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Zwei Podestplätze in Adelboden: Die Schweizer halten beim «wichtigsten Rennen» dem Druck stand

Das Weltcup-Wochenende in Adelboden war aus Schweizer Sicht ein Erfolg. Auch wenn es Loïc Meillard am Sonntag verpasste, seine Bilanz zu veredeln.

Es gab Jahre, da wäre Helmut Krug am liebsten unerkannt davon geschlichen. Der Trainer des Schweizer Riesenslalom-Teams musste in Adelboden einige Niederlagen einstecken. 2017, als das Bestergebnis seiner Equipe ein 23. Platz war, sagte ihm ein Trainerkollege, er solle doch besser seine Jacke umdrehen. Die Schmach beim Heimrennen war enorm.

Loïc Meillard (links) im Gespräch mit Trainer Helmut Krug.

Loïc Meillard (links) im Gespräch mit Trainer Helmut Krug.

Marco Odermatt stand bei diesem Tiefpunkt auch am Start, im Alter von 19 Jahren. Es war sein erster Auftritt in Adelboden, mit Startnummer 44, für den zweiten Lauf konnte er sich nicht qualifizieren. Seither sind vier Jahre vergangen und Odermatt steht an der Weltspitze. Am Freitag sorgte er mit seinem dritten Rang für den ersten Schweizer Podestplatz im Riesenslalom am Chuenisbärgli seit 2008. Am Samstag doppelte sein Teamkollege Loïc Meillard nach und wurde ebenfalls Dritter. «Wenn mir vor dem Wochenende einer gesagt hätte, dass wir in zwei Tagen einen Podiumsplatz haben, wäre ich sehr zufrieden gewesen», sagte Krug. Es wurden sogar zwei Podestplätze. Odermatt und Meillard stehen nun in der Disziplinenwertung auf Platz 2 und 4. Die Betreuer vieler Nationen würden nun wohl gerne mit Krug die Jacke tauschen.

«Er ist der Beste»

Die Gefühlswelt im Riesenslalomteam hat sich grundlegend verändert. Das hat auch mit Krugs Arbeit, mit seiner Erfahrung zu tun. Der zurückgetretene Schwede Hans Olsson, der einst auch unter ihm trainierte, adelte ihn am Wochenende in den sozialen Medien: «Ein Traumcoach. Er ist nicht einer von den besten. Er ist der Beste.»

Krug hat aber auch unfassbar talentiertes Personal. Am Donnerstagabend sagte er über seine Athleten, die er oftmals mit «die Burschen» betitelt, sie seien alle «sehr gut ausgebildete Skifahrer». Hinzu kommt die aussergewöhnliche Dynamik in der Mannschaft. Odermatt und Meillard, der 23- und der 24-Jährige, pushen das Niveau mit ihrem Speed. Daraus ergibt sich ein Wettbewerb, der auch Gino Caviezel und Justin Murisier weiterbrachte. Alle vier konnten in diesem Winter ihren eigenen Podestplatz feiern. In Adelboden sorgten die vier in zwei Rennen für sieben Top-Ten-Plätze. Und das an demjenigen Ort, der wegen der Erwartungshaltung auch mental sehr anspruchsvoll ist. Krug sagte: «Es ist eigentlich für uns das wichtigste Rennen. Wir wissen alle, wir müssen uns in Adelboden präsentieren.»

Marco Odermatt (links), Loïc Meillard (Mitte) und Justin Murisier.

Marco Odermatt (links), Loïc Meillard (Mitte) und Justin Murisier.

Platzangst an der Slalom-Weltspitze

Mit ein wenig Glück hätte Loïc Meillard am Sonntag sein Wochenende noch weiter veredelt. Der Neuenburger zeigte im dritten Rennen innert drei Tagen keine Ermüdungserscheinungen. Im Slalom lag er zur Rennhälfte auf dem dritten Zwischenrang, im zweiten Durchgang fiel er schliesslich auf den 5. Platz zurück. Doch die Zeitabstände in der Schlussrangliste verdeutlichen, wie dicht das Gedränge an der Weltspitze ist. Meillard hatte nur 19 Hundertstel Rückstand auf Sieger Marco Schwarz und wurde Fünfter. «Ich bin ein bisschen enttäuscht, wenn ich sehe, dass ich mit fünf Hundertstel weniger schon den zweiten Platz gehabt hätte», sagte Meillard. Die ersten drei Fahrer Marco Schwarz (1.), Linus Strasser (2.) und Dave Ryding klassierten sich innerhalb von 15 Hundertstel. Besonders eindrücklich ist auch das Beispiel von Manfred Mölgg. Der Italiener war weniger als eine Sekunde langsamer als der Sieger und wurde bereits auf den 14. Platz durchgereicht.

Die Schweizer Equipe bewies aber, dass sie das hohe Niveau annehmen kann. Mit sieben Fahrern war Swiss Ski im zweiten Lauf vertreten. Das gelang einer Schweizer Mannschaft nur einmal in der Geschichte des Weltcups - im Frühling 2019 in Kranjska Gora. Unter den ersten zehn klassierten sich schliesslich Loïc Meillard (3.), Tanguy Nef (6.) und Daniel Yule (7.).

Yule fehlt die Lockerheit

Daniel Yule war mit seinem Rennen am Sonntag nicht restlos zufrieden.

Daniel Yule war mit seinem Rennen am Sonntag nicht restlos zufrieden.

Daniel Yule, der im letzten Jahr siegte, erklärte anschliessend im Zielraum sehr anschaulich, warum es ihm momentan nicht ganz so gut läuft. «Ich habe die Hundertstel nicht auf meiner Seite. Und wenn es einmal nicht nach Wunsch läuft, gibt man instinktiv mehr und mehr Druck. Doch das macht einem im Slalom nicht besser. Es braucht eine gewisse Lockerheit.» Man sehe das derzeit auch beim Norweger Henrik Kristoffersen, der nicht so fährt, wie man es von ihm gewohnt ist. Kristoffersen häufte in Adelboden bislang zehn Podestplätze an. Am Wochenende war er weit weg von diesen Regionen. Im Riesenslalom am Samstag fiel er bis auf Plaz 27 zurück, im zweiten Durchgang des Slaloms schied er aus.

Für die Slalomfahrer geht es am kommenden Sonntag in Wengen weiter. Der nächste Riesenslalom wird an der WM in Cortina ausgetragen. Aus Schweizer Optik darf man sich darauf freuen.

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