Langenthal
«Wir hätten durch die Abgase sterben können»

Giftiges Kohlenmonoxid aus der Gasheizung schreckte vorletzte Nacht eine junge Langenthaler Familie auf. Grund war der vereiste Kamin.

Marco Wölfli
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Gefahr gebannt

Gefahr gebannt

Als Michael Lüdi das Telefon abnimmt, ist er gerade auf dem Weg vom Berner Inselspital heim nach Langenthal. Er tönt erleichtert: «Im Nachhinein ist der Schreck gross. Wenn wir eingeschlafen wären, hätten wir sterben können.» In der Nacht auf Mittwoch strömte Kohlenmonoxid in das Haus an der Langenthaler Melchnaustrasse, wo Lüdi mit seiner Frau und seinem zehnmonatigen Sohn lebt. «Meine Frau und ich verspürten Kopfweh und Übelkeit. Zudem hing ein komischer Geruch in der Luft», erzählt Lüdi.

Hohe Schadstoffwerte im Körper

Der Architekt vermutet sofort einen Defekt an der Heizung und verständigt die Polizei und das toxikologische Institut. Diese raten ihm, ins Spital zu gehen. Dort stellen die Ärzte massiv höhere Schadstoffwerte in den Körpern der Eltern fest. Ihr kleiner Sohn hat glücklicherweise am wenigsten abbekommen. Um die Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen, nützt einzig Sauerstoff. Dank dem Einsatz von Sauerstoffmasken konnten die Eltern das Spital gestern Vormittag wieder verlassen. Ihr Sohn wurde tagsüber im Inselspital noch beobachtet, durfte gestern Abend aber auch nach Hause.

Schuld war das Kondenswasser

Schuld an den Abgasen war das vereiste Kondenswasser im Aussenkamin. Durch die lange Kälteperiode bildete sich im Kamin ein Eiszapfen, der die Emission der Abgase verhinderte. Durch die frühe Entdeckung der Abgase hatte die junge Familie Glück im Unglück. Trotzdem fürchtet sich Michael Lüdi nun nicht vor weiteren Zwischenfällen: «Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kamin noch einmal vereist, ist extrem gering. Und diese Kältewelle dauert ja hoffentlich nicht mehr ewig.»