Rauchpetarden
Er besass Sprengstoff und wird schuldig gesprochen – aber nicht bestraft

Ein 51-jähriger Schweizer wird vom Amtsgericht wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz schuldig gesprochen. Bestraft wird er aber nicht dafür. Die Geschichte dahinter ist kurios.

Hans Peter Schläfli
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Der Beschuldigte: «Jeder Zuckerstock ist gefährlicher, brennt länger und produziert mehr Rauch.»

Der Beschuldigte: «Jeder Zuckerstock ist gefährlicher, brennt länger und produziert mehr Rauch.»

Juri Junkov

Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz – wer bei dieser Anklage vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt einen Terroristen des Islamischen Staates erwartet hatte, wurde gestern Montag enttäuscht. Angeklagt war ein anständiger Schweizer Bürger mit guter Anstellung und lupenreinem Leumund. Er hatte für seinen Sohn harmlose Rauchpetarden fürs Paint-Ball-Spiel bestellt.

Enola Gay: Auch der Name des verbotenen «Sprengstoffs», den Manfred I.* per Internet kaufte und sich mit dem Paketdienst DHL in die Schweiz senden lassen wollte, klingt dramatisch und lässt Böses vermuten. Das Flugzeug, das am 6. Juni 1945 die verheerende Atombombe «Little Boy» über Hiroshima abwarf, hiess so.

Nur kalter Rauch

Manfred I. hatte in Deutschland über einen Paint-Ball-Shop im Internet zehn Rauchpetarden für den Sohn bestellt und per Kreditkarte rund 80 Franken dafür bezahlt. «Erst wollte ich es meinem Sohn noch ausreden», erklärte der Familienvater aus dem Wasseramt. Aber dann habe er sich auf Youtube eine Demonstration dieser Rauchpetarden angeschaut und gesehen, dass die Dinger absolut harmlos sind.

«Das Ganze sprengt nicht und hat keine gefährliche Flamme. Das Teil produziert etwa während einer Minute kalten Rauch. Jeder Zuckerstock ist gefährlicher, brennt länger und produziert mehr Rauch.» Doch das Problem: Der Import dieser Rauchpetarden ist dem Sprengstoffgesetz unterstellt und somit verboten.

Das Päckli blieb beim Zoll hängen. «Ein Herr vom Paketdienst DHL hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man zur Einfuhr eine Bewilligung haben muss.» Diese koste etwa 80 Franken und man könne sie auf der Homepage der Eidgenössischen Zollverwaltung herunterladen. «Da habe ich gesagt, dass ich die Ware nicht mehr will und dass man sie an den Absender zurücksenden solle.

Lange sei nichts mehr passiert. «Als ich vom Zollinspektorat Informationen wollte, wurde mir mitgeteilt, dass es absolut verboten ist, diese Rauchpetarden einzuführen und dass die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben wurde», sagte der Angeklagte. Bald darauf flatterte der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ins Haus: Busse von 500 Franken und Verfahrenskosten von 250 Franken, lautete das Urteil.

Dem Sohn eine Freude machen

Mit dem Eintrag ins Strafregister wollte sich der unbescholtene Mann, der nur seinem Sohn eine Freude machen wollte, nicht abfinden. So musste sich das Amtsgericht BucheggbergWasseramt mit dem Fall befassen. «Ich habe weder fahrlässig gehandelt noch widerrechtlich.

Ich habe versucht, die Ware zurückzusenden, als mir das Problem bekannt war», sagte Manfred I. vor Gericht, und ergänzte sogleich: «Ich weiss, Dummheit schützt vor Strafe nicht. Vom Laden hat mich niemand darauf aufmerksam gemacht. Die Bestellung ging ohne weiteres durch, und das ist kein wilder oder illegaler, sondern ein zertifizierter Paint-Ball-Laden. Das hat auf mich alles den Eindruck gemacht, dass es in Ordnung ist.»

«Ich bin erleichtert»

Den geforderten Freispruch konnte Gerichtspräsident Ueli Kölliker dem Angeklagten nicht gewähren – aber immerhin die Straffreiheit. «Die Tatbestandsmerkmale eines Verstosses gegen das Sprengstoffgesetz sind grundsätzlich erfüllt», sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

«Man hätte herausfinden können, dass die Einfuhr dieser Rauchpetarden bewilligungspflichtig oder gar nicht erlaubt ist. Aber die Fahrlässigkeit ist unbewusst geschehen und das Verschulden sehr klein.» Trotz des richterlichen Schuldspruchs gibt es nun für Manfred I. keinen Eintrag ins Strafregister. Aber die Verfahrenskosten muss er übernehmen. «Der finanzielle Schaden ist bereits gross und das öffentliche Interesse nach einer Bestrafung existiert nicht wirklich», erklärte der Gerichtspräsident, warum er von einer Strafe absah.

«Ich bin erleichtert, dass ich nicht im Strafregister eingetragen werde», sagte Manfred I. nach dem Urteil. Die Verfahrenskosten muss er nun auch nicht zahlen – sein gerade 18 Jahre alt gewordener Sohn hat versprochen, diese zu übernehmen.

* Name der Redaktion bekannt.