Tiger Woods war auch in aller Munde, als er den Ehe- und Sexskandal verursachte, als er vor lauter Rücken- und/oder Knieschmerzen fast nicht mehr gehen konnte, als er eine Kurzbeziehung mit Lindsey Vonn einging oder als er, von Medikamenten zugedröhnt, von einer Polizeipatrouille im Auto aufgegriffen wurde.

Im Mai 2019 jedoch ist der Superstar in aller Munde, weil er möglicherweise wieder der beste Golfer der Welt geworden ist. Der Triumph im April am US Masters in Augusta hat für ihn alles wieder so zurechtgerückt, wie es vor den zehn Jahren des Leidens war. Der Sieg am US Masters darf als eine Sensation im Weltsport angesehen werden, denn vom 14. bis zum 15. grossen Sieg des Ausnahmekönners waren fast elf Jahre vergangen, und in Augusta selbst hatte er 14 Jahre lang nicht mehr gewonnen.

Anders als im Tennis sind Prognosen im Golfsport schwierig zu stellen. Meistens schlagen sie fehl, weil es einfach zu viele hervorragende Spieler gibt, die, wenn sie eine gute Woche erwischen, jedes grosse Turnier gewinnen können. Es liessen sich 20, 30 Namen von möglichen Siegern aufzählen. Dies gilt auch für die am Donnerstag beginnende 101. US PGA Championship in Bethpage bei New York.

Einer der ersten Favoriten ist Brooks Koepka. Der Amerikaner, der vor fünf Jahren noch fast unbekannt gewesen war, gewann die letztjährige US PGA Championship, als diese noch im August ausgetragen wurde. Ebenfalls 2018 hatte er zum zweiten Mal in Folge das US Open gewonnen. Er gilt als Spezialist für die Turniere auf der Grand-Slam-Stufe.

Grosses Turnier auf öffentlichem Platz

Der "Black Course" von Bethpage auf Long Island ist ein öffentlicher Platz, auf dem sich jeden Tag Krethi und Plethi vertun können. "Bethpage Black", wie er in der Kurzform genannt wird, war im Jahr 2002 der allererste öffentliche Platz, auf dem eines der vier grossen Turniere, der sogenannten Majorturniere, stattfand. Es war das US Open, gewonnen von Tiger Woods. Nichts spricht dafür, dass Woods 17 Jahre später mit dem Platz nicht mehr zurechtkommen sollte. Also ist er trotz seiner 43 Jahre in dieser Woche erst recht unter die Favoriten zu reihen.

Tiger Woods will dosieren

Die Golfwelt fragt sich, ob Tiger Woods noch einmal über eine lange Zeit wird dominieren können wie in seinen besten Jahren. An einer Medienkonferenz in Bethpage darauf angesprochen, sagte er: "Ob ich in der Zukunft wieder dominieren kann oder nicht, wird man zuerst sehen müssen. Ich weiss einfach, dass ich mir die besten Möglichkeiten geben muss, um die Turniere zu gewinnen. Für mich bedeutet es, dass ich ab und zu längere Pausen machen werde. Ich will sicher sein, dass ich bereit bin und an diesen Turnieren das Beste geben kann."

Woods war in seiner besten Zeit kein Vielspieler. Während zahlreiche Spitzenprofis 25 oder mehr Turniere pro Saison bestritten, liess es Woods meistens bei 20 oder weniger Starts bewenden. Also dürfte er künftig noch weniger oft antreten - dafür vermutlich bestens vorbereitet. Für diese Woche, sagte er, sei er "ausgeruht und bereit". In den vier Wochen zwischen dem US Masters und der US PGA Championship hat er keinen Wettkampf bestritten. Der erste Abschlag in Bethpage Black wird also der erste Wettkampfschlag nach dem Siegesputt in Augusta sein.

Gewinnbringende Terminverschiebung

Seit den Vierzigerjahren war die US PGA Championship jährlich im August das vierte und letzte Majorturnier. Zwischen dem US Masters im August und dem US Open gab es immer einen Abstand von zwei Monaten. Ab diesem Jahr rückt die US PGA Championship zeitlich an die zweite Stelle, in den Mai. Auf diese Weise folgen sich die vier Turniere auf Grand-Slam-Stufe nunmehr Schlag auf Schlag, Monat für Monat. Abgeschlossen wird der Reigen ab heuer vom British Open Mitte Juli.

Weil der August jetzt quasi frei ist, kann die US PGA Tour an attraktiveren Daten ihre vier Turniere umfassende Finalserie im hochdotierten FedEx-Cup durchführen. Auch für das Omega European Masters in Crans-Montana hat das Ganze sein Gutes. Wenn das Schweizer Turnier wie immer Anfang September ausgetragen wird, ist der FedEx-Cup schon abgeschlossen. Für die Organisatoren um Turnierdirektor Yves Mittaz wird es wesentlich einfacher werden, namhafte Spieler an den Start zu bekommen. Für dieses Jahr haben beispielsweise die Stars Rory McIlroy und Sergio Garcia schon zugesagt.