Fussball-WM

Ex-Schiri Urs Meier: «Die Schiedsrichter waren zu grosszügig»

Urs Meier staunt über die tolerante Regelauslegung

Urs Meier staunt über die tolerante Regelauslegung

Der ehemalige WM-Schiedsrichter Urs Meier ist überrascht von der toleranten Regelauslegung seiner Ex-Kollegen zu Beginn der Fussball-WM. Im Grossen und Ganzen findet er die Schiedsrichterleistung aber nicht schlechter als an früheren Turnieren.

Urs Meier, wie werten Sie die bisherigen Schiedsrichterleistungen an dieser WM?

Urs Meier: Nach dem Eröffnungsspiel mit dem ungerechtfertigten Penalty für Brasilien und den vielen matchentscheidenden Fehlern zu Beginn war der Druck auf die Schiedsrichter von Anfang an sehr hoch. In den Achtelfinals hat sich die Lage etwas beruhigt. Zu Beginn war man aus meiner Sicht zu grosszügig, es wurde zuviel toleriert, gerade was Schwalben, Unsportlichkeiten und Reklamationen betrifft.

Was ist Ihnen besonders aufgefallen?

In 56 Spielen gab es noch keine gelbe Karte wegen einer Schwalbe, obwohl wir so viele davon gesehen haben, auch im Mittelfeld. Dies ist der falsche Weg. Der Stürmer kann derzeit nichts verlieren, wenn er sich fallen lässt. Er geht kein Risiko ein, hat aber die Chance, dass er einen Penalty zugesprochen bekommt. Ganz viele Fouls um den Strafraum werden an dieser WM nicht mit einer gelben Karte bestraft, obwohl dadurch Torszenen verhindert werden.

Die Torlinientechnologie wurde mit Erfolg eingeführt, FIFA-Präsident Sepp Blatter zog für die Zukunft auch weitere technische Neuerungen in Betracht. Macht dies Sinn?

Ich bin offener geworden gegenüber der Technik. Aber der Fussball lebt von der Bewegung und darf nicht mehr als eine Sekunde unterbrochen werden. Wenn es technisch möglich wäre, dass dem Assistenten via Pieps-Ton mitgeteilt wird, ob der Stürmer im Offside steht und er nur noch entscheiden müsste, ob dieser aktiv oder passiv ist, wäre ich dafür. Foul- oder Handspiele dagegen sind schwierig. Nimmt man das 'Foul' an Robben gegen Mexiko, dann werden nach x-maliger Betrachtung der Fernsehbilder fünf von zehn Schiedsrichtern die Szene als Foul, die anderen fünf als Schwalbe werten.

Für die Schiedsrichter geht es nun um die Wurst. Wer wird die entscheidenden Spiele pfeifen? Und wer wird Weltmeister?

Ich gehe davon aus, dass Geiger, Webb, Eriksson, Rizzoli und Cakir noch dabei sein werden, und wohl auch Irmatow aus Usbekistan. Der überrascht mich jedes Mal. Auch er ist ein möglicher Final-Kandidat. Ich tippe auf einen Final Brasilien gegen Argentinien. Argentinien wird sich am Ende durchsetzen. 

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