Matthias Imhof
Der Aussenseiter, der keine Scheuklappen trägt

Matthias Imhof ist Autofan, Familienmensch und Macher. Er will das «verkrustete Denken» im Baselbiet aufbrechen. Der BDP-Regierungskandidat aus Laufen weiss aber auch, dass er chancenlos ist.

Michael Nittnaus
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«Ich möchte die versteckten Schätze Basellands bekannt machen», sagt Matthias Imhof und führt die bz zur Fossilien-Sammlung des Museum Laufental.

«Ich möchte die versteckten Schätze Basellands bekannt machen», sagt Matthias Imhof und führt die bz zur Fossilien-Sammlung des Museum Laufental.

Kenneth Nars

Wer von Matthias Imhof auf eine Reise mitgenommen wird, der braucht kein U-Abo. Der 58-Jährige ist bekennender Auto-Fan. Sein ganzer Stolz: ein Jaguar XF. Ein bisschen Enttäuschung schwingt deshalb mit, als Imhof an diesem kalten Dezembermorgen in einem Peugeot 2008 vorfährt. «Der Jaguar ist ein Schönwetterauto», sagt er fast etwas entschuldigend.

Anders als seine sieben Konkurrenten im Rennen um einen Sitz in der Baselbieter Regierung, wählte der BDP-Kandidat für das Treffen mit der bz nicht nur einen Ort aus, der ihm etwas bedeutet, sondern deren drei. Und um im Baselbiet von A nach B zu gelangen, da gibt Imhof eben am liebsten Gas.

Zentralismus missfällt ihm

Nicht nur das gewählte Transportmittel ist typisch für ihn, sondern auch, dass ihn seine Frau Jris bei dieser Reise begleitet. Familie bedeutet Imhof alles. Bereits der Startpunkt verdeutlicht das: Nicht etwa in seinem Stammgebiet Laufental, sondern in Allschwil geht es los. Das schmucke Kirchli der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde an der Baslerstrasse strahlt im nassen Morgennebel zwar weniger als sonst, doch es bringt die Augen des Ehepaars zum Leuchten. «Geheiratet haben wir hier aber nicht», betont Matthias Imhof. Schliesslich sei er in einer erzkatholischen Familie aufgewachsen. Das Kirchli verbindet die beiden dennoch: Anfang der 80er-Jahre ergatterte Imhof hier einen seiner ersten öffentlichen Aufträge als Dachdeckermeister. Er renovierte das historische Ziegel-Dach mit seinem aufwändigen Muster. «Drei Wochen lang stand ich auf dem Dach, während meine Frau von unten rief, ob ich als nächstes rote, schwarze oder braune Biberschwanzziegel montieren soll.»

Das Dach des Allschwiler Kirchlis konnte der Mittzwanziger Imhof fortan als erstklassige Referenz vorweisen. Heute hat es für ihn aber auch etwas Symbolhaftes: «So wie das Ziegel-Dach ist auch der Kanton Baselland ein Puzzle.» Er bestehe aus verschiedensten Teilen vom Ober- zum Unterbaselbiet bis zum Laufental und gehöre dennoch zusammen. Der Vollbluts-Laufner Imhof habe 1989 denn auch für den Wechsel des Laufentals vom Kanton Bern zu Baselland gestimmt. Und das, obwohl er sich heute als dezidierter Gegner des Baselbieter Zentralismus bezeichnet und etwas wehmütig daran erinnert, dass das Laufental zu Berner Zeiten mehr selber bestimmen konnte.

Er sieht eine Chance von 10 Prozent

Zwischen Allschwil und Imhofs beruflichem Werdegang gibt es noch mehr Schnittstellen: Auf dem Hochhaus direkt gegenüber des Kirchlis montierte er Anfang des neuen Jahrtausends einige der ersten Handyantennen. Imhof hatte sich unterdessen nämlich ein zweites Standbein als EDV-Spezialist aufgebaut. «Computertechnik hatte mich schon immer interessiert und es war ein super Ausgleich zur körperlich anstrengenden Arbeit als Dachdecker», sagt er. Rücken- und Knieprobleme zwangen ihn schliesslich 2008, den Dachdeckerberuf aufzugeben. Und so ergibt sich langsam ein Bild vom Typ Imhof: «Ich bin Praktiker und Theoretiker. Es fehlt nur der Jurist, doch davon gibt es in der Regierung ja bereits genug», scherzt er. Absolut ernst meint er es aber, wenn er immer wieder betont, dass er «breiter denkt als andere» und «keine Scheuklappen anhat». Parallel zum Dachdeckermeister holte sich Imhof übrigens auch noch das Handelsdiplom.

«Ich habe schon immer mehr gemacht als andere», sagt er selbstbewusst. Er liebe Herausforderungen. Dazu passt natürlich, dass Imhof, der erst 2011 zur Politik und in die BDP fand, bereits vier Jahre später in die Kantonsexekutive gewählt werden will. «Wenn ich etwas Neues mache, dann steige ich meistens direkt oben ein.» Als Regierungsrat würde er bodenständige, sachorientierte Politik betreiben. Er würde sich immer klare und vor allem realistische Ziele setzen. Dass seine Kandidatur sein eigenes «Realismus-Kriterium» nicht wirklich erfüllt, weiss Imhof: «Natürlich bin ich Aussenseiter, meine Chancen stehen bei zehn Prozent», sagt er, «aber das ist mir egal».

Imhof, der Kulturdirektor? Wohl kaum. Zwar könne er sich schnell in Neues einarbeiten und wäre nach eigener Einschätzung «in keiner Direktion eine Fehlbesetzung». Aber wenn er frei aussuchen könnte, fiele die Wahl des Dachdeckers – und Immobilienverwalters – eindeutig auf die Baudirektion. Von der Finanzdirektion spricht Imhof zwar als Schnitt- und Schlüsselstelle, nennt sie aber auch schlicht «langweilig». Sein Herz gehört eben doch dem Handwerk.

Von katholischer Kirche enttäuscht

Weiter geht die Reise. Imhof dreht den Zündschlüssel. Sein Jaguar hätte jetzt sicher laut gebrüllt, der Peugeot schnurrt bloss leise, als es stetig aufwärts geht. «Das nächste Ziel wäre mit dem öV nur schwer zu erreichen», fühlt sich der Autofan bestätigt. Waren das Allschwiler Kirchli und das Laufner Museum noch ein Rückblick, so richtet Imhof nun den Blick nach vorne: Vor ihm liegt der Flugplatz Dittingen. «Hier hole ich mir den nötigen Weitblick», sagt er. Doch da ist mehr. Schon als Neunjähriger durfte Imhof zum ersten Mal in einen Segelflieger steigen. Vor einigen Jahren wollte er sogar das Segelflug-Brevet absolvieren – doch dann kam die Politik.

Am Segelfliegen gefalle Imhof, dass man in der Luft auf sich allein gestellt sei, völlig abhängig von der Natur, der Thermik. Auch von Gott? Nein. «Es braucht kein Gottvertrauen, sondern Vertrauen in die Technik», sagt der mittlerweile Konfessionslose. Obwohl erzkatholisch erzogen, mit Erfahrungen als Ministrant und einem Jahr katholischem Internat in Pruntrut, hat Imhof mit diesem Kapitel abgeschlossen. «Ich sprach einmal drei Stunden mit unserem Pfarrer, der sagte, dass Rom nichts verändern wolle. Da erkannte ich, dass die katholische Kirche mir nicht entspricht.» Wieder Imhof, der Entkalker.