Weltmeisterin durfte sich Julie Zogg schon früh in ihrer Karriere nennen. Vor zehn Jahren gewann sie als damals 16-jähriges Nachwuchstalent ihren ersten Weltmeistertitel im Parallel-Slalom bei den Juniorinnen. In dem Jahr also, als Fränzi Mägert-Kohli Gold bei den Eliten gewann. Vier WM-Titel folgten für Zogg auf Nachwuchsstufe und damit die Bürde, als Nachfolgerin von ebendieser Mägert-Kohli gehandelt zu werden.

In Park City nun liess sich Zogg auch auf höchster Stufe zur Weltmeisterin küren und trat tatsächlich das Erbe der Thunerin an - wenn auch etwas später als von vielen erhofft. Denn Zogg hatte ihr Können immer wieder angedeutet, etwa in der Saison 2014/15, als sie den Gesamtweltcup der Alpin-Snowboarder für sich entscheiden konnte. An Grossanlässen blieb sie jedoch stets unter den Erwartungen.

Den wohl schlimmsten Moment ihrer WM-Vita erlebte Zogg an einem Ort, dessen Name eigentlich nur Schönes erahnen lässt: im österreichischen Lachtal. Vierte wurde sie dort 2015, als Verliererin des kleinen Finals. Den grössten Erfolg feiert sie nun in einer Saison, die besonders zu Beginn auch von Unschönem geprägt worden war: der Unsicherheit. Zogg blieb auf der Suche nach einem Kopfsponsor lange erfolglos - und damit im finanziellen Bereich unter Druck. Abhilfe verschaffte ihr die Armee: Zogg ist bis 2022 im Zeitmilitär angestellt.

"Ohne diese Unterstützung wäre es für mich eine extrem harte Saison geworden. Besonders auch, da ich seit zwei Jahren alleine wohne", sagt die 26-Jährige. Die Möglichkeit, das Zeitmilitär zu machen habe eine grosse Last von ihren Schultern genommen, allerdings hätte sie auch ohne diese Möglichkeit weitergemacht. "Ich habe ein bisschen etwas auf der Seite, also hätte ich ein Jahr auch so durchgebracht."

In Park City lieferte Zogg fahrerisch, besonders aber im taktischen Bereich ihre Meisterprüfung ab. Wobei sie etwas in die Trickkiste griff: "Eigentlich liegt mir das aggressive Fahren direkt aufs Tor zu", so die Weltmeisterin. Etwas, das die Kurssetzung und die Bedingungen in Park City besonders im unteren Teil der Strecke nicht zuliessen. "Also habe ich mir am Start einfach eingeredet, dass die Tore meine Feinde sind. Bis Rennmitte darf ich noch auf sie zuhalten, im unteren Teil muss ich aber einen weiten Bogen um sie machen", erklärt Zogg ihren Matchplan.

Der Plan ging auf. Zogg umkurvte die Tore besser und vor allem schneller als ihre Konkurrentinnen. Der Lohn dafür: Sie darf sich zum insgesamt sechsten Mal Weltmeisterin nennen. Zum ersten Mal seit sieben Jahren, und nun auch auf höchster Stufe.