Während der schlimmsten Wochen der Finanzkrise, im Oktober und November 2008, galt die Rohstofffinanzierung in der Investmentbanksparte von BNP Paribas als Rettungsanker: Während andere Bereiche praktisch stillstanden und in der Derivateabteilung ein Handelsdesk aufgrund einer Fehlkalkulation gerade eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt hatte, sprudelten die Gelder der Abteilung Rohstofffinanzierung in Genf zuverlässig weiter.

Auch wenn die Weltwirtschaft mächtig stotterte – in den aufstrebenden Ländern Asiens blieb der Rohöldurst gross. 2007 steuerte das Rohstofffinanzierungsgeschäft gemäss einer Präsentation des damaligen Bereichsverantwortlichen 20 Prozent zum Vorsteuergewinn der Investmentbanking- und Firmensparte von BNP Paribas bei. Der Umsatz erreichte vor Ausbruch der Finanzkrise 1,4 Milliarden Euro.

Erst als im Sommer 2011 zum ersten Mal Befürchtungen um ein Auseinanderbrechen des Euro auch Frankreichs Banken erreichten, mussten die in diesem Geschäft bis anhin führenden Institute BNP Paribas und Société Générale ihre Rohstofffinanzierungsgeschäfte zurücknehmen.

In die Lücke sprangen US-Banken und japanische Institute. Diese hatten keine Probleme mit der in diesem Geschäft wichtigen Dollar-Refinanzierung. Die Rohstofffinanzierung unterscheidet sich vom Rohstoffhandel, den viele spezialisierte Handelsfirmen und auch einige Grossbanken treiben: Es geht nicht um den Kauf und Verkauf von Öl oder Kupfer, sondern um die Zwischenfinanzierung von Tankerladungen, der Besicherungen von Transaktionen, die Exportfinanzierung und der Strukturierung von Krediten für Rohstoffhandelsfirmen.

Heikle Geschäfte bis 2011

Jetzt droht BNP Paribas laut einem Bericht des «Wall Street Journal» eine 10-Milliarden-Dollar-Busse aus den USA. Zwischen 2002 und 2009 hatten die Genfer BNP-Paribas-Banker Rohöllieferungen aus Sudan und Iran, die mit Sanktionen belegt worden waren, finanziert. Internationale Sanktionen werden in der Praxis über Finanzierungsgeschäfte vollzogen, denn diese lassen sich leicht kontrollieren.

Die Schweiz und Frankreich übernahmen die von der UNO verhängten Sanktionen schrittweise: zuerst im Jahr 2004 gegen den Sudan, danach 2007 gegen den Iran. Ein Finma-Sprecher wollte sich gestern nicht zur Kontrolle über die Genfer Handelsaktivitäten der französischen Bank äussern. Die Pressestelle der Bank war nicht erreichbar. Ein Sprecher der Erklärung von Bern, einer Organisation, die dem Rohstoffgeschäft in der Schweiz kritisch gegenübersteht, reagierte nicht auf eine Anfrage.

Verkraftbares Problem

Gemäss «Bloomberg» bekamen die US-Behörden erstmals 2007 einen Tipp, sich die Geschäfte der 400 Banker in Genf einmal genauer anzuschauen. Rund ein Jahr später lieferte die Bank Material aus einer internen Untersuchung. Die heiklen Geschäfte waren schrittweise zwischen 2008 und 2011 eingestellt worden.

Die drohende 10-Milliarden-Dollar-Busse ist für die Bank finanziell verkraftbar – auch wenn dieses Mal die anderen, ordentlich arbeitenden Bereiche der Investmentbanking-Sparte über entgangene Boni meckern werden. Laut den Analysten von JP Morgan, einer US-Bank, dürfte der operative Gewinn in diesem Jahr bei 9,1 Milliarden Euro, gut 12 Milliarden Dollar, liegen. Der Reingewinn soll – unter Ausklammerung von Bussen – 6,3 Milliarden Dollar erreichen. Abzüglich der Rückstellungen von 1,1 Milliarden Euro kann die Bank Dividenden kürzen, auf Akquisitionen verzichten und Boni reduzieren. Die Eigenkapitaldecke würde laut Berechnungen von Analysten unter zehn Prozent fallen. «Unschön für die Aktionäre, aber verkraftbar», so das Urteil der Analysten.

Mit der «einzigartigen Mischung von Erfahrung», mit der der damalige Abteilungschef um Kunden warb, dürfte es aber vorbei sein. Die Bank wollte «weg von der Stop-and-go-Haltung» der Branche.

Dafür gehen die Angestellten. Seit 2012 sind laut «Bloomberg» 30 leitende Angestellte in der Rohstofffinanzierungsabteilung von BNP Paribas in Genf intern versetzt, entlassen oder mit Entschädigungen zum Austritt ermutigt worden.