Kanton Zürich
Neuer SVP-Präsident: Bauer Konrad Langhart schlägt überraschend Claudio Zanetti

Die Wahl des Landwirts Konrad Langhart zum Zürcher SVP-Parteipräsidenten ist ein Affront gegen den Kronfavoriten und Juristen Claudio Zanetti. Im Gegensatz zu Zanetti verkörpert Langhart die alte Garde der Bauern und Gewerbler in der SVP.

Thomas Schraner
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Konrad Langhart auf seinem Hof in Oberstammheim. Marc Dahinden

Konrad Langhart auf seinem Hof in Oberstammheim. Marc Dahinden

LAB

Die SVP-Delegierten haben an die Spitze der Zürcher Kantonalpartei den 52-jährigem Landwirt Konrad Langhart aus Oberstammheim gewählt. Das ist eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass Langhart als klare Nummer zwei an den Start ging. Gegen den Favoriten, den Neo-Nationalrat und Juristen Claudio Zanetti, der nicht nur über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt ist, sondern sich auch in der Zürcher Politik wie in seiner Hosentasche auskennt, schien er nur geringe Chancen zu haben. Nicht einmal die Bauern standen im Vorfeld geschlossen hinter Langhart.

Entscheidung gegen den Trend

Die Präferenz der Delegierten für Langhart ist aus zwei Gründen speziell: Zum einen läuft die Wahl eines Bauern dem allgemeinen Trend in der Partei zuwider. In den letzten Jahren zeigte sich, dass eine neue Generation von Intellektuellen, Professoren und Bankern die alte Garde in Bundesbern ablöst. Zum neuen Typus gehören Leute wie Roger Köppel, Hans-Ueli Vogt, Thomas Matter oder auch Claudio Zanetti. Der neue Parteipräsident Langhart repräsentiert hingegen eher diese alte Garde. Umso erstaunlicher, dass ihn die Delegierten zu ihrem Präsidenten machten. Immerhin gehört die Zürcher SVP ja nach wie vor zu den wichtigsten Kantonalparteien. Langharts Wahl lässt sich als Zeichen des Protests der Parteidelegierten gegen die neue Akademikergeneration interpretieren.

Langharts Wahl ist auch ein Affront gegen Claudio Zanetti, welcher der Partei schon seit vielen Jahren dient. Acht Jahre, von 1999 bis 2007, machte er unter Parteipräsident Christoph Blocher den Knochenjob des Zürcher Parteisekretärs: «Feldweibel Blochers», wie einige sagen. Seit Jahren mischt der quirlige Zanetti in der Zürcher Politik mit und hat sich als Schnelldenker und Debattierer einen Namen gemacht. Dass er nun von den Delegierten einen Korb bekommt, war so nicht zu erwarten. Zanetti polarisierte zwar und eckte mit seinen eigenwilligen Positionen immer wieder an. Er war gegen die Minarettinitiative, lehnt das Burkaverbot ab, befürwortet aber die Legalisierung von Hanf und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.

Als Persönlichkeit ist Langhart das pure Gegenteil von Zanetti. Der Kantonsrat (seit 2011) und Agronom FH führt einen mittelgrossen Hof mit 25 Kühen im Weinland. Er ist ein ruhiger, bedächtiger Typ und repräsentiert die ländliche SVP, die es weniger auf Provokation, sondern auf solide Zusammenarbeit abgesehen hat.

Führungsqualitäten beweisen

Langhart muss nun den Beweis antreten, dass auch ein Vertreter der alten Garde wie er in der Lage ist, die Partei zu führen und gegen innen und aussen zu repräsentieren. Einfach wird das nicht. Vor allem der urbane und moderne Flügel der SVP könnte Mühe haben, sich mit dem Landwirt zu identifizieren. Die öffentlichen Auftritte wären Zanetti sicherlich leichter gefallen. Er hat bereits viel Übung darin. Hingegen dürfte Langhart ein angenehmer Partner für die anderen Parteipräsidenten sein. Dabei muss er allerdings aufpassen, dass er nicht übertönt und ausgetrickst wird.

Langhart versteht sich als linientreuer SVPler. Im Kantonsrat hat er bis jetzt keine dicken Stricke zerrissen und auch keine grossen Reden geschwungen. Zur Kandidatur fürs Parteipräsidium ermunterte ihn gemäss eigenen Angaben das erstaunlich gute Abschneiden bei den letzten Nationalratswahlen. Er rückte auf der Liste vom 23. auf den 18. Platz vor und machte im Weinland das bessere Resultat als Überflieger Köppel. Als man ihn dann fragte, ob er nicht als Präsident kandidieren wolle, sagte er zu. Jetzt muss er den Skeptikern zeigen, dass er die richtige Wahl war.