Leichathletik

Usain Bolt hört nur noch Doping, nichts anderes als Doping

Daumen hoch: Usain Bolt strebt heute seine neunte WM-Goldmedaille an.

Daumen hoch: Usain Bolt strebt heute seine neunte WM-Goldmedaille an.

Mit dem 100-Meter-Final der Männer steht heute (15.15 Uhr) das erste Highlight der Leichtathletik-WM in Peking auf dem Programm. Im Mittelpunkt: Usain Bolt.

Der schnellste Mann der Welt hatte es nicht allzu eilig. Warum an die Grenzen gehen, wenn es auch ein Steigerungslauf tut? Wie immer, wenn es die Pflicht zu erfüllen gilt in einem Vorlauf, legte Usain Bolt bei seiner Rückkehr ins Olympiastadion von Peking die ersten 100 Meter seiner nächsten «Mission Dreifach-Gold» fast joggend zurück.

Bei leichtem Gegenwind blieb die Uhr bei 9,96 Sekunden stehen für den Jamaikaner, der auf seine Art die passende Antwort gab auf das zuvor von Justin Gatlin abgegebene Statement. Der Jahresschnellste aus den USA trommelte die Strecke in 9,83 Sekunden herunter, profitierte aber auch von markantem Rückenwind.

Es ist also angerichtet für den erwarteten Showdown am heutigen Sonntag, wenn Weltrekordler und Titelverteidiger Bolt auf den seit September 2013 unbesiegten Gatlin trifft. Der achtmalige Weltmeister hat nach den ersten Muskelspielchen keine Bedenken, dass er seinen ihm so wichtigen Status als Legende durch die noch nie von einem Athleten erreichte Rekordzahl von dann neun WM-Goldmedaillen weiter zementieren wird.

In jedem Rennen ein bisschen besser

«Ich weiss, dass Gatlin ein ganz lockeres Rennen gelaufen ist. Aber ich bin nicht beunruhigt, will im Halbfinal schneller laufen und im Final dann noch etwas draufpacken», erklärte der Megastar selbstbewusst und bewertete seinen Lauf als «okay. Er war nicht perfekt, aber besser als in London». Ende Juli hatte Bolt im britischen Regen und bei Gegenwind in 9,87 Sekunden bewiesen, dass er die wochenlangen Probleme mit Verletzungen und Form hinter sich gelassen hatte wie sonst seine Gegner.

Im voll besetzten Olympiastadion von Peking war Bolt einen Tag nach seinem 29. Geburtstag mit Reggae-Rhythmen von Bob Marley und Applaus «Made in China» empfangen worden. Im «Vogelnest», wo er vor sieben Jahren als dreifacher Sieger in den Olymp aufgestiegen war, imitierte der Spassvogel vor dem Start mit Zeige- und Mittelfinger einen Sprinter. Ein bisschen Witzbold muss eben auch im reiferen Athletenalter sein, das ist er schon seinem Image schuldig, aber Bolt kann auch unlustig.

Doping, Doping, Doping

Als der Superstar der Szene am Donnerstag in einem Pekinger Nobelhotel die Presse empfing auf Initiative seines Ausrüsters Puma, dem die schnellsten Beine des Erdballs die Summe von zehn Millionen Dollar pro anno wert sein sollen, reagierte Bolt beim Thema Nummer eins leicht genervt. «Alles, was ich in den letzten Wochen gehört habe, war immer nur Doping, Doping, Doping. Es ist traurig, dass vor der WM immer nur zu Doping Fragen gestellt werden und nie zum Wettkampf», murrte der ansonsten sehr entspannt wirkende Jamaikaner.

Die Zeiten sind nun aber so, dass auch der nie positiv getestete Bolt wegen des sich abzeichnenden WM-Finals mit Teilnahme von einer Handvoll Sprintern, die schon eine Dopingsperre abgesessen haben, mit der Materie Manipulation konfrontiert wird. Immerhin steht Justin Gatlin, der zweimal als Sünder überführte und zwischenzeitlich für nur vier Jahre aus dem Verkehr gezogene 2004-Olympiasieger und 2005-Weltmeister, mit der persönlichen Bestzeit von 9,74 Sekunden an der Spitze des Tableaus.

Bolt kommentierte die Starterlaubnis des 33 Jahre alten US-Amerikaners, der nie schneller war als in dieser Saison, kurz angebunden und pragmatisch. «Es gibt Regeln, nach denen er zurückkommen und wieder laufen darf.» Mehr habe er nicht zu sagen, erklärte der Mann, der bei der WM 2009 in Berlin den immer noch gültigen Weltrekord von sagenhaften 9,58 Sekunden aufgestellt hatte.

Bolt gegen die bösen Buben

Als Bolt vor sieben Jahren als erster Mensch unter 9,70 Sekunden blieb, mochte kein Beobachter so recht an die Reinheit der Leistung glauben. Es entbehrt nicht einer ironischen Note, dass Bolt nun bei seinem China-Comeback den Saubermann der Leichtathletik verkörpert, während Gatlin und den ebenfalls bereits mit Dopingsperren belegten Supersprintern Tyson Gay und Asafa Powell das Böse-Buben-Image zu Recht anhaftet.

Doch die einsame Retter-Rolle, die Bolt übernehmen soll, mag er nicht. «Zuallererst laufe ich für mich selbst», sagte der Mann, über den sich seit Jahren die Leichtathletik definiert. «Die Leute sagen, dass ich für den Sport siegen muss. Aber es gibt auch andere saubere Athleten», liess Bolt wissen. Alle müssten Verantwortung übernehmen.

Seinen Teil will der Titelverteidiger im Final heute Sonntag aber beitragen. Um 15.15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit muss Bolt liefern.

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