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Wieder Geisterspiele: Bundesrat verbietet Grossveranstaltungen

Zurück in die Zukunft: Schweizer Fussball (und Eishockey) spielt sich ab sofort wieder vor leeren Rängen ab

Zurück in die Zukunft: Schweizer Fussball (und Eishockey) spielt sich ab sofort wieder vor leeren Rängen ab

Der Bundesrat zieht die Schraube im Umgang mit dem Coronavirus wieder an. Die Beschränkung auf maximal 50 Zuschauer stellt die Profiklubs im Fussball und Eishockey erneut vor grosse Herausforderungen.

Der Beschluss des Bundesrats vom Mittwoch lässt den Klubs während der zweiten Welle der Pandemie kaum mehr Spielraum. Trainings und Wettkämpfe sind im Profibereich zwar weiter erlaubt, Grossanlässe sind ab Donnerstag aber landesweit wieder verboten. Sportveranstaltungen dürfen höchstens vor 50 Zuschauern stattfinden. Die Einschränkung gilt unbefristet, ein ungefähres Zeitfenster gibt es nicht.

Betroffen von den jüngsten Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sind im Spitzensport insbesondere die Klubs aus der Swiss Football League (SFL) sowie der National und Swiss League im Eishockey, deren Einnahmen zu einem wesentlichen Teil aus Ticketing, Catering und VIP-Aktivitäten bestehen. Anlässe wie die Schweizer Weltcuprennen im Ski alpin (St. Moritz, Adelboden, Wengen, Crans-Montana, Lenzerheide), Skispringen (Engelberg) und Ski nordisch (Davos, Val Müstair) können durchgeführt werden. Die Beschränkung auf 50 Personen umfasst nicht die Sportler und den Staff, sondern explizit die Zuschauer. Bei den Alpinen und den Skispringern hatte Swiss-Ski bereits vorgängig beschlossen, auf Zuschauer zu verzichten.

Geisterspiele statt Stillstand - aber wie lange?

Die Swiss Football League sowie die National und Swiss League müssen das weitere Vorgehen noch eruieren. Beide werden die Meisterschaften aber weiterführen. Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions, sagte: "Wir spielen vorderhand weiter und führen mit den politischen Behörden Gespräche." Und die SFL erklärte, alles daran zu setzen, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.

Die im September erfolgte Zusicherung für zinslose Darlehen ab Dezember gibt den Fussballklubs etwas Luft. "Sie sind eine Lösung, die umsetzbar ist", erklärte Claudius Schäfer, der CEO der SFL. "Nur: Wenn wir jetzt über Monate ausgebremst werden, können sie nur ein erster von mehreren Pfeilern sein. Dann müssten weitere Hilfsmassnahmen ins Auge gefasst werden." Auch wenn sich die Überraschung in Grenzen hielt, sprach Schäfer von einem "schwarzen Tag für den Schweizer Fussball".

In einer schriftlichen Stellungnahme äusserte die SFL ein gewisses Verständnis aus epidemiologischer Sicht, sie zeigte sich aber angesichts der funktionierenden Schutzkonzepte auch enttäuscht über den Einschnitt: "Nach nur wenigen Fussballspielen mit der höheren Zuschauerkapazität, bei denen keine einzige nachweisbare Covid-19-Ansteckung stattfand, sind die Klubs bereits wieder mit massiven Einschränkungen konfrontiert. Damit spitzt sich die finanzielle Situation der Klubs weiter zu."

Die massive Einschränkung der Zuschauerzahl bringt diverse Klubs in finanzielle Schwierigkeiten. Zahner sagte: "Ich mache mir Sorgen um die Konsequenzen. Es geht nun um die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Es geht um ganz viele Leute, die im Nachwuchs tätig sind. Mit dem Geld, das der Profisport erwirtschaftet, wird der Nachwuchssport finanziert. Das wird häufig vergessen." Die Sorgen decken sich mit jenen im Fussball. Wie lange die Fussballklubs sich mit Spielen ohne Zuschauer über Wasser halten könnte, konnte Liga-CEO Schäfer nicht abschätzen.

Ruf nach A-fonds-perdu-Beiträgen

Laut Denis Vaucher, dem Direktor der Eishockey-Ligen, werden allein bis Ende Jahr drei bis fünf Millionen Franken pro Klub benötigt, um das Überleben ohne Zuschauereinnahmen zu sichern. Im Vorfeld der Bundesrats-Sitzung vom Mittwoch hatten die zwölf Klubs der National League in einem offenen Brief A-fonds-perdu-Beiträge für die nun bevorstehenden zusätzlichen Verluste gefordert. Diese sind für Zahner nun der einzige Ausweg.

Innerhalb eines Monats, insbesondere in den letzten zwei Wochen, ist die Zahl der positiven Corona-Fälle wieder in die Höhe geschnellt. Um die negative Entwicklung zu bremsen, gilt im Breitensport ein Limit von maximal 15 Personen sowie Masken- und Abstandspflicht. Von den Regeln ausgenommen sind Kinder unter 16 Jahren, was der Dachverband Swiss Olympic besonders begrüsst. Ausnahmen bei der Maskenpflicht sind möglich, wenn grosszügige Raumverhältnisse vorherrschen wie etwa in Tennishallen. Dass der Spielbetrieb im Fussball unterhalb der Challenge League mindestens bis Ende Jahr unterbrochen wurde, ist nachvollziehbar.

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