Der beste Beweis dafür, welche Fortschritte die Schweizer unter dem sich seit 2016 im Amt befindenden Trainer Michael Suter erzielt haben, ist der nicht erwartete 29:27-Auswärtssieg gegen den WM-Vierten Deutschland vor einem Monat. Schon zuvor waren der SHV-Auswahl gute Leistungen gelungen, beispielsweise in der EM-Qualifikation beim 29:24-Erfolg in Zug gegen Serbien.

Das führt zu höheren Erwartungen. Es wäre enttäuschend, wenn die Schweizer gegen Belgien am Mittwoch in Leuven und am Sonntag in Schaffhausen nicht vier Punkte holen würden. Ein Fakt ist aber auch, dass die Belgier ebenfalls grosse Fortschritte gemacht haben. In der letzten EM-Qualifikation brachten sie den sechsfachen Weltmeister Frankreich zu Hause an den Rand einer Niederlage (37:38). In der laufenden Kampagne schafften sie in Serbien ein 27:27.

"Belgien ist ein sehr ernst zu nehmender Gegner", betonte Ingo Meckes, der Ressortleiter Leistungssport und Ausbildung im Schweizer Verband. Suter nahm das Wort Demut in den Mund: "Ich bin kein Trainer, der eine Mannschaft jemals nur um ein halbes Prozent unterschätzt. Wir haben auch gar keinen Grund dazu." Die Belgier seien in den letzten Jahren von den Resultaten her mindestens ebenbürtig gewesen.

Zudem sind sie eine über mehrere Jahre eingespielte Mannschaft, während Suter auf Grund vieler Verletzter regelmässig zu Umstellungen gezwungen war. Diesmal präsentiert sich die Situation für ihn schon beinahe komfortabel – es fehlen einzig Ron Delhees, Zoran Markovic, Nik Tominec und Pascal Vernier. "Wir sind so komplett wie schon lange nicht mehr, haben nun einen gesunden Konkurrenzkampf", sagte Suter. Der klare Leader im Team ist Regisseur Andy Schmid, unbestritten einer der besten Handballer der Welt.

Da die Schweizer die Spieler der Belgier nicht aus dem Effeff kennen, investierte Suter in der Vorbereitung diesbezüglich etwas mehr, in erster Linie gilt die Konzentration aber den eigenen Stärken. Dazu gehört insbesondere die Defensive mit dem starken Innenblock und Torhüter Nikola Portner. "Das grosse Ziel ist, ihre erste und vor allem zweite Welle zu bremsen", erklärte Suter. "Es wird entscheidend sein, wie wir zurücklaufen, ob wir es schaffen, mehrheitlich ins stehende Spiel zu kommen. In der Offensive wollen wir sie immer wieder überrennen. Ich bin überzeugt, dass Belgien schneller nach vorne als nach hinten spielt."

Eine Waffe der Schweizer ist zudem der Angriff mit einem siebenten Feldspieler anstelle des Goalies, wovon Suter ein grosser Fan ist, wenn es gut ausgeführt wird. "Das ist eine Option", sagte er. Allerdings haben auch die Belgier dieses System perfektioniert, "darum mussten wir uns zum ersten Mal auf diese taktische Spielart vorbereiten", so Suter.

Ist die Wichtigkeit der Woche bei den Spielern zu spüren? "Bis jetzt noch nicht. Die guten Leistungen brachten uns eine gewisse Ruhe. Wir verfügen mittlerweile über die Stabilität, Schwankungen in einer Partie ausgleichen zu können. Wir wissen, dass wir, egal was kommt, darauf reagieren können."

Suter spricht immer wieder von einem Prozess, in dem sich das Team befindet. "Durch die Rückkehr von Andy Schmid haben wir eine andere Zwischenstufe erreicht, wurde unser Niveau nach oben katapultiert." Der bei den Rhein-Neckar Löwen tätige fünffache Bundesliga-MVP ist seit vergangenem Juni nach einer Pause wieder ein fixer Bestandteil des Nationalteams, da er überzeugt ist vom Projekt.

Unter Schmids Sog kehrte auch Kreisläufer Alen Milosevic (Leipzig) zurück. "Wir wollen die Zeit mit Andy nutzen. Er ist heiss darauf, etwas zu erreichen. Das spürt man", sagte Suter. Die Chancen dazu stehen gut. Suter will aber nicht zu weit nach vorne schauen, zuerst einmal gilt der ganze Fokus dem Auswärtsspiel am Mittwoch: "Dieses ist für den ganzen Verlauf der Qualifikation enorm wichtig."

TV24 zeigt das Spiel am Mittwoch 10. April LIVE ab 20.10 Uhr:

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Handball EM Quali 2020 Belgien - Schweiz