Rio 2016

Wie es zum Bild des Jahres kam – und warum zwei Fotografen dafür gefeiert werden

Usain Bolt im 100-Meter-Halbfinale in Rio: Der Konkurrenz enteilt, aber nicht den Fotografen.

Usain Bolt im 100-Meter-Halbfinale in Rio: Der Konkurrenz enteilt, aber nicht den Fotografen.

Usain Bolt, der vor der Ziellinie total entspannt seine Gegner anlacht – dieses Foto hat sich in unsere Köpfe eingebrannt. Wie es dazu kam und warum die Geschichte hinter dem Bild alles andere als normal ist, erzählt Reuters-Fotograf Kai Pfaffenbach im Interview.

Es ist das Bild der Spiele in Rio und es ist eines dieser Sportbilder, das in Erinnerung bleiben wird. Usain Bolt, klar in Führung, schaut im 100-Meter-Halbfinale lachend auf seine Gegner zurück. Der schnellste Mann der Welt spielt mit seinen Kontrahenten und lacht dabei direkt in die Linse. Ein Bild für die Ewigkeit. Ein Bild, das um die Welt ging.

Nur: Wer hat das Bild eigentlich geschossen? 

Fast so spannend wie das Rennen selber ist die Geschichte hinter dem Foto. Sie beginnt am 15. August nach dem Halbfinale von Rio. Wenige Stunden, nachdem das Bild geknipst ist und den Medien zur Verfügung steht, schreibt Cameron Spencer auf Twitter: 

«Immer wieder ein schöner Moment, wenn der schnellste Mann der Welt kurz vorbeischaut.» Spencer ist Fotograf bei der Fotoagentur Getty Images. Wenig später gibt er ein erstes Interview im Time-Magazin. Spencer ist der Fotograf des Bildes, das um die Welt gehen wird. Einer der Fotografen des Bildes.

Einige Stunden früher wurde Spencer vom Journalisten Mitch Goldich über Twitter als Urheber des Fotos gefeiert. Zum Tweet postete er das vermeintliche Bild. Es ist praktisch identisch, aber eben nicht ganz.

Denn Kai Pfaffenbach, deutscher Fotograf in Diensten der Nachrichtenagentur Reuters, hat praktisch in der gleichen Hundertstelsekunde den Auslöser gedrückt. Von fast demselben Standpunkt aus.

Das Online-Newsportal watson erreichte Kai Pfaffenbach in Rio. Er erzählt, wie es zu dem Bild gekommen ist und wie er Bolts Verhalten deutet:

Bolts Daumen zeigt, dass es sich nicht um das gleiche Bild handelt.

Herr Pfaffenbach, war Ihnen im Moment als sie den Auslöser drückten klar, dass das ein spezielles Bild werden würde?
Kai Pfaffenbach: Dass das Bild so viral geht, konnte ich nicht ahnen. Erst als mein Foto quasi Getty zugeschrieben wurde, habe ich gedacht, jetzt muss ich Mal kurz was twittern.

Haben Sie nun Streit mit Cameron Spencer?
In keiner Weise. Cameron ist ein wunderbarer Kollege, wir standen direkt nebeneinander mitten auf dem Feld und haben versucht, die gleiche Idee umzusetzen. Wir haben uns zusammen über das Resultat gefreut.

Was war denn die Idee?
«Infield», also im Stadioninnenraum, sind von den grossen Agenturen jeweils zwei Fotografen zugelassen. Einer von ihnen bin ich. Beim Halbfinale habe ich die Gelegenheit gehabt, etwas «zu spielen» und ich habe versucht, mit einer langen Verschlusszeit ein etwas künstlerisches Bild zu machen.

Als Usain Bolt dann an Ihnen vorbei gesprintet ist, spürten Sie da, dass Ihnen ein besonderes Bild gelungen ist? 
Dass so ein Foto dabei herauskommt, weiss man nie. Normalerweise funktioniert so ein «Mitziehen mit der Kamera» – also die Linse mit dem Athleten mitbewegen, wie ich es gemacht habe – nur in eine Richtung. Dass mein Bild «scharf» ist, war auch Glück!

Was denken Sie, wie muss man Bolts Verhalten deuten? Hat er seine Gegner ausgelacht? 
Ich glaube nicht, dass Bolt seine Gegner demütigen wollte. Er ist ja ein langsamer Starter. Womöglich war er eher verwundert, dass er so leicht an allen vorbeikam.

Kai Pfaffenbach bei der Arbeit in Rio.

Kai Pfaffenbach bei der Arbeit in Rio.

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