Münzen
Das Kleingeld mit besonderem Wert

Stefanie Schiffgen hat eine Schwäche für Münzen. Doch Liebe sieht anders aus, denn sie zersägt die guten Stücke.

Marisa Cordeiro
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Das Kleingeld mit besonderem Wert

Das Kleingeld mit besonderem Wert

Solothurner Zeitung

Wer Geld besitzt, dem bieten sich grenzenlose Möglichkeiten, etwas damit anzufangen. Man kann es beispielsweise ausgeben, anlegen, schenken. Mann kann es aber auch mit Lust zerstören. Das ist die Leidenschaft von Stefanie Schiffgen aus Niederönz, die ein uraltes Handwerk beherrscht: das Münzsägen.

«Überflüssiges» Metall

Ist das überhaupt legal? Der Gedanke blitzt unwillkürlich auf. «Ja», sagt sie und stellt sogleich unter Beweis, dass sie mit Bedacht ihrem Hobby frönt. «Es macht sich strafbar, wer Geld verfälscht und wieder in Umlauf bringt, nicht aber, wer ‹sein› Geld zerstört – das ist dann seine Sache, wenn er mit dem Verlust leben kann.»

Bei Schiffgens Zerstörungsmethode von Verlust zu sprechen, scheint allerdings verfehlt. Veredelung bezeichnet ihr Schaffen schon eher, bei dem sie das «überflüssige» Metall zwischen Münzrand und Motiv mit einer Art Laubsäge, grosser Sorgfalt und Geduld entfernt, damit das Motiv schön zur Geltung kommt. Auf diese Weise hat sich schon früher, vor mehreren hundert Jahren, ein Amulett gefertigt, wer keinen Schmuck besass, weiss Schiffgen.

Grosse Wirkung eines Pfennigs

Heute ist das Handwerk dagegen sehr selten. Sie sei vor rund zehn Jahren im Ausland darauf gestossen, erzählt die gebürtige Deutsche, deren Ehemann aus beruflichen Gründen in die Schweiz gezogen war. «Bei mir hat der Aha-Effekt die Faszination ausgelöst», sagt Schiffgen, «nachdem ich einen Eichenbaum-Anhänger als deutsches 1-Pfennig-Stück wiedererkannt hatte.»

Als sie sich vor gut drei Jahren entschloss, ihrem Mann in die Schweiz zu folgen, habe sie gewusst, dass es für sie in jeder Hinsicht ein Neubeginn sein würde. Ihren angestammten Beruf wiederaufzunehmen, schloss sie von Beginn weg aus. Nach dem Magister in Englisch, Sport und Pädagogik war sie in Dortmund respektive im ganzen Ruhrgebiet als Städteführerin tätig. Einerseits vermisse sie diese Tätigkeit und den Kontakt zu Menschen nun, sagt Schiffgen. Andererseits habe sie damals auch unter dem «Generalisten-Dasein» gelitten.

«Ich musste mich sowohl in der Industrie- wie auch in der Sportgeschichte auskennen, aber auch über Kirchen und Bierbrauereien etwas zu erzählen wissen», versucht sie die Vielfältigkeit ihrer damaligen Arbeit zu umreissen. Hier habe sie dafür nun die Möglichkeit, die Liebe zum Detail zu pflegen. Spezialistin zu sein, entspreche viel mehr ihrem Charakter, findet Schiffgen.

Beeindruckende Vielfalt

Noch gut erinnert sie sich heute an ihre ersten, zaghaften Versuche des Münzsägens. «Ich hatte keine Ahnung, wie man Metall bearbeitet.» Es brauche viel Übung und Konzentration, aber auch Lust auf solch filigranes Arbeiten, beschreibt die 38-Jährige, die nun die «Geheimnisse» des Handwerks aus nachvollziehbaren Gründen hütet.

Je nach Motiv, Grösse, Dicke und Legierung der Münze dauert es bis zu einem Tag, bis der Kettenanhänger fertig ist. Zu Hause, an ihrem Arbeitsplatz, hat sie gut 30 Stücke aufgereiht, die sie in der nächsten Zeit bearbeiten will. Wer sich nicht der Numismatik verschrieben hat, ist von der Vielfalt der Sujets angetan – vielleicht auch ein bisschen deshalb, weil hierzulande Helvetia die Münzen dominiert.

Löwen und Lastwagen

So ziert etwa ein Löwe eine Münze aus Kongo, ein Schmied eine alte italienische Münze, ein Lkw einen russischen Rubel und verschiedene Katzen zieren Münzen von der «Isle of Man». Fast scheint es, als liesse sich jedes Sujet irgendwo auf der Welt finden – was Stefanie Schiffgen auf Kundenwunsch auch versucht. Sie freue sich darüber, jemandem ein aussergewöhnliches Schmuckstück anzufertigen, das für die Person dann eine persönliche Bedeutung hat.

Motive mit Hintergrund

Interessant findet sie es auch, den Hintergrund von Motiven zu kennen, denn: Viele Staaten prägen schöne Sondermünzen als zusätzliche Einnahmequelle. Und manchmal, erzählt sie, komme es vor, dass sie nach den Kommissionen das Portemonnaie kippe, um nachzuschauen, ob eine Münze mit einer bestimmten Jahreszahl darunter sei. So habe sie sich schon ein altes 20-Rappen-Stück aus den 20er-Jahren gesichert, erzählt sie und strahlt.

Demnach ist sie auch eine leidenschaftliche Münzsammlerin? Stefanie Schiffgen winkt ab, lacht und sagt: «Das würde sich gegenseitig nicht vertragen.»

Märkte/Ausstellungen: Stefanie Schiffgen ist an folgenden Veranstaltungen vor Ort: am 16. und 17. Oktober an der Hobbyausstellung in Bützberg, am 23. und 24. Oktober an der Hobbyausstellung in Herzogenbuchsee und am 20. und 21. November am Spychermärit in Oberönz.