Die U21-Nati ist an diesem brütend heissen Nachmittag chancenlos. Obwohl mit hochkarätigen Stammspielern des FC Basel, FC Zürich und FC Luzern besetzt, verliert sie ihr Auswärtsspiel gegen die vierte Primarschulklasse Schafisheim haushoch.

Gegen die Übermacht der über zwanzig eifrig dem Ball nachrennenden Kinder stehen Eray Cömert, Toni Domgjoni und Ruben Vargas zwar auf verlorenem Posten, haben aber gleichwohl jede Menge Spass am Geschehen.

Am Ende sind dann alle zufrieden: die Schüler, die Jungprofis und Sascha Stauch. «Wir hatten bereits im März in Kriens mit einem Schulbesuch gute Erfahrungen gemacht», sagt der Assistenztrainer der Schweizer U21-Nati, «es ist eine Win-win-Situation.»

Stauch ist mit den drei U21-Nationalspielern nach Schafisheim gekommen, weil der Schweizer Nachwuchs volksnah sein und den Kindern eine Freude machen will. Vor dem «Mätschlein» auf der Schulsportanlage haben Cömert, Domgjoni und Vargas im Klassenzimmer fleissig Fragen beantwortet und nur einmal gemauert, als sich ein Knirps ohne Scheu nach ihrem Salär erkundigte.

Letzter Probelauf

Hintergrund des prominenten Besuchs war das Testspiel der Schweizer U21-Nati von heute Abend im Aarauer Brügglifeld gegen Slowenien. Zuschauer, die am vergangenen Sonntag das Barragespiel des FC Aarau gegen Xamax besucht haben, bezahlen lediglich fünf Franken für den Eintritt.

Es handelt sich um den letzten Probelauf, bevor im September die Qualifikationsspiele für die Europameisterschaft 2021 beginnen. In diesen werden Frankreich, die Slowakei, Aserbaidschan, Georgien und Liechtenstein die Gegner sein.

«Grundsätzlich ist Frankreich der Favorit in unserer Gruppe, aber wir wollen mit einem erfrischenden Fussball unsere Chance suchen», sagt Stauch. «Gegen Slowenien testen wir nun noch zwei Spieler und sind gespannt, ob die Mannschaft in der letzten Partie einer langen Saison bereit ist, noch einmal alles abzurufen», sagt Stauch. «Und natürlich wollen wir die guten letzten Resultate bestätigen.»

Frischer Wind

Es herrscht Aufbruchstimmung rund um das älteste Nachwuchsteam. Mit einem 4:1-Sieg gegen Kroatien und einem 3:0 gegen Italien ist die Mannschaft von Cheftrainer Mauro Lustrinelli im Krienser Kleinfeld vor jeweils über 3000 Zuschauern äusserst vielversprechend ins neue Jahr gestartet.

Adrian Knup, der neue sportliche Leiter der Schweizer U21, sorgt für frischen Wind und hat das Ziel ausgegeben, bei der Endrunde 2021 dabei zu sein. Es wäre nach zehnjähriger Abwesenheit das EM-Comeback. «Knup ist unsere Lokomotive», sagt Stauch.

Der 45-Jährige kehrt heute im Brügglifeld an jenen Ort zurück, der einmal als Spieler und später als Technischer Leiter des Teams Aargau sein Arbeitsplatz gewesen war. Und am vergangenen Sonntag aus Sicht des FC Aarau Schauplatz einer sportlichen Tragödie, als dieser gegen Neuchâtel Xamax den sicher geglaubten Aufstieg verspielte.

Den Schweizer Fussball besser machen

Auch Stauch hat mitgelitten. Er war einst Mitglied jener Aarauer Mannschaft gewesen, die im Herbst 1993 in einem Qualifikationsspiel zur Champions League vor 59 000 Zuschauern im Giuseppe-Meazza-Stadion ein sensationelles 0:0 gegen die AC Milan erreichte. «Dieses 0:4 gegen Xamax war ein Schock und ist sehr schade für den Verein und die Region», sagt Stauch. Die Lehre: «Im Fussball ist mehr denn je alles möglich.»

Schon seit 2015 arbeitet er nun für den Schweizerischen Fussballverband. Auf Mandatsbasis beobachtete er zunächst die Gegner der U21-Nati und wurde schliesslich zum Verantwortlichen für den Bereich Spielanalyse und Spielentwicklung ernannt.

«Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Datenfirmen und Softwares helfen können, den Schweizer Fussball besser zu machen», sagt Stauch. Unter seiner Federführung hat der Verband in diesem Jahr erstmals einen Ausbildungskurs zum «Spielanalyst SFV-SFL» organisiert. An insgesamt sechs Tagen wurden 18 Teilnehmer im Bereich Videotechnik, Spielphilosophie, Gegneranalyse und Scouting geschult. Das Interesse war gross, nicht alle Anmeldungen konnten berücksichtigt werden.

Stauchs Doppelfunktion

Nachdem Stauch im Sommer 2018 bei der WM in Russland noch die Schweizer Gegner beobachtet hatte, wurde er im September dann Cheftrainer der U16-Nati und rückte gleichzeitig in der U21 als Assistent an die Seite Lustrinellis.

«Die Termine beissen sich nicht, es passt wunderbar», sagt der Waldshuter. «Ich konnte meine Leidenschaft Fussball zum Beruf machen und kann sie tagtäglich ausleben», sagt der gelernte Speditionskaufmann. «Ich weiss, dass dies ein Privileg ist, und es spornt mich an, mein Bestes zu geben.»