Ideen Werkstatt
IdeenWerkstatt Aargau lud zu einem besonderen Anlass

Systemische Aufstellung des aktuellen Finanzsystems

Marcel Siegrist
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Das erste Forum der IdeenWerkstatt Aargau zum Thema Finanzkrise war ein Experiment der besonderen Art. In Anlehnung an das Familienstellen nach Bert Hellinger wagte die Systemtherapeutin Ursula Pestalozzi aus Aarau am Donnerstag, 19. März den Versuch und stellte statt Familienmitglieder Stellvertreter des Finanzsystems und weitere Beteiligte auf. Was sich vor den Augen eines interessierten Publikums abspielte, war erstaunlich und gleichzeitig ernüchternd. Nach und nach traten „Bank", „Versicherung", „Unternehmer", „Politiker", zuerst eine, später eine weitere „Sparerin", ein „Spekulant", die „Erde" und der „Profit" zueinander in Konstellation. Die Beteiligten fühlten sich in ihre Rolle ein, suchten ihren Platz und wechselten diesen im Verlauf der rund eine Stunde dauernden Aufstellung immer wieder. Klare Positionen gab es so gut wie keine. „Der Politiker" fühlte eine grosse Wut auf „den Banker", beklagte sich anfänglich gar über Schmerzen und musste feststellen, dass ihn Wut und Hilflosigkeit auf Schritt und Tritt begleiteten, wohin er sich auch immer bewegte. „Banker", „Versicherer" und „Spekulant" standen plötzlich mehr oder weniger ratlos im Abseits und weit auseinander. „Der Spekulant" vermeldete Schuldgefühle, und die erste „Sparerin" hielt es während der ganzen Aufstellung kaum richtig aus, was jedoch „den Versicherer" nicht weiter störte, da es auf sie eigentlich nicht ankäme. Auch der Versuch, der verzweifelten „Sparerin" eine Figur als „Unterstützung" in den Rücken zu stellen, war ebenso fruchtlos wie derjenige, „dem Politiker" mit einem „Rezept" beistehen zu wollen. „Der Profit" fühlte sich aufs Mal ausgestossen. Da half auch das heftige Liebäugeln mit „Sparerin" und „Spekulant" nicht weiter. „Der Banker" machte deutlich, dass er, damit ihm wohl sein könne, hinter „dem Profit" immer „den Politiker" haben müsse, und „die Erde" fühlte sich miserabel und von niemandem beachtet. Der „Unternehmer", welcher zu Beginn noch die Nähe von „Banker", „Versicherer" und „Profit" suchte, wandte sich mit der Zeit von diesen ab und gesellte sich zur „Erde" und den beiden „Sparerinnen" - nicht ohne zu bemerken, dass ihm „der Profit" auch hierhin nachspringe. Eine bedeutungsvolle Einsicht? Vielleicht. Wie deutlich diese systemische Aufstellung die gegenwärtigen äusseren Verhältnisse widerzuspiegeln vermochte, war für alle Anwesenden verblüffend. Entsprechend angeregt war auch die anschliessende Diskussion im offenen Plenum.

Die IdeenWerkstatt Aargau nimmt die Finanz- und Wirtschaftskrise zum Anlass für monatliche Foren mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ziel ist, das Bewusstsein für verschiedene Zusammenhänge zu wecken, auf kritische Punkte hinzuweisen sowie in verschiedenen Gebieten nach Lösungsvorschlägen zu suchen. Damit auch der Schritt vom Denken zum Handeln leichter vollzogen werden kann, fördert die IdeenWerkstatt die Eigeninitiative von Einzelpersonen und Personengruppen, begleitet deren Projekte und vermittelt entsprechende Kontakte.

Nächstes Forum: 16. April 2009 um 19 Uhr im Gemeinschaftszentrum Telli
Thema: "Was wäre, wenn..." Szenario 300'000 Stellenlose, Konsequenzen und Lösungsansätze.
Referenten:
Franc B. Schwyter, Ausbilder FA
Reto Schaffer, Geschäftsführer Stollenwerkstatt Aarau
Christoph Pfluger, Herausgeber „Zeitpunkt"
Infos: www.ideenwerkstatt-aargau.ch

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