Orange hatte sich im Dezember 2012 entschieden, den Managed Service Vertrag für die Wartung des Mobilnetzes mit Alcatel-Lucent nicht zu verlängern («Nordwestschweiz» berichtete). Am 21.Dezember 2012 wählte Orange für den Betrieb des Netzes Ericsson mit einem Betriebsübergang per 1. Januar 2013. Mit Ericsson konnte Alcatel-Lucent laut eigenen Angaben eine Einigung finden, welche den Transfer des Betriebes und der betroffenen Mitarbeiter gemäss gesetzlicher Bestimmungen regelte. Anfang Januar wechselten dann die 95 in diesem Bereich tätigen Angestellten von Alcatel-Lucent zu den Schweden.

Für den Build-Bereich hat Orange noch keinen neuen Partner kommuniziert. Für die betroffenen 43 Mitarbeiter ist dadurch eine «Pattsituation» entstanden, wie man sich bei Alcatel-Lucent ausdrückt. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Orange diese Angestellten gemäss den gesetzlichen Bestimmungen des Obligationenrechts per 1.1.2013 übernimmt», sagt Marcel Morf, CSO der Alcatel-Lucent Schweiz AG. Aber weder Orange noch Alcatel Lucent wollen diese Fachleute weiterbeschäftigen. «Sie sollen ihren Arbeitsplatz verlieren», heisst es in einer Stellungnahme des Verbandes «Angestellte Schweiz».

Morf räumt ein, dass für diese Angestellten und Alcatel-Lucent kurz vor Weihnachten eine «sehr schwierige Zeit» begann. Die ehemaligen Mitarbeiter seien jetzt zu Hause und warten auf eine Klärung dieser Situation. «Für Alcatel-Lucent steht eine möglichst baldige Lösung für die 43 Betroffenen im Vordergrund und Alcatel-Lucent garantiert ihnen vorsorglich, die Löhne bis Ende April 2013 zu bezahlen, sofern nicht vorgängig eine Lösung gefunden werden kann», sagt Morf weiter. Alcatel-Lucent habe in der Schweiz eine breite Kundenbasis, dies sowohl im Carrier- als auch im Strategic Industrie-Umfeld, welche heute und auch in Zukunft lokal betreut werde.

«Ein Rückzug aus der Schweiz ist nie ein Thema gewesen», sagt Morf. «Es wurde alleine das Managed Services-Dienstleistungsgeschäft mit Sunrise und Orange beendet»». Das Geschäft mit Telecom-Ausrüstung – Alcatel-Lucent ist einer der wichtigsten Lieferanten für Festnetze – laufe weiter und Alcatel-Lucent habe ohne die Managed-Services-Bereiche weiterhin rund 180 Angestellte in der Schweiz und damit etwa gleich viel wie vor fünf Jahren, bevor man in diesen Bereich expandiert hatte.

Bei Orange weist Sprecherin Therese Wenger diese Darstellung zurück. «Es ist in der alleinigen Verantwortung von Alcatel-Lucent, dass der Outsourcing-Vertrag abrupt beendet wurde. Orange hat die ihr gemäss Vertrag zustehende Verlängerungsoption rechtsgültig ausgelöst; Alcatel-Lucent hat sich jedoch geweigert, die Dienstleistungen zu den vereinbarten Konditionen weiter zu erbringen.» Der Übergang der 90 Mitarbeiter von Alcatel-Lucent basiere auf einer vertraglichen Vereinbarung zwischen Alcatel-Lucent und Ericsson.

«Orange ist nicht Partei in diesem Vertrag» sagt Wenger weiter. «Es gibt weder eine Vereinbarung zwischen Alcatel-Lucent und Orange, noch zwischen Alcatel-Lucent und Nokia Siemens Networks (oder einem anderen Unternehmen) betreffend Übergang von Arbeitsverhältnissen von Alcatel-Lucent zu Orange und/oder zu Nokia Siemens Networks (oder einem anderen Unternehmen) im aktuellen Build-Bereich der Alcatel Lucent AG.

Es sei offen ob und wenn ja, wie viele Mitarbeitende im Bereich des Netzausbaus von Alcatel Lucent zu einem neuen Partner wechseln würden. «Für Orange und ihren neuen Partner für den Build-Bereich besteht in jedem Fall keinerlei Verpflichtung zur Übernahme von Arbeitsverhältnissen oder Mitarbeitenden» sagt Wenger.

«Die Geschichte um den Wechsel der Orange-Partner gleicht einem Trauerspiel», heisst es von «Angestellte Schweiz». Der Übergang sei «völlig chaotisch» verlaufen. Erst kurz vor Weihnachten sei klar geworden, dass der Teil Betrieb mit den Angestellten an Ericsson gehen würde. «Für die Mitarbeiter des Bereichs Unterhalt blieb vieles offen. Sie verbrachten äusserst belastete Feiertage. Sie hatten lediglich eine Lohnzusicherung von Alcatel-Lucent für die nächsten Monate», heisst es vom Verband weiter.

«Alcatel Lucent hatte diese Angestellten offenbar bereits nicht mehr als ihre Mitarbeiter angesehen. Anders ist es nicht zu erklären, dass ihnen der elektronische Zugang zum Arbeitsplatz gekappt und die Zutrittsbadges deaktiviert wurden.» Dies stelle faktisch eine Aussperrung der betroffenen Angestellten dar. «Erst auf Intervention der Arbeitnehmervertretung und der Angestellten Schweiz bekamen sie nach den Festtagen wieder Zugang.»