Reaktion auf Sparauftrag
Uni-Spitze bringt höhere Studiengebühren ins Spiel

Die Verantwortlichen der Universität halten den Sparauftrag beider Basel für «akzeptabel», stellen aber klar: Sparen muss die Uni 2020 und 2021 total 74 Millionen Franken, nicht bloss 44, wie die Kantonsregierungen beteuerten.

Hans-Martin Jermann
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Sollen höhere Studiengebühren das Loch stopfen? Uniratspräsident Ueli Vischer und Rektorin Andrea Schenker-Wicki wollen das zumindest prüfen.

Sollen höhere Studiengebühren das Loch stopfen? Uniratspräsident Ueli Vischer und Rektorin Andrea Schenker-Wicki wollen das zumindest prüfen.

Kenneth Nars

Erleichtert reagiert Uniratspräsident Ueli Vischer auf den Deal der Regierungen beider Basel. Erleichtert darüber, dass diese die Bedeutung der Universität anerkennen und den Staatsvertrag aufrechterhalten wollen. Das sei nicht «allewyyl» klar gewesen, konstatiert Vischer. «Wir sind froh und dankbar, dass die Regierungen die politischen Sparvorgaben nicht nur auf dem Buckel der Universität austragen.» Das, was sie auf den Tisch gelegt hätten, sei akzeptabel und für die Universität machbar, kommentiert er.

Teurer Unterhalt fürs Biozentrum

Erleichtert, dass endlich eine Lösung zur Uni-Finanzierung vorliege, zeigt sich auch Rektorin Andrea Schenker-Wicki. Allerdings sei der Sparauftrag kein «Klacks», sondern eine «riesige Herausforderung». Dies auch, weil der einzusparende Betrag laut Uni höher ausfällt als der von den Kantonsregierungen kommunizierte. Diese sprachen gestern Morgen davon, dass der Globalbeitrag an die Uni um 20,4 Millionen Franken im Jahr 2020 und 23,4 Millionen 2021 – total also 43,8 Millionen – gesenkt werde. Schenker-Wicki nennt ihrerseits einen massiv höheren Betrag – nämlich 74 Millionen Franken –, den die Uni durch noch zu definierende Sparmassnahmen auffangen muss.

Wie kommt es zu diesem unterschiedlichen Sparbeitrag? Die Regierungen ziehen als Berechnungsgrundlage den Status quo, also das Rechnungsjahr 2017, heran. Demgegenüber verweist Schenker-Wicki darauf, dass sich die Uni bis 2021 mit bereits bekannten und beschlossenen Kostensteigerungen konfrontiert sehe, die es neben der Kürzung der Trägerbeiträge zu kompensieren gelte. Diese betreffen etwa die Pensionskasse von Uni-Mitarbeitenden sowie höhere Unterhaltskosten für neue und damit teurere Gebäude, so das Biozentrum.

Wo nun also sparen? «Das Leistungsangebot der Uni bleibt gleich. Wir bieten im Wesentlichen dasselbe an – einfach mit weniger Geld», stellt Schenker klar. Vom Tisch sei damit auch die Schliessung von Fakultäten, fügt Vischer an. Wieder ein Thema werden indes höhere Studiengebühren. «Wir werden nun im Unirat prüfen, welche Möglichkeiten für eine Erhöhung bestehen, ohne dass wir deswegen eine Abwanderung von Studierenden riskieren», sagt Vischer.

Um die Vorgaben zu erfüllen, wird die Uni ihre Reserven anzapfen sowie interne Umverteilungen und Einsparungen vornehmen. «Dass wir Reserven einsetzen können, hilft. Doch das ist keine langfristige Lösung, um Finanzprobleme zu lösen», kommentiert Schenker-Wicki. Den Fakultäten werden nun Sparaufträge erteilt; bei deren Umsetzung verfügen sie über grosse Autonomie. Wichtig dabei sei, dass nicht in die «Funktionalität der Uni» eingegriffen werde.

Klar ist zudem, dass nicht überall gleich gespart werden kann und dies auch nicht so gewollt ist. Einige Institute bestehen nur aus einigen Professoren, einem Seminarraum und einer Bibliothek. Schenker-Wicki erinnert daran, dass 70 Prozent aller Kosten bei den Life Sciences anfallen. Zugleich sei dies der Bereich, der selbst von Uni-kritischen Kreisen als zentraler Bildungsfaktor hervorgehoben werde. «Wenn also substanziell gespart werden soll, dann müsste dies bei den geliebten Forschungskosten-intensiven Life Sciences geschehen», sagt sie.

Vischer-Kritik an Gschwind

Dass der Basler Uniratspräsident Ueli Vischer im Jahr 2020 – quasi als Bauernopfer des Uni-Deals – seinen Posten zugunsten eines Vertreters des Baselbiets räumen muss, kommentierte dieser zurückhaltend: Es sei legitim, dass nach einer relativ langen Zeit nun ein Wechsel an der Uniratsspitze gefordert werde, sagt Vischer, der das oberste Entscheidgremium der Uni seit 2005 präsidiert.

Klartext redete Vischer dann aber zur Tatsache, dass die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind von den Bewerbern für die fünfköpfige Baselbieter Delegation im Unirat die Unterschrift unter einen Mandatsvertrag fordert, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete: An dieser Forderung sei der Einsitz von Novartis gescheitert im Unirat gescheitert, betont Vischer. Dieser sei nicht als Kantonsvertretung zu verstehen.

Es sei auch nicht seine primäre Aufgabe zu sparen. Die finanziellen Vorgaben würden schliesslich von den Kantonsregierungen und Parlamente gemacht. «Der Unirat hat die Pflicht, sich im Interesse der Uni für die Erfüllung des von den Kantonen definierten Leistungsauftrags einzusetzen.»

Einstellungsstopp gelockert

Da die Trägerkantone ihre Beiträge erst ab 2020 senken werden, hat die Uni noch etwas Zeit. Ein Massnahmenplan soll bis Ende Jahr stehen, im März 2018 wird dann der Unirat entscheiden, wie Ueli Vischer informiert. Bereits gelockert hat das Rektorat den im vergangenen Herbst verfügten Einstellungsstopp für Professoren: Die Fakultäten sind laut Vischer allerdings dazu angehalten, für eine neu zu besetzende Professur einen Finanzierungsplan vorzulegen.

Als zentralen Diskussionspunkt für die kommenden vier Jahre bezeichnet Schenker-Wicki die Immobilien-Finanzierung: Wer bezahlt etwa die anstehenden Neubauten der Uni? Laut Schenker-Wicki steht ein Neubau für die Physik- und Chemie-Studierenden an. «Diese Infrastruktur ist völlig veraltet. Da müssen wir in den kommenden Jahren etwas machen.»

Die Klärung der Immobilien-Finanzierung ist auch im Hinblick auf die Ansiedlung von substanziellen Uni-Bestandteilen im Baselbiet zentral. Dass sich die Bürgerlichen im Landkanton in dieser Frage plötzlich derart winden, könnte auch mit der Einsicht zusammenhängen, dass ein Baselbieter Uni-Standort nicht umsonst zu haben wäre.