GC-Sportchef

YB droht Fredy Bickel mit Gericht – nachdem er als Sportchef 40 Millionen verlochte

Fredy Bickel hat Puff mit Ex-Arbeitgeber YB.

Fredy Bickel hat Puff mit Ex-Arbeitgeber YB.

Zwischen Meister YB und GC-Sportchef Fredy Bickel tobt gerade eine Schlammschlacht, die im Schweizer Fussball Seltenheitswert hat. Die Young Boys lassen sich Aussagen Bickels in einem Interview nicht gefallen und kontern mit einem Communiqué.

Die Vorgeschichte

Fredy Bickel war von 1999 bis 2003 Geschäftsführer von YB und von November 2012 bis September 2016 Sportchef bei den Young Boys.

Von Dezember 2016 bis im Sommer 2019 war Bickel Geschäftsführer Sport bei Rapid Wien. Vergangene Woche übernahm er das Amt des Geschäftsführers beim in die Challenge League abgestiegenen Rekordmeister GC.

In einem Interview mit den «Tamedia»-Zeitungen sprach er am Freitag offen über seine zweite Amtszeit bei YB – viel zu offen in den Augen der Berner.

Bickels Aussagen

«2016 wurde ich hintergangen. Es war ein abgekartetes Spiel. Verwaltungsrat Richard Gostony holte Urs Siegenthaler im Frühling 2016 an Bord. Ich wusste sofort: Das ist mein Ende. Siegenthaler zeigte mir das bei jeder Gelegenheit deutlich. Also bot ich Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger im Mai 2016 meinen Rücktritt an. Davon wollte man nichts wissen. Ich müsse Siegenthaler Zeit geben, hiess es.»

«Ich wurde die ganze Zeit angelogen. Im Geheimen wurde alles vorbereitet, mit Paul Meier war bereits im Juni ein Sportchef verpflichtet worden. Auch andere wie Chefscout Stéphane Chapuisat wären entlassen worden. Der Sohn von Siegenthalers Lebensgefährtin war bereits unterwegs für YB, einmal sass er zur Beobachtung eines Gegners im Ausland neben Chapuisat auf der Tribüne. Das war absurd. Und dann erzählen diese Leute, die das alles geplant hatten, es sei immer die Idee gewesen, Christoph Spycher zum Sportchef zu machen. Das ist lachhaft. Zum grossen Glück für YB gab Siegenthaler dann diese merkwürdigen Interviews, die ihn untragbar machten und alles veränderten.»

«Ich möchte daran erinnern, dass wir noch 2015 sechs Millionen Franken erhielten, um mit dem ‹Projekt Avanti› den FCB anzugreifen. Wir holten Miralem Sulejmani, Loris Benito und Denis Zakaria. Ein paar Monate später war alles wieder anders. Natürlich hätte man auch mit weniger Geld Zweiter werden können. Aber wir wollten Meister werden, bauten etwas auf, kamen von Platz 7 auf 3 und dann 2. Wie man später sah, war das alles nicht so schlecht vorbereitet.»

Angesprochen auf die jahrelangen hohen Millionenverluste, auch schon vor Bickels Zeit, betonte der 54-Jährige: «Es ging ja auch nicht so weiter. YB hat danach sehr viel Geld durch Ablösesummen eingenommen. Ein Grossteil dieser Spieler wurde verpflichtet, als ich dabei war. Wir verpflichteten auch Steve von Bergen, Guillaume Hoarau, Miralem Sulejmani und Sékou Sanogo, sie wurden zu Helden in Bern. Oder Kevin Mbabu und Denis Zakaria, die später für einen Riesengewinn verkauft wurden.»

Fredy Bickel soll als Sportchef den YB-Spielern verhältnismässig viel Geld bezahlt haben, heisst es in der Branche. Bickel: «Das ist auch so etwas, das mich sehr ärgert. Würde es für einen Verwaltungsrat sprechen, wenn er erschrecken würde, wie die Lohnstruktur aussieht? Im Übrigen erschrak ich auch, als ich 2013 wieder in Bern anfing und mir einen Überblick verschaffte. Bei YB wurde schon vorher sehr gut gezahlt, wir haben damals begonnen, die Saläre zu senken.»

Unter Sportchef Spycher wurde YB zwei Mal Meister.

Unter Sportchef Spycher wurde YB zwei Mal Meister.

Auf Nachfolger Christoph Spycher hält Bickel grosse Stücke: «Spycher setzte etwas durch, was ich nie hätte durchsetzen können. Er analysierte die Situation ausgezeichnet und sagte, er mache den Job nur, wenn der Verwaltungsrat sich komplett aus dem operativen Geschäft heraushält. Das war das Beste, was YB passieren konnte. Im Übrigen war Spycher zuerst gar nicht überzeugt davon, Sportchef zu werden, weil er mitbekommen hatte, was da für Unsinn entschieden worden war. Denken Sie nur an eine sportliche Führung mit Verwaltungsrat Urs Siegenthaler und Sportchef Paul Meier!»

«Im Frühling war ich aussichtsreicher Kandidat als Manager beim Fussballverband, ich traf mich mehrmals mit entscheidenden Leuten. Sie erklärten mir, dass ich eine ideale Lösung wäre. Jedenfalls wurde ich gleich von mehreren Leuten informiert, dass YB-CEO Wanja Greuel an einer wichtigen Sitzung kein gutes Haar an mir gelassen habe. Ich erfuhr von ihm, dass das in Absprache mit allen YB-Verantwortlichen geschehen sei. Was nicht stimmt, wie ich herausgefunden habe. Da stecken die gleichen Leute dahinter, die 2016 alles geplant hatten. Dieses Schlechtreden und Nachtreten tat sehr weh.»

Die YB-Replik

Am Montagabend antwortete YB in einer Medienmitteilung auf Bickels Aussagen. Ohne seinen Namen zu nennen, doch natürlich ist es offensichtlich, wer gemeint ist. Das Communiqué im Wortlaut:

In letzter Zeit waren in verschiedenen Medien Aussagen eines ehemaligen leitenden YB-Angestellten im Sportbereich zu lesen. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung des BSC Young Boys möchten dazu Folgendes festhalten:

  • Wir wehren uns, wenn YB-Mitarbeitende verunglimpft werden.
  • Wir haben kein Verständnis dafür, dass drei Jahre nach einem Austritt aus der Firma Betriebsgeheimnisse und Interna, teilweise falsch dargestellt, preisgegeben werden. Gegen schwere Verletzungen der arbeitsvertraglichen Treuepflicht behalten wir uns vor, Rechtsmittel einzuleiten.
  • Selbstverständlich liegt das finanzielle Ergebnis der Young Boys nie in der Verantwortung eines einzelnen Mitarbeiters. Aber es trifft zu, dass von 2013 bis 2016 und somit in der Amtszeit des ehemaligen Mitarbeiters im Sportbereich operative Verluste von über 40 Millionen Franken resultierten, die uns immer noch belasten.
  • Die Besitzer des BSC YB freuen sich sehr, dass aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse gezogen wurden und die Young Boys sowohl sportlich als auch wirtschaftlich dank Kurskorrektur sehr gut unterwegs sind.
  • Die Führung der Young Boys konzentriert sich in der Regel ganz auf die Gegenwart und Zukunft und wird dies ab sofort auch wieder tun. Im vorliegenden Fall sorgt der Blick in die Vergangenheit für eine Ausnahme, um zu dokumentieren, dass es Grenzen gibt. Und diese Grenzen dürfen aus unserer Sicht nicht überschritten werden.

(ram)

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