30-Jährigen als jüngsten Trainer der NFL in der Super-Bowl-Ära verpflichteten. Ein Wagnis, das sich auszahlte. McVay kommt aus einer Familie, in der er seinem Sport kaum entgehen konnte: Grossvater John gewann in einer Managementposition fünfmal den Super Bowl mit den San Francisco 49ers, Vater Tim spielte am College.

"Trainer der Spieler"

McVay hat in Los Angeles angeführt von Quarterback Jared Goff und Star-Runningback Todd Gurley auch eine vielseitige Offensiv-Abteilung zur Verfügung. "Er ist ein Trainer der Spieler. Er ist ein grossartiger Typ. Du kannst mit ihm reden, du kannst ihn verstehen", schwärmt Rams-Runningback Todd Gurley. "Er tut alles für uns, für das Team. Du liebst es einfach, für so einen Typen zu spielen."

Hinter Gurley steht seit dem Conference-Final allerdings ein Fragezeichen. Der Offensivspieler des Jahres 2017 hat mit leichten Knieproblemen zu kämpfen. Rams-Kicker Greg Zuerlein, einer der herausragenden NFL-Akteure auf seiner Position, will die Super Bowl trotz eines geprellten Fusses bestreiten. Von der Verletzung ist sein Standbein betroffen, nicht sein Schussbein.

Brady hatte seinen ersten Super-Bowl-Titel 2002 gegen die Rams geholt. Damals waren diese noch in St. Louis angesiedelt. Während er ein Karriereende bereits ausgeschlossen hat, könnte die Super Bowl für seinen wichtigsten Passempfänger der vergangenen Jahre die letzte NFL-Partie sein. Einen Entscheid will Tight End Rob Gronkowski erst zwei Wochen nach dem Final treffen. Der 29-Jährige war in seiner Karriere immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfen worden.

Atlanta ist zum dritten Mal nach 1994 und 2000 Super-Bowl-Schauplatz. Hatten zu Wochenbeginn noch Schnee und Minusgrade für Chaos auf den Strassen gesorgt, ist für das Wochenende Wetterbesserung angesagt. Die 75'000 Zuschauer könnten die 53. Auflage des Showdowns sogar unter freiem Himmel erleben. Das Dach der 2017 eröffneten Multifunktionsarena bleibt bei mehr als 15 Grad Celsius und trockenen Bedingungen üblicherweise offen.