Huttwil
«Es ist ein Geschäft von Oligarch zu Oligarch»

Viele Fragen zur Zukunft des Sportzentrums bleiben auch nach eben erst durchgeführten einem Podium offen. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass es in Huttwil früher oder später wieder Eis geben könnte.

Andrea Marthaler
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Die Podiumsteilnehmer: Sportjournalist Klaus Zaugg, Hansrudolf Mathys, Präsident des Vereins HuttwilFalcons und Markus Bösiger (v.l) mit Podiumsmoderator von neo1, Flo Wüthrich (2.v.r.). ama

Die Podiumsteilnehmer: Sportjournalist Klaus Zaugg, Hansrudolf Mathys, Präsident des Vereins HuttwilFalcons und Markus Bösiger (v.l) mit Podiumsmoderator von neo1, Flo Wüthrich (2.v.r.). ama

Fast wäre es zum Eklat gekommen, am Podium vom Donnerstagabend zum Sportzentrum Huttwil. «Die meisten im Saal sind gegen dich», erklärte ein Huttwiler gegenüber Besitzer Markus Bösiger. Das wollte dieser nicht auf sich sitzen lassen. «Ich war der einzige, der damals das Sportzentrum kaufte als es in Nachlassstundung war», betonte Bösiger, «aber wenn die Mehrheit gegen mich ist, werfe ich den Bettel hin.» Kaum einer im Saal bezweifelt, dass Bösiger aus der von ihm geforderten Abstimmung tatsächlich die Konsequenzen ziehen und die Schliessung des Sportzentrums besiegeln könnte. Und so war die Erleichterung gross, als auf Anraten des Sportjournalisten Klaus Zaugg statt mit einer verbindlichen Abstimmung über die Zukunft des Sportzentrums mittels Applaus entschieden wurde. Auch wenn einige Hände im Schosse blieben, gab sich der Pneuhändler Markus Bösiger mit dem erfolgten Zuspruch zufrieden.

Auch ohne zusätzliche Schliessungsabsichten zeigte sich am von Radio neo1 organisierten Podium, dass die Zukunft des Sportzentrums noch vage ist. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass es in Huttwil früher oder später wieder Eis geben könnte. Mit dem Projekt «Helvetics» soll eine neue Profi-Mannschaft in Huttwil spielen. Allerdings nicht im Schweizer Eishockeyverband, sondern in der russischen Profiliga KHL. Bösiger selber äusserte sich zu diesem Projekt am Podium zurückhaltend. Klaus Zaugg hingegen plauderte aus dem Nähkästchen und nannte es ein sehr interessantes und durchaus realistisches Vorhaben: «Es ist ein Geschäft von Oligarch zu Oligarch», beschrieb Zaugg und meinte damit Markus Bösiger als Inhaber des Sportzentrums wie auch als Investor für die neue Mannschaft und den russischen KHL-Präsidenten Alex Medwedew. Noch hängt es aber davon ab, ob die Finanzierung zustande kommt und insbesondere ob das Bauvorhaben von Markus Bösiger, das Sportzentrum um eine neue Eishalle zu Erweitern, bewilligt wird.

Nachwuchs könnte profitieren

Von dieser Entwicklung dürfte auch die Zukunft des Eishockey-Nachwuchses in Huttwil abhängig sein. Hansrudolf Mathys, Präsident des Vereins Huttwil Falcons, äusserte am Podium seine Zuversicht, dass der Nachwuchs von den optimalen Bedingungen, die ein Profiklub bieten würde, profitieren könnte. «Gute Beispiele motivieren», so seine Hoffnung, dass dereinst wieder 500 Jugendliche bei den Huttwil Falcons trainieren könnten. Mathys warf zudem ins Feld, dass eine Mannschaft in der KHL auch eine Nachwuchsbewegung führen müsste. Und nicht zuletzt würde ein Eisfeld in Huttwil bedeuten, dass die Falcons nicht mehr auswärts trainieren müssten.

Ebenfalls noch nicht klar ist, wie es mit der Mädchenfussballschule weitergeht. Am Podium beschränkte sich die Diskussion zwischen Bösiger und dem Gemeinderat wie schon in den Monaten zuvor darauf, sich den Schwarzen Peter für den Eklat gegenseitig in die Schuhe zu schieben. Dass Bösiger und der Schweizerische Fussballverband, der übrigens darauf verzichtete, am Podium anwesend zu sein, sich nochmals finden ist unwahrscheinlich.

«Die Mädchen gehen dem Verband am Arsch vorbei», wurde Bösiger ausfällig, «sonst hätten sie sich um einen neuen Vertrag bemüht.» Sie hätten komplett überrissene Forderungen gestellt und viel zu wenig Miete zahlen wollen. Der Gemeinderat hingegen betonte am Podium, das er im Publikum verfolgte, dass er nach wie vor daran interessiert sei, für die Mädchenfussballschule eine Lösung zu finden. Bis im Sommer sei die Übergangslösung gesichert. Für nächste Woche sei zudem ein Gespräch vereinbart.

Zuhörer ärgerten sich über Bösiger

Mehr als über die Zukunft des Sportzentrums war am Podium über Markus Bösiger und seine Motive zu erfahren gewesen. Er betonte, dass er das Sportzentrum gekauft habe, weil es ihn als Unternehmer reize, dieses auf privatwirtschaftlicher Ebene zu betreiben. Mittels Events und Sponsoring wolle er es selbstständig finanzieren. «Ich will nicht zur Gemeinde gehen, um zu betteln.» Gleichzeitig lobte er allerdings die Unterstützung der Stadt Langenthal für das dortige Eishockeystadion und bemängelte die Passivität des Gemeinderates von Huttwil.

Das Interesse, am Podium Neuigkeiten über das Sportzentrum zu erfahren, war gross. Mehrere Hundert Personen aus Huttwil sowie der gesamten Region Oberes Langetental füllten den Saal im Hotel Kleiner Prinz. Ihre Emotionen offenbarten, dass sie das Engagement von Markus Bösiger durchaus bewundern. Gleichzeitig zeigte sich in den Fragestellungen auch der Ärger über frühere Vorkommnisse sowie die Angst, wiederum als Privatpersonen, Vereine und Stadt den Kürzeren zu ziehen. «Ich will nicht, dass es so endet wie bei Xamax mit Bulat Tschagajew», äusserte ein Zuhörer aus Eriswil seine Befürchtung.