Baden

Aargauer wollte Mobilität mit 700 Elektroautos revolutionieren – nun ist er ein Fall für den Richter

700 Elektroautos wollte die Streez AG in der Schweiz rollen lassen. Daraus wird nun nichts.

700 Elektroautos wollte die Streez AG in der Schweiz rollen lassen. Daraus wird nun nichts.

Das Badener Unternehmen Streez wollte die urbane Mobilität radikal vereinfachen. Doch aus dem Projekt wurde ein mutmasslicher Betrugsfall. Und die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben gegen den Gründer.

Der Plan tönte schon nicht schlecht: Mit einer Flotte von 700 Elektroautos, allesamt gesteuert von ausgebildeten Chauffeusen, wollte Herbert Märki von Baden aus die Mobilität in der Schweiz revolutionieren. Eine Art helvetisches Uber mit eigener Smartphone-App, die sämtliche private und öffentliche Verkehrsmittel vernetzt. Passagiere sollten so bequem und günstig durch die Stadt befördert werden. Zuerst in Zürich, dann nach und nach auch im Rest des Landes. Die «Nordwestschweiz» berichtete vor fast auf den Tag genau einem Jahr darüber.

Doch aus dem Plan wurde nichts. Inzwischen ist die Firma nicht nur pleite, sondern ein Fall für den Richter. «Die kantonale Staatsanwaltschaft hat in der vergangenen Woche Anklage erhoben», sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau. Die Vorwürfe wiegen schwer: Veruntreuung, Misswirtschaft, mehrfache Urkundenfälschung, gewerbsmässiger Betrug. Die «Nordwestschweiz» weiss: Die Anklage richtet sich gegen Streez-Gründer und Geschäftsführer Herbert Märki.

Dass ein Start-up mit einer neuen Idee scheitern kann, wussten alle Beteiligten. Ohne Risiko geht es nicht. Doch dass aus dem Verkehrsprojekt ein mutmasslicher Betrugsfall werden sollte, hätte keiner der Beteiligten geglaubt.

Hört man sich bei ehemaligen Wegbegleitern Märkis um, heisst es übereinstimmend: «Wir sind über den Tisch gezogen worden.» Märki soll Investoren, Mitarbeiter und Geschäftspartner bewusst getäuscht haben, indem etwa Verträge präsentiert wurden, mit dem Versprechen, von derselben Quelle komme noch mehr Geld, als darin zugesichert gewesen war. Es kam aber keines. In der Folge sollen Rechnungen und Löhne verspätet oder teilweise gar nicht bezahlt worden sein. Nach und nach verliessen die Manager das junge Unternehmen. Im Spätsommer 2015 flog alles auf, im Herbst meldete Streez Insolvenz an. Es folgte das Strafverfahren gegen Märki und anschliessend die Anklage.

Mitarbeiter und Geschäftspartner hatten lange Zeit Vertrauen in das Projekt. Das lag wohl nicht zuletzt an der geballten Kompetenz, die Märki um sich herum versammelt hatte: Er gewann angesehene Personen aus der Mobilitätsbranche, Fachleute wie den ehemaligen Chef des Flottenmanagements der Schweizerischen Bundesbahnen und den Leiter der Strategie-Abteilung im SBB-Personenverkehr. Den Verwaltungsrat präsidierte ein renommierter Wirtschaftsprofessor der Uni St. Gallen. Letzterer äussert sich zum laufenden Verfahren nicht und verweist auf die Staatsanwaltschaft.

Märki sagt auf Anfrage: «Ich persönlich gehöre als Initiator und Hauptaktionär der ehemaligen Streez AG ebenso zu den Geschädigten.» Er selbst habe auf mehrere Monatslöhne verzichtet, um die Firma zu retten — «was leider auch nicht geholfen hat».

Nun läuft also die Anklage. Immerhin, so heisst es, sei mit dem Projekt ein tiefer einstelliger Millionenbetrag versenkt worden. Einzelne Geldgeber sollen vier-, teilweise fünfstellige Summen verloren haben.

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