Mit überwältigender Zustimmung sagten die Novartis-Aktionäre Ja zur Abspaltung der Augenheilmittelsparte Alcon. Ganze 99,8 Prozent der anwesenden Aktienstimmen machten damit den Weg frei für den Börsengang der Novartis-Tochter. Frühestens im April wird es so weit sein. Dann wird für jeweils fünf Novartis-Aktien ein Alcon-Titel in Form einer Sachdividende ausgeschüttet. Alcon mit einem Jahresumsatz von 7,1 Milliarden Dollar wird an der Schweizer und der New Yorker Börse gehandelt werden. Der globale Hauptsitz wird sich in Genf befinden, der Steuersitz in Freiburg. Grösster operativer Knotenpunkt bleibt Fort Worth im US-Bundesstaat Texas.

Wie die hohe Zustimmung zur Abspaltung vermuten lässt, gab es denn auch keine Wortmeldung zu diesem Traktandum an der Generalversammlung am Donnerstag in Basel. Für Diskussionsbedarf sorgten dagegen die hohen Medikamentenpreise und der Ex-Trump-Anwalt Michael Cohen, der von Novartis kurzzeitig engagiert wurde. Der Fall Cohen dürfte auch deshalb zum Thema geworden sein, weil dieser am Mittwoch vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses ausgesagt hatte. Dabei dürfte Novartis keine Freude daran gehabt haben, dass Cohen aussagte, er habe sich sechs Mal mit dem Pharmakonzern ausgetauscht. Novartis sprach beim Bekanntwerden des Skandals, sich lediglich einmal mit Cohen getroffen zu haben. Das Basler Unternehmen habe von ihm explizit verlangt, als Lobbyist tätig zu sein, sagte der Ex-Anwalt weiter. Er habe in der Folge diesen Absatz im Vertrag mit Novartis gestrichen. Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt bezeichnete die peinliche Affäre als «sehr unglückliche Geschichte», die nun aber abgeschlossen sei. Daher gebe es auch nichts hinzuzufügen.

Kritik an Medikamentenpreisen

Derweil kritisierte Veronika Hendry, Präsidentin der Aktionärsvereinigung Actares, die hohen Medikamentenpreise. Sie erwähnte insbesondere die neuen, sehr teuren Gentherapien. «Mit diesem Geschäftsmodell nehmen sie die solidarischen Versicherungssysteme in eine ethische Geiselhaft», sagte sie. Bereits die Diskussion über die hohen Preise von Krebsmitteln hätten Ressentiments in der Bevölkerung geschürt. Sie forderte deshalb Novartis auf, mehr Transparenz zu schaffen, was die Preisbildung von Medikamenten anbelange. Auf diesen letzten Punkt ging Novartis-Chef Vas Narasimhan nicht ein. Gentherapien stellten einen wahren medizinischen Durchbruch dar. Mit einer einzigen Infusion könnten lebenslange Behandlungen einer Krankheit verhindert werden, sagte er.