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«Pirates of Bielersee Coast» Feurig, aber harmloser als die heutigen Piraten der Weltmeere verzaubert Oberpirat Cook mit seiner Crew die Gäste

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«Pirates of Bielersee Coast» Feurig, aber harmloser als die heutigen Piraten der Weltmeere verzaubert Oberpirat Cook mit seiner Crew die Gäste

An Bord des MobiCat-Solarkatamarans informierte die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft BSG gestern über ihre künftige strategische und inhaltliche Ausrichtung. Seit diesem Jahr muss sie nämlich ganz ohne Kantonszuschüsse auskommen.

Lange konnte man sich bei der Bieler Schifffahrts-Gesellschaft auf eine aufkommende Windflaute vorbereiten und die Ruder hervorholen. Denn was auf hoher See gilt, zeigt auch auf dem Bielersee Wirkung. So sah die Leistungsvereinbarung zwischen der BSG und dem Kanton Bern ab 2005 vor, die Zuschüsse von einer Million Franken innerhalb von vier Jahren degressiv einzustellen. «Während wir letztes Jahr noch 300 000 Franken an Beiträgen erhielten, müssen wir ab 2009 ohne diese auskommen», kommentierte Beat Rüfli, Geschäftsführer der BSG, an der Medienorientierung auf dem Solarkatamaran

MobiCat. Entsprechend deutete er in seiner Präsentation auf eine Einschätzung von 2005 hin: Ohne Gegenmassnahmen würde diese finanzielle Windstille zu einem defizitären Jahresergebnis von 1,3 Millionen für 2009 führen. Fakt ist aber: Während der vergangenen vier Jahre konnte das Betriebsergebnis um 1,2 Millionen Franken verbessert werden.

Mit «Beaufort» die Segel füllen

Wie Bieler Stadtpräsident und BSG-Verwaltungsratspräsident Hans Stöckli erinnerte, habe man «dunkle Wolken» überwunden und werde auch die kommenden meistern. Dass ein derart positives Jahresergebnis 2008 möglich wurde, ist laut Rüfli auf ein umfangreiches Massnahmenpaket zurückzuführen. Das Projekt unter dem sinnigen Namen «Beaufort» sorgte für neuen Wind in den BSG-Segeln. Neben Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen wurde die Auslastung der Kurse und Schiffskapazitäten erhöht; dazu wurden zwei alte Schiffe bereits verkauft.

Der Verkauf zweier weiterer Boote steht noch aus. Dafür dürfte im Gegenzug für 2012 mit «Rousseau» ein neues Schiff vom Stapel laufen. Namensgeber ist niemand geringerer als jener Genfer Philosoph, der zwei Monate auf der St. Petersinsel lebte.

Im Rahmen von «Beaufort» blieben auch die Fahrpreise nicht verschont: «Schifffahren ist eine teure Angelegenheit - das ist uns bewusst», so Rüfli. Doch das Produkt der BSG sei sein Geld wert. Bisherige Erfahrungen stimmen ihn zuversichtlich, dass die Kunden Verständnis für die Aufschläge von bisher 30 Prozent aufbringen werden.

Der neue Reiz der «Erlebnisschifffahrt»

Die Gegenleistungen für die Preiserhöhungen liegen nämlich auf der Hand: Während man sich noch vor zehn Jahren mit dem Reiz der Schifffahrt an und für sich zufrieden gab, hat sich in den letzten Jahren ein Trend entwickelt, der sich als «Erlebnisschifffahrt» umschreiben lässt. So wird die «Passagierstunde» zum wichtigen Bilanzkennwert: Nicht die Anzahl Fahrten ist massgebend, sondern die Aufenthaltsdauer. Infolgedessen gilt bei der BSG auch im 2009 die Devise, besagten Aufenthalt an Bord möglichst abwechslungsreich zu gestalten.

Piratencasting für Landratten

An der Medieninformation gab die BSG-Partnerin Aare Seeland mobil AG gleich selbst ein Müsterli solcher Erlebnisfahrten zum Besten: Nachdem die Schiffsmotoren zum Stillstand gekommen waren, enterte eine Piratenmeute in dichtem Qualm den MobiCat. «Da ist ja nichts zu holen», höhnte Oberpirat Cook und erwog stattdessen, die anwesenden «Landratten» für künftige Raubzüge rund um den Bielersee anzuheuern. Mit Gauklerartistik und humoristischen Einlagen amüsierten sie die Passagiere bestens. Zudem gaben sie ein Quäntchen des Südseeflairs preis, wie es dem Dreiseenland anhaftet und welches auch BSG-Marketingchefin Monika Lauener für die Marke BSG nutzen will: «Wir wollen den Kunden einen Grund liefern, für den es sich lohnt, herzukommen.»

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