Mountainbike
Crosscountry-Race in Silenen: Jungspund Sven Gerig fährt allen davon

Beim Crosscountry-Race in Silenen sichert sich der Junior Sven Gerig überlegen den Tagessieg. Reto Indergand konnte nicht antreten.

Urs Hanhart
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Crosscountry-Race Silenen. Der Junior Sven Gerig holte sich den Tagessieg.

Crosscountry-Race Silenen. Der Junior Sven Gerig holte sich den Tagessieg.

Bild: Urs Hanhart (Silenen, 10. September 2022)

Zahlreiche Radsportfans pilgerten am Samstag auf den Selderboden in Silenen, um dem letzten Auftritt von Reto Indergand im Kanton Uri als Profi-Mountainbiker beizuwohnen. Doch aus der Abschiedsvorstellung des langjährigen männlichen Aushängeschilds der Urner Mountainbike-Szene wurde nichts. Der gebürtige Silener, der schon seit geraumer Zeit im Kanton Solothurn wohnt, musste seine Teilnahme am Cross-country-Race über 17 Kilometer, verteilt auf acht Runden, wegen einer Corona-Infektion schweren Herzens kurzfristig absagen. Immerhin kann Indergand seine beiden letzten Saisonrennen in Huttwil und Gstaad voraussichtlich aber noch bestreiten.

Trotz des Startverzichts des Publikumslieblings kamen die Zaungäste in den Genuss eines sehr attraktiven Hauptrennens mit den Junioren-, Fun- und Elitefahrern. Erster Animator war der Silener Junior Marco Bissig, der einen fulminanten Blitzstart hinlegte und sich in der Startphase einen beachtlichen Vorsprung erarbeitete. In der zweiten Runde musste er jedoch Sven Gerig, ebenfalls ein Junior, und den Routinier Patrick Tresch aufschliessen lassen. Die Entscheidung im Kampf und den Tagessieg fiel kurz vor Rennhälfte: Gerig zog davon und fuhr in der Folge einem souveränen Solo-Sieg entgegen. Tresch büsste als Zweiter über eine halbe Minute auf den völlig entfesselten Jungspund ein.

Schaltprobleme mit Schwung gemeistert

«Kurz vor dem Start ist meine Schaltung kaputt gegangen und ich musste sie notdürftig reparieren lassen», verriet Gerig, und er fügte noch an:

«Auch während des Rennes hat sie nicht optimal funktioniert. Vor allem die kleinen Gänge konnte ich nicht einlegen, weshalb ich die ganz steilen Partien mit möglichst viel Schwung und Krafteinsatz bewältigen musste. Das ist zum Glück gut gegangen und ich konnte den befürchteten Kettenriss vermeiden.»

Dass der 18-jährige Attinghauser trotz technischer Probleme dennoch so auftrumpfte, kam keineswegs überraschend. Kürzlich erkämpfte er sich an der MTB-WM im französischen Les Gets in der Junioren-Kategorie den hervorragenden 18. Platz und stellte damit seine Topform eindrücklich unter Beweis. Gerig, der zehn bis zwölf Stunden pro Woche ins Training investiert, ist denn auch mit seiner Saison, die er in zwei Wochen mit einem Rennen in Huttwil abschliessen wird, sehr zufrieden. Zu den Highlights gehörte nebst dem tollen WM-Auftritt auch der Gewinn der Silbermedaille an der Schweizer Meisterschaft. Der Gymnasiast, der im nächsten Jahr die Mittelschule mit der Matura abschliessen möchte, gehört sicherlich zu den vielversprechendsten Talenten in der Schweiz. Zu seinen längerfristigen Ambitionen sagte er: «Ich möchte gerne Mountainbike-Profi werden und damit in die Fussstapfen von Reto Indergand treten. Aber mir steht noch ein hartes Stück Arbeit bevor, um dieses Ziel zu erreichen.»

Linda Indergand zieht einsam ihre Runden

Auch ohne den vermeintlichen Hauptakteur Reto Indergand, der logischerweise der haushohe Favorit gewesen wäre, wenn er hätte antreten können, kamen die Zuschauer in den Genuss einer sehenswerten Indergand-Show. Linda Indergand, die jüngere Schwester von Reto, gewann das ebenfalls über 17 Kilometer führende Rennen der Frauen in überzeugender Manier. Auf die Konkurrenz fuhr die letztjährige Bronzemedaillengewinnerin an den Olympischen Spielen in Tokio mehrere Minuten Vorsprung heraus. Bei den Männern hätte die Lokalmatadorin mit ihrer Siegerinnenzeit einen Top-5-Platz belegt.