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ZSC Lions: Mit den Millionen des Milliardärs, der besten Mannschaft, dem besten Trainer und dem besten Präsidenten zum Titel?

Sven Andrighetto ist die neu Attraktion der ZSC Lions.

Sven Andrighetto ist die neu Attraktion der ZSC Lions.

Einen so klaren Titel-Favoriten, wie in der am Donnerstag startenden Eishockeysaison, hat es im 21. Jahrhundert noch nie gegeben.

Grosse Vermögen werden oft in Zeiten der Krise gemacht. Wer zielstrebig durch eine Welt geht, die ein wenig aus den Fugen geraten ist, kommt weit. Es ist zwar ein wenig bösartig, die ZSC Lions als «Krisengewinnler» zu bezeichnen. Aber diese Be­zeichnung trifft die Sache am besten.
Die Zürcher haben die Turbulenzen der vergangenen Monate am besten gemeistert. Sie haben alle neun Vorbereitungsspiele gewonnen, auch die gegen die Topteams Zug (7:4) und zweimal gegen Davos (3:1 und 5:3). Sie sind trotz eingeschränkter Nutzungsmöglichkeiten im Hallenstadion dazu in der Lage, allen Dauerkartenbesitzern Einlass zu gewähren, weil das Hallenstadion auch in normalen Zeiten nur Sitzplätze hat.

Die Besitzer des Klubs rund um den Milliardär Walter Frey haben zudem die Liquidität für eine Transferoffensive gesichert. Mit Sven Andrighetto ist der begehrteste Spieler auf dem Transfermarkt in Zürich gelandet. Nicht zuletzt deshalb, weil der einzige ernsthafte Konkurrent – der EV Zug – wegen eines selbstverordneten Personalstopps auf dem Transfermarkt nur zögerlich aufgetreten ist. Auch EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel ist ein Milliardär. Womöglich haben die Zuger den Titel im Sommer verspielt.

Beste Mannschaft, bester Trainer, bestes

Die Absturzgefahr ist viel geringer als vor zwei Jahren. Die ZSC Lions starten als klare Favoriten in die neue Saison. Seit den Zeiten des «Grande Lugano» in den späten 1980er-Jahren hat es im Playoff-Zeitalter (seit 1986) nie mehr einen so klaren Titelanwärter ge­geben. Zwar schien schon einmal nichts und niemand die ZSC Lions aufhalten zu können. Das war nach dem Titelgewinn von 2018. Meistertrainer Hans Kossmann blieb zwar nicht an Bord. Aber Sportchef Sven Leuenberger machte die Meistermannschaft durch geschickte Transfers noch besser. Und dann scheiterten die Zürcher grandios und erreichten nicht einmal die Playoffs. Im letzten Frühjahr sind die ZSC Lions «nur» Qualifikationssieger geworden. Aber sie sind die «gefühlten» Meister des Jahres ohne Playoffs.

Warum ist die Absturzgefahr jetzt so viel geringer als vor zwei Jahren?

Im Unterschied zur echten Meistersaison 2017/18 ist der Trainer geblieben. Der charismatische Rikard Grönborg wird das Ruhen auf den Lorbeeren nicht dulden. Der Verlust von Topskorer Pius Suter ist durch den Transfer von Sven Andrighetto kompensiert. Weil Suter in die NHL wechselt, dürfen ihn die Zürcher durch einen 5. Ausländer ersetzen, der aber noch nicht geholt wurde. Suter verbringt seine Wartezeit auf den NHL-Saisonstart bei den GCK Lions. Mit dem Farmteam trainiert und spielt er. Obwohl ein Einsatz bei den ZSC Lions möglich wäre. Aber ein so wichtiger Spieler, der voraussichtlich im November schon wieder gehen wird, hilft nicht bei der Entwicklung der Mannschaft. Die Erwartungshaltung ist viel höher als anderswo.

Cheftrainer Rikard Grönborg führt die ZSC Lions in die neue Saison.

Cheftrainer Rikard Grönborg führt die ZSC Lions in die neue Saison.

Die Millionen von Milliardär Walter Frey

Die ZSC Lions haben mit Walter Frey einen Milliardär als Mäzen. Die besten Spieler, den besten Trainer, den besten Präsidenten und ab dem Herbst 2022 mit der neuen Arena das beste Stadion. Also gehört es sich, alles zu tun, um in jeder Hinsicht exzellent und das beste Hockey-Unternehmen im Land zu sein. Sonst ist man eines Milliardärs und eines neuen Stadions nicht würdig. So ist die Erwartungshaltung in Zürich eben höher und die tägliche Arbeit anspruchsvoller, als wenn man sich als kapitalistischer Wolf unter dem Schafspelz der Budgetdisziplin, des Ligawohls oder den Be­mühungen um eine Lohnbegrenzung tarnt.

ZSC-Manager Peter Zahner ist als Verfechter des freien Marktes und des Leistungs­prinzips auf und neben dem Eis gegen eine Salärbegrenzung. Diese Einstellung lebt er vor und setzt sie in seinem Unternehmen durch. Das ist der Unterschied zu Lugano (seit 2006 nie mehr Meister) und zu Zug (bisher nur 1998 Meister), zwei Hockey-Unternehmen, die auch durch milliardenschwere Besitzerinnen und Besitzer alimentiert werden. Aber die es nicht schaffen, ein Maximum aus ihrem grossen Potenzial herauszuholen. In der vergangenen Saison waren die Zürcher die Besten. Wie es sich gehört. Und doch sind sie nicht Meister geworden. Sie gewannen die Qualifikation. Aber die Playoffs mussten abgesagt werden. Meister ist nach wie vor der SC Bern, der nicht einmal die Playoff-Qualifikation geschafft hat. Für die ZSC Lions ein unhalt­barer Zustand.

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