Wer bisher als privater oder professioneller Forscher wissen wollte, was alles an Dokumenten im Staatsarchiv vorhanden ist, dem stand eine eher mühevolle und zeitaufwändige Suche bevor. Die Reise nach Bern und stundenlanges Recherchieren in gedruckten Inventaren im Lesesaal waren angesagt. Doch das ist jetzt Vergangenheit.

«Nach einem einjährigen Probeversuch ist das ‹Gedächtnis der Kantonsverwaltung› online», so Staatsschreiber Kurt Nuspliger gestern vor den Medien. Benützerinnen und Benützer des Staatsarchivs könnten wo und wann sie wollten und mit verschiedenen Suchfunktionen in den Verzeichnissen blättern, Abfragen starten oder eine Liste mit interessanten Quellenstücken zusammenstellen. Das neue Angebot sei ein Quantensprung.

«Das Archiv geht auf die Bürger zu: Es will transparent, offen und modern sein.» Laut Staatsarchivar Peter Martig sind etwa 90 Prozent der Bestände digital erfasst. «Dies ergibt ein Online-Inventar mit gegen einer halben Million Einträge.» Diese reichten von den mittelalterlichen Handschriften bis hin zum modernen Verwaltungsarchivgut und von alten Karten und Plänen bis zu den so genannten Neuen Medien. Kein anderes Archiv in der Schweiz habe eine ähnlich grosse Datenmenge online greifbar. «Sowohl was das Volumen als auch die Erschliessungstiefe betrifft, müssen wir keinen Vergleich scheuen», hielt der Staatsarchivar weiter fest.

Kosten und Datenschutz

Digitalisiert seien allerdings nur die Verweise auf Dokumente, nicht aber die Archivalien selber. Wer diese anschauen wolle, der müsse sich weiterhin persönlich ins Staatsarchiv begeben. Eine vollständige Digitalisierung sei aus Kostengründen und auch wegen des Datenschutzes unmöglich, sagte Martig. Eine Ausnahme bildeten die Fotobestände, davon seien bereits rund 30000 eingescannt und online abrufbar.

Die aus dem eingangs erwähnten einjährigen Probeversuch gemachten Erfahrungen seien positiv. Es hätten sich Leute gemeldet, die früher wohl nie persönlich ins Archiv gekommen wären. «Mit unserem Online-Inventar bauen wir also auch Schwellenängste ab.» Im Jahr des Probebetriebs seien Anfragen aus der ganzen Welt eingegangen. «Wir hatten sogar 277 Internetbesucher aus China», so Martig.

Staatsschreiber Nuspliger erinnerte schliesslich an das im Kanton Bern seit 15 Jahren geltende Öffentlichkeitsprinzip. Das in der Kantonsverfassung verankerte Recht auf Einsicht in amtliche Akten fördere das Vertrauen in das staatliche Handeln. Das Online-Archiv erlaube jedem, auch auf Akten der fernen Vergangenheit zurückzugreifen.

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