Gölä
«Unser Ziel. Globi zu schlagen»

Der Sänger über sein neues Kinderbuch und Schweizer Politiker. In Arbeitshosen erklärt er, wie er zum Kinderbuchschreiben kam.

Geraldine Capaul und Philipp Mäder
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«Der gesunde Menschenverstand ging verloren»

«Der gesunde Menschenverstand ging verloren»

Vor dem Interview in Bern hat der Sänger Gölä eine Sitzung. Doch er sitzt nicht etwa in Hemd und Blazer im Sitzungsraum seiner Produktionsfirma, sondern –

Gölä, wir wollten die Frage stellen, ob du wirklich noch ein Büezer bist. Aber wenn wir deine Hosen und Schuhe sehen ...
Gölä: Ja, diese Frage ist in die Hosen.

Was hast du denn gemacht heute, dass du so angezogen bist?
Sie haben bei mir vor dem Haus die Strasse geteert. Da hab ich geholfen.

Also werkst du zum Vergnügen.
Es ist ein Hobby. Ich muss zwischendurch mit den Fingern werken, sonst verblöde ich. Ich bin gern auf meinem Bagger, wie andere gerne Modellflugzeuge fliegen lassen. Früher habe ich auf dem Bau gewerkt und Musik war mein Hobby, jetzt ist es grad umgekehrt.

Bereust du es manchmal, dass du kaum noch auf dem Bau arbeitest?
Manchmal, wenn ich nackt vor dem Spiegel stehe und meinen Bauch sehe. Dann weiss ich: Jetzt sollte ich wieder mehr werken.

In deinen Kindergeschichten «Papagallo und Gollo» gibt es viel Lob für die Büezer. Wohl kein Zufall.
Ich komme aus dem einfachen Volk und bin stolz darauf. Das bringst du bei Bruce Springsteen auch nicht weg, obwohl er Millionen verdient.

Bist du stolz auf dein Kinderbuch?
Nein. Ich bin dankbar, dass ich so weit gekommen bin, dass ich die Zeit und das Geld dazu habe.

Hoffentlich bringt es etwas ein.
Bis jetzt nicht. Unser Ziel ist es, Globi zu schlagen. Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

Da müsst ihr Gas geben. Der Markt für Kinderbücher ist umkämpft.
Ja hoffentlich! Wenn ich einfach Millionen mit einem Märchen machen könnte, wärs nicht lustig. Das Interessante auf dem Weg zum Ziel ist, sich zu beweisen.

«Papagallo und Gollo in Asien» ist dein drittes Kinderbuch. Wie kommt ein Rocker wie du dazu?
Indem man selber Kinder hat. Und sieht, was die teilweise für einen Mist im TV bringen.

Was denn?
Wir haben noch «Tom und Jerry» geguckt, das waren gute Geschichten. Doch heute schauen die Figuren alle böse drein. Die Goofen lernen doch noch früh genug, wie die Welt wirklich ist. Mir ist lieber, wenn die Helden einander helfen.

Aber in deinem Buch prügeln sich der Panda und der Tiger auch.
Giele werden sich immer auf den Kopf geben, sogar Meitschi tun das. Das gehört zum Menschen, der ja immer noch ein Tier ist.

Im Kinderbuch sagst du, dass dich die Pädagogen ärgern. Weshalb?
Seit der 68er-Generation wurden viele Fehler gemacht. Antiautoritäre Erziehung nennt sich das. Das ist der grösste Blödsinn, den man machen konnte. Damit verschieben wir die Probleme doch nur: Schwierige Kinder kommen am Schluss in Erziehungsheime. Das ist sicher nicht besser, als wenn sie mal eine hinter die Löffel gekriegt hätten.

Du hast mal gesagt, dass du deinen Kindern auch eins aufs Dach gibst. Schlägst du sie wirklich?
Schau, meine Sprache ist Berndeutsch. Die ist nicht so geschliffen wie eure Journalistensprache. Wenn ich einem Journi so etwas sage, dann sieht der mich mit dem Baseballschläger dreinschlagen, bis das Blut spritzt. Schade, dass ihr so denkt.

Wie ist es denn wirklich?
Wenn ich mein Kind einmal am Grännihaar ziehe, sehe ich darin nichts Schlimmes.

Wo ziehst du dein Kind?
Am Grännihaar, das ist hier (zeigt auf die spärlichen Haare neben den Ohren). Bei mir geht es nicht, weil ich zu wenig Haare habe.

