American Football

«Sogar die Balljungs des Super-Bowl-Siegers würden uns schlagen»

Laut Dwaine Wood die zwei schlausten Typen der NFL: Quaterback Tom Brady und Coach Bill Belichick von den New England Patriots.

Laut Dwaine Wood die zwei schlausten Typen der NFL: Quaterback Tom Brady und Coach Bill Belichick von den New England Patriots.

American Football weckt Urinstinkte, glaubt Basel Gladiators Coach Dwaine Wood. Titelverteidiger Seattle Seahawks und die New England Patriots treffen in der Nacht auf Montag (Ankick 0.30 MEZ) in Glendale in der 49. Super Bowl aufeinander.

Die Buchmacher betrachten die Seahawks als leichten Favoriten. Die Seahawks sind bekannt für ihre imponierende Abwehrreihe und ein variables Offensivspiel, während die Patriots mit Star-Quarterback Tom Brady in kürzester Zeit über das Spielfeld marschieren. Keiner in der Schweiz kennt das Spiel so gut wie Dwaine Wood, der letztes Jahr mit den Basel Gladiators Schweizer Meister wurde. Der gebürtige Amerikaner und Wahl-Rheinfelder sieht New England im Vorteil.

Dwaine Wood über ...

... den Ausgang eines Spiels seiner Gladiators, immerhin amtierender Schweizer Meister, gegen den Sieger der Super Bowl:

«Diese Frage ist nicht Ihr ernst? (Lacht) Die würden uns mit 150:0 vom Platz fegen, nicht einmal ein Fieldgoal würde uns gelingen. Stattdessen würden wir alle im Krankenhaus landen. Die NFL hat die besten Athleten und Strategen der Welt. Die haben mindestens zehn Spieler in ihren Reihen, die dem Schweizer Sprinter Alex Wilson um die Ohren rennen würden. Wer es in die National Football League schafft, hat einen monströsen Selektionsprozess hinter sich gebracht. Die USA haben 320 Millionen Einwohner, und jeder will in die NFL. Dann wird gesiebt und gesiebt. Zuerst in der High School, dann in der Universität und schliesslich in der Profiliga. Sogar die Balljungs des Super-Bowl-Siegers würden uns schlagen.»

... die Faszination American Football in den USA:

«Dieses Spiel trifft den Nerv, den Urinstinkt dieser Nation. Nur der Stärkste kann gewinnen. Ich glaube, das hängt mit der Vergangenheit im Wilden Westen zusammen. Es geht darum, sein Territorium gegen den Nachbarn zu verteidigen. Es braucht harte Arbeit – Zusammenarbeit. Nach dem Motto: Wir gegen den Rest. American Football ist Schach mit lebenden Figuren. Es ist ein brillantes Spiel mit genialen Regeln. Und jeder kann dem Trainer dreinreden. Es ist wie mit dem Fussball in der Schweiz: Jeder fühlt sich als Nationaltrainer.»

... die Nacht auf kommenden Montag:

«Ich bin von der amerikanischen Botschaft in Bern eingeladen worden, das Spiel dort zu schauen. Ich finde das eine Superidee und schätze mich sehr glücklich. Obwohl: Ich darf dann wohl keine Obama-Witze machen (lacht). Botschafterin Suzi LeVine soll ein Obama-Fan sein. Selbst war ich noch nie bei der Super Bowl. Natürlich würde mich das reizen, aber ich habe keine 5000 Franken übrig. Ich schaue mir dieses Spiel sehr gerne mit Kollegen am TV an.»

... den Spieler der New England Patriots, den er gerne in seinem Team hätte:

«Ich entscheide mich ganz klar für Quaterback Tom Brady, den Mann von Topmodell Gisele Bündchen. Er kann seine vierte Super Bowl gewinnen. Er ist so unvorstellbar verbissen. Ich kenne eine Geschichte von einem Rookie, einem Team-Neuling. Der war morgens um 6 Uhr beim Training, und Tom Brady war schon da. Am nächsten Tag kam er um 5.30 Uhr, und Brady war schon da. Dann kam er um 5 Uhr, und Sie ahnen es . . . Brady war schon am Trainieren. Brady ist so ehrgeizig wie kein anderer in der NFL. Er wurde beim Draft erst in der sechsten von sieben Runden gewählt, aber er holt alles aus sich heraus.»

... den Spieler der Seattle Seahawks, den er gerne in seinem Team hätte:

«Da entscheide ich mich für Runningback Marshawn Lynch, Spitzname ‹Beast Mode›. Er ist ein unglaubliches Kraftpaket, unfassbar aggressiv in seiner Spielweise. Selbst wenn fünf Spieler an ihm dranhängen, rennt er noch weiter. Als Ballträger ist er unheimlich wichtig für sein Team, gerade weil das Passspiel nicht die grosse Stärke der Seattle Seahawks ist.»

... die Stärken der New England Patriots:

«Quaterback Tom Brady und Coach Bill Belichick sind die zwei schlausten Typen, die die NFL zu bieten hat. Sie verfügen über ungemein viel Erfahrung in wichtigen Spielen. Sie sind offensiv ungemein stark. Was aber viele vergessen: Ihre Defensive war die zweitbeste in dieser Saison. Und diese Defensive wird Marshawn Lynch jagen. In der Offensive wird Tight End Rob Gronkowski die Aufmerksamkeit der Seahawks auf sich lenken. Das schafft Freiräume für die anderen Spieler.»

... die Stärken der Seattle Seahawks:

«Sie sind jung, wild und frech – ein bisschen ‹Gangster Style›. Ihr Coach Pete Carroll hält sie nicht zurück. Er ist ein Motivationskünstler und mit allen Wassern gewaschen. Dass sie Titelverteidiger sind, spielt glaube ich keine grosse Rolle. Die denken nicht nach, die spielen einfach. Im Halbfinal gegen Green Bay hatten sie unglaubliches Glück. Seattle hat einen Lauf und ein riesiges Selbstvertrauen.»

... den Ausgang der Super Bowl:

«Alle erwarten ein defensives Spiel. Ich glaube, es wird viele Punkte geben. Ich tippe auf ein 35:24 für die New England Patriots. Sie werden früh in Führung gehen. Dann gibt es für Seattle zwei Optionen: Entweder sie bleiben dran, oder sie kassieren eine Packung.»

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