Türkei-Schweiz
Auch Anlass der Aleviten findet nicht statt

Der Progaganda-Anlass von Aleviten am kommenden Sonntag in Allschwil wird verschoben. Darauf hat sich die Baselbieter Sicherheitsdirektion mit den Veranstaltern geeinigt. Grund ist das aufgeheizte Klima vor der Abstimmung in der Türkei vom 16. April.

Hans-Martin Jermann
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Ein Dorn im Auge: Für türkische Nationalisten ist der geplante Auftritt von HDP-Politikerin Tugba Hezer ein Skandal.Getty Images

Ein Dorn im Auge: Für türkische Nationalisten ist der geplante Auftritt von HDP-Politikerin Tugba Hezer ein Skandal.Getty Images

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Nach einer Veranstaltung der rechts-nationalistischen Grauen Wölfe in Reinach wird im Baselbiet nun auch ein Anlass der Gegenseite abgesagt: Und zwar jener des Alevitischen Kulturzentrums Regio Basel vom kommenden Sonntag in Allschwil. In einer gemeinsamen Lagebeurteilung seien Vertreter der Baselbieter Polizei und der Sicherheitsdirektion sowie des Alevitischen Kulturzentrums zum Schluss gelangt, dass allfällige Auseinandersetzungen im Umfeld einer solchen politischen Veranstaltung der Integration der "alevitischen, kurdischen und türkischen Bevölkerungskreise in der Region" schaden könnte. Dies geht aus einer Mitteilung der Baselbieter Sicherheitsdirektion vom Mittwochmorgen hervor.

Vor dem 16. April ist alles heikel

Hintergrund ist das stark aufgeheizte Klima im Umfeld der Referendumsabstimmung in der Türkei vom 16. April, die auch in der Schweiz hohe Wellen schlägt. Die Durchführung von politischen Veranstaltungen "könnte derzeit problematisch sein", heisst es in der Mitteilung der Sicherheitsdirektion weiter. Der geplante Anlass vom kommenden Sonntag soll nun verschoben werden. Gemäss der Mitteilung sei die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit auch dem Alevitischen Zentrum eines der wichtigsten Anliegen.

Nach dem Verbot der Propaganda-Veranstaltung der rechen Grauen Wölfe vom 18. März geriet auch der Anlass der Gegenseite in den Fokus der Öffentlichkeit. Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wiesen insbesondere darauf hin, dass die Aleviten mit Tugba Hezer eine oppositionelle Politikerin eingeladen hätten, gegen die in der Türkei ein Verfahren laufe. Der türkische Staat beschuldigt Hezers Partei HDP, ein verlängerter Arm der Terrororganisation PKK zu sein.

Streit unter den Aleviten

Das Alevitische Kulturzentrum Region Basel gab gegenüber der bz noch Ende vergangene Woche zu verstehen, dass es den Auftritt Hezers nicht als Provokation verstehe. Die HDP sei eine legale Partei, Hezer eine gewählte Politikerin. Diese Haltung stiess allerdings beim zweiten alevitischen Verein in der Region, der Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi, auf Kritik. Dieser forderte seinen Partnerverein dazu auf, als Gemeinschaft Ruhe zu bewahren. Offensichtlich hat das Alevitische Kulturzentrum nun eingelenkt.