Reden wir noch etwas über Politik.
Das kannst du gern probieren.

Die SVP will dich für den Nationalrat. Weshalb hast du abgesagt?
Weil ich keine Zeit habe.

Eigentlich bist du doch ein politischer Mensch.
Ich habe eine politische Meinung, aber die muss ich nicht jedem auf die Nase binden.

Warum nicht? Die Menschen würden auf dich hören.
Das glaube ich nicht. Und wenn es so wäre, bin ich erst recht still. Ich will niemanden beeinflussen, ich will meine Ruhe. Diese politischen Sachen interessieren mich nicht, denn die Welt wird eh nie so sein, wie ich sie gern hätte.

Du kannst Anregungen für eine bessere Welt geben.
Seich. Die Menschen hacken nur aufeinander ein. Vor allem in der Politik versucht man gar nicht mehr, einander zu verstehen. Es gibt einfach nur links und rechts. Ich finde, die Linken hatten einmal gute Ideen, die SP kommt ja auch aus der Arbeiterschaft. Diese Zeit ist aber schon lange vorbei.

Und die SVP?
Rechts gibt es auch vieles, was mich nervt. Dort hat es einige, bei denen man denkt, dass sie gar keine Ahnung haben. Darum ist mir dieses ganze politische Zeugs zuwider. Wenn diese beiden Seiten wieder aufeinander zugehen, wie sie das vor 50Jahren gemacht haben, dann wäre es vielleicht interessant. Aber solange man sich nur auf den Grind gibt...

Wahrscheinlich denken viele wie du, wenn man die Stimmbeteiligung anschaut.
Das ist die Ohnmacht von Otto Normalverbraucher gegenüber dieser Politszene, der der gesunde Menschenverstand verloren gegangen ist. Heute darfst du nicht mehr sagen: Schlechte Ausländer raus, sonst bist du gleich rechtsextrem. Ich bin mit Türken und Afrikanern aufgewachsen. Die Hautfarbe ist egal, es gibt überall Gute und Arschlöcher.

Verfolgst du die Politik denn gar nicht mehr?
Doch, logisch. Ich schaue «Tagesschau», lese Zeitungen. Da lese ich dann diese bireweichen Sachen. Auch diesen Gleichberechtigungsmist. Da kommt einer Frau in den Sinn, dass man nicht mehr Fussgängerstreifen sagen darf. Da muss man doch sagen: Wofür zahlen wir ihr den Lohn? Diese Frau nimmt einem, der es nötig hätte, das Geld weg.

Du bist aber nicht grundsätzlich gegen Gleichberechtigung?
Überhaupt nicht. Man schiesst jetzt einfach übers Ziel hinaus. Dass man die Frau nicht mehr schlägt nach dem Znacht, finde ich gut (lacht). Und dass man für die gleiche Arbeit gleich viel verdient, finde ich auch selbstverständlich.

Wo schiesst denn die Gleichberechtigung übers Ziel hinaus?
Zum Beispiel beim Anhängsel «-innen». Ständig wird jetzt überall noch ein «-innen» angehängt. Es war Jahrhunderte lang gut so, wie es war, weshalb muss das jetzt geändert werden? Das Gleiche gilt für die neue Rechtschreibung. Warum muss diese angepasst werden?

Haben diese Gedanken damit zu tun, dass du älter wirst?
Ich werde jeden Tag älter.

Aber ist es nicht so, dass man mit dem Alter konservativer wird?
Die Älteren sagen immer, früher war alles besser. Und jetzt bin ich halt auch älter.

Sagt dein älterer Sohn, der 14 ist, nicht manchmal: Papa, hör auf, das verstehst du nicht?
Doch, das sagt er schon. Wobei ich noch recht viel verstehe. Ich versuche mich immer daran zu erinnern, welche Ansichten ich in diesem Alter hatte. Und was für ein Fratz ich war.

Du warst ein schwieriges Kind und dann singst du «Ich hätt no viu blöder doh»?
Ja. Wenn du das bereust, was du nicht gemacht hast, dann bist du älter geworden.

Was hättest du noch gemacht?
Ich habe versucht, so viel wie möglich zu machen. Ich wäre gern mehr gereist. Andererseits: Wenn man die Dinge anders gemacht hätte, wäre es heute nicht so, wie es ist. Und so schlecht habe ich es heute ja nicht.