Die Tiktoker - Teil 2

Wegen dem Baselbieter Kristian kreischen die Mädchen

Kristian gehört zu den beliebtesten Tiktokern der Schweiz. Mehr als eine Million Follower hat er bereits.

Kristian gehört zu den beliebtesten Tiktokern der Schweiz. Mehr als eine Million Follower hat er bereits.

Was früher Justin Bieber geschafft hat, schaffen heute Tiktoker wie der 18-jährige Baselbieter Kristian.

In einem Zimmer voller bunter Plüschtiere bricht der 18-jährige Kristian jeden Tag aufs Neue Millionen von Teenie-Herzen. Dunkle Locken, die ihm ins Gesicht fallen, treue rehbraune Augen und ein verschmitztes Lächeln, das Herzen schneller schlagen lässt. All das ist Kristians Kapital.

Rund 25 Millionen Mal wurde dieses Video von Tiktoker Kristian angeklickt.

Immer wieder stellt er sich und sein Aussehen auf den sozialen Medien zur Schau. Seine Tiktok-Videos zeigen meist Nahaufnahmen, verschiedene Gesichtsausdrücke, Lip-Sync – man bewegt die Lippen zu einem Lied, singt aber nicht mit – und bekannte Tanz-Challenges. Der Baselbieter zählt über eine Millionen Follower und mehr als 26 Millionen Likes. Damit gehört er zu den jüngsten und gleichzeitig auch erfolgreichsten Tiktokern der Schweiz.

Dank der Ringleuchte kann Kristian auch im Dunkeln TikTok-Videos drehen.

Dank der Ringleuchte kann Kristian auch im Dunkeln TikTok-Videos drehen.

Dabei ist er noch gar nicht lange dabei. Erst als im Frühling der Lockdown ausgerufen wurde, habe Kristian sich mit Tiktok auseinandergesetzt. «Ich hatte sehr viel Zeit und Langeweile, da kam die App genau richtig», sagt er heute. Anfangs habe er immer herumgescrollt, teilweise stundenlang damit verbracht, Videos anderer anzuschauen. Später habe er dann selbst an­gefangen, zu posten. Zuerst witzige Comedy-Videos, dann mit der Zeit Nahaufnahmen und Lip-Syncs. «Ich hatte von Anfang an ein Vorbild. Ich will den US-amerikanischen Tiktokern ähneln, im Style der Videos, aber auch in Sachen Aussehen.»

Insbesondere sein Lächeln begeistert tausende Mädchen.

Dementsprechend hat Kristian sein Auftreten angepasst. Die Haare wurden länger, die Kleidung auffälliger. Mehr Ringe und mehr Ketten schmücken ihn heute. Vor zehn Monaten schaute ein junger, scheuer Junge in die Kamera. Die neuesten Videos zeigen einen selbstbewussten 18-Jährigen, der sich auf die Lippen beisst und mit seiner Wirkung spielt. Angst, nur auf sein Äusseres reduziert zu werden, hat der Baselbieter indes nicht: «Ich bin auch als Person interessant, viele Follower stellen mir Fragen und wollen mehr über mich wis- sen.»

Trotzdem verspüre er den Druck, immer auf sein Aussehen achten zu müssen, um interessant zu bleiben. Um den Körper fit zu halten, treibe er viel Sport. Früher Fussball, heute Fitness. Immer dann, wenn er Zeit habe, denn neben Tiktok geht der Sohn zweier Italiener noch ins Gymnasium. Und obwohl er täglich bis zu vier Stunden auf der App verbringt, will er die Schule nicht vernachlässigen: «Das hat ganz klar Vorrang. Ich würde auf keinen Fall aufhören. Zuerst die Schule, dann der Spass.»

Liebesbriefe und andere Anträge

Doch hört man dem Tiktoker zu, wird klar, dass die App lange nicht nur Spass ist. Social Media ist sein Beruf. In guten Monaten könne er laut eigener Aussage bis zu mehrere tausend Franken verdienen. Geld, das grösstenteils von Werbepartnern kommt. Kristian hat bereits mit beliebten Marken wie Zalando, Suissetec und Samsung gearbeitet. So viel Geld in so jungen Jahren – steigt das einem nicht zu Kopf? «Meine Eltern sorgen dafür, dass alles geregelt weitergeht. Ich spare auch viel, man weiss ja nie.» Ihm sei bewusst, dass sich alles schnell ändern könne.

Tiktoker Kristian beim Filmen eines Videos

Tiktoker Kristian beim Filmen eines seiner Videos.

«Solange es geht, werde ich weitermachen. Ich möchte für die junge Generation ein Vorbild sein und geniesse die Aufmerksamkeit.» Tatsächlich werde er oft erkannt – mehrheitlich von jungen Mädchen. Gekreische und viele Tränen inklusive. Was früher die Backstreet Boys, später Tokio Hotel und Justin Bieber geschafft haben, schaffen heute Tiktoker wie Kristian. Eine Freundin habe er nicht, auch wenn er viele Avancen auf Tiktok bekomme. Von «Ich liebe dich» bis «Ich will ein Kind von dir» sei alles dabei.

«Die Schwärmereien sind süss, wenn man es nicht übertreibt. Aber einmal hat mir ein Fan einen Liebesbrief geschrieben und an die Schulleitung geschickt – so was ist dann schon zu viel.» Privat solle privat bleiben. Dass die Fans wissen, wo er wohnt oder zur Schule geht, wolle er nicht. Trotzdem ist er von einem Fan als zukünftige Freundin nicht ganz abgeneigt: «Man kann ja nie wissen.»

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