Also doch: Die SVP geht auf tutti und will mit ihrem Zugpferd Adrian Amstutz den frei werdenden Ständeratssitz der neuen SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga zurückholen. Der Unternehmer und Nationalrat aus Sigriswil, der bei den letzten und vorletzten Wahlen jeweils kantonsweit das beste Resultat aller Kandidierenden machte, wurde gestern Nachmittag von einer parteiinternen Findungskommission einstimmig dem Kantonalvorstand und der gleichentags stattfindenden Delegiertenversammlung vom 13. Oktober in Kirchberg zur Nomination empfohlen.

Amstutz sei schlicht «die beste Kandidatur», teilte die SVP in einem Communiqué mit. Und: Die Rückeroberung der ungeteilten bürgerlichen Standesstimme sei das Ziel. Als klar wählerstärkste bernische Partei erhebe sie Anspruch auf einen der zwei Sitze im Stöckli; weshalb sie von den anderen bürgerlichen Parteien FDP, BDP und EDU auch die Unterstützung ihrer Kandidatur erwarte.

SVP gegen FDP gegen SP?

«Leider haben die Freisinnigen bei Gesprächen aber bereits klargemacht, dass sie eine eigene Kandidatur stellen werden», so Käthi Wälchli. Laut der Vizepräsidentin der SVP Kanton wurden darauf die Chancen aller Berner SVPler im Bundeshaus abgeklärt: «Adrian Amstutz kommt beim Volk offenbar am besten an», so Wälchlis Fazit. «Klar polarisiert er in gewissem Sinn», kommentiert die Grossrätin aus Obersteckholz: «Die SVP ist aber längst nicht so schlimm, wie sie oftmals dargestellt wird.» Stefan Nobs sagt auf Anfrage: «Wir nehmen die Kandidatur der SVP zur Kenntnis. Ebenso halten wir aber an unserer einstimmig beschlossenen Kandidatur fest», so der Geschäftsführer der FDP Kanton Bern.

Hatten die Freisinnigen den Ständeratssitz doch nicht zuletzt vor sieben Jahren an die Sozialdemokraten verloren. Allenfalls werde man die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang neu beurteilen müssen, so Nobs. Auf welche Person dagegen die FDP am bereits definierten Wahltermin vom 13. Februar 2011 setzen will, ist derzeit noch offen. Die Nomination für die Ständerats-Ersatzwahl ist auf den 3. November in Langenthal terminiert. Bereits Interesse an einer Ständeratskandidatur signalisiert hat die Burgdorfer Nationalrätin Christa Markwalder. Eine Kandidatur ausgeschlossen hat dagegen Regierungsrat Hans-Jürg Käser.

«Klare Positionen tun Ständerat gut»

Fragt sich: Wem nützt der offenbar gescheiterte bürgerliche Schulterschluss? – Bis Simonetta Sommaruga 2003 erstmals einen der zwei Ständeratssitze für die SP ergattern konnte, war das bürgerliche «Päckli» für Berns Linke jahrzehntelang unknackbar. Oder doch Adrian Amstutz? Darauf angesprochen, warum er im Februar in den Ständeratswahlkampf steigen wolle, sagt Adrian Amstutz: «Ich habe Freude an der Politik, bewege gerne etwas. Dazu braucht es auch im Ständerat ein Garant gegen den auch von der Berner Regierung angestrebten EU-Beitritt, für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen aber gegen ein Freihandelsabkommen für die Landwirtschaft. Zudem täte auch im Ständerat eine Stimme für die konsequente Ausschaffung krimineller Ausländer gut.»

Mit seinem Hardliner-Image konfrontiert, sagt Adrian Amstutz: «Ich rede halt Klartext und bin kein Opportunist. Im Wahlkampf geht es nicht um Streicheleinheiten: Die Entscheidefreiheit liegt letztlich ja richtigerweise bei der Wählerschaft.» Da der langjährige Ständeratssitz der SVP mit dem Wechsel von Werner Luginbühl kurz nach den letzten Wahlen zur BDP verloren ging, habe seine Partei Ende Februar nichts zu verlieren: «Die SVP kann nur gewinnen.»