Discounter

Aldi, Lidl und Denner legen im serbelnden Detailhandel richtig zu

Aldi hat in Rekordzeit einen hohen Marktanteil erobert (Archiv)

Aldi legte letztes Jahr 3 Prozent zu, Lidl und Denner sogar noch mehr. (Archiv)

Aldi hat in Rekordzeit einen hohen Marktanteil erobert (Archiv)

Der Schweizer Detailhandel ist keine Wachstumsgeschichte mehr. Der Gesamtumsatz dürfte dieses Jahr zum dritten Mal in Folge schrumpfen, wie Thomas Hochreutener, Direktor Handel der Marktforschung GfK erwartet. Die grossen Gewinner sind die Discounter sowie der Onlinehandel.

Die neue Realität des traditionellen Schweizer Detailhandels heisst Stagnation. Wirklich mehr Käufer in die Läden bringen nur die Discounter. Deutlich gestiegen sind die Umsätze auch im Onlinehandel (plus 8,3 Prozent), und vor allem ausserhalb des Detailhandels.

"In der Schweiz leben seit 1990 ein Viertel mehr Leute, real haben sie im Detailhandel seither nicht mehr ausgegeben", sagte Hochreutener an der GfK-Handelstagung am Donnerstag in Zürich. Dafür wendeten sie mehr auf für Freizeit, Mobilität, Krankenkassen und anderes.

Discounter auf der Überholspur

Viele Detailhändler seien markant im Minus. Anders sieht es aus bei den Discountern: Lidl ist mit einer Umsatzzunahme von 10 Prozent auf 960 Millionen Franken letztes Jahr schneller gewachsen als die Konkurrenz. Der deutsche Harddiscounter schneidet damit auf Platz 9 (2015: Platz 12) unter den Top 10 Schweizer Detailhändlern ab.

Der drittplatzierte, Denner, steigerte den Umsatz um 1,9 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken. Aldi auf Platz vier legte 3 Prozent auf 1,9 Milliarden Franken zu. "Offenbar haben die Migros- und Coop-Kinder auch auf Aldi angesprochen", kommentierte Hochreutener.

Vom Erfolg der Discounter und dem zunehmenden Billigtrend profitieren nicht nur die Grossen. So erhöhte etwa Otto’s den Umsatz um 4,6 Prozent auf 679 Millionen Franken. Conforama wiederum machte 1,2 Prozent vorwärts (498 Millionen Umsatz).

Schwergewichte rückläufig

Die Billiglinien von Migros und Coop, Prix Garantie und M-Budget und folgten dem Discount-Trend aber nicht, sie seien rückläufig, sagte Hochreutener weiter. Mit ein Grund dafür sei, dass die Marktleader ihre qualitativen und nachhaltigen Produkte mehr bewerben und ausbauten.

Die Umsätze der unangefochtenen Marktleader Migros und Coop gaben um 0,2, respektive 0,3 Prozent nach. Insgesamt schrumpfte der Schweizer Detailhandel um 1,5 Prozent. Im Jahr 2015 war der Rückgang mit 2,2 Prozent aber drastischer. Der Umsatz lag 2016 mit 92,5 Milliarden Franken so tief wie letztmals 2007. Davon wurden 7,8 Milliarden online umgesetzt.

Hinzu kommen 1,3 Milliarden Franken Online-Einkäufe im Ausland. Die Expansion von Amazon in der Schweiz werde diese weiter ankurbeln, erwartet der Marktforscher. In der Digitalisierung sieht er denn auch die grösste Herausforderung für die Branche.

Noch dominierten bei den Käufen im Internet die Non-Food-Produkte. Doch bald dürften auch fast alle stationären Lebensmittelhändler online gehen. Volg beispielsweise ist nach langer Testphase letzten Monat in den Online-Verkauf eingestiegen.

5000 Händler verschwunden

Durch die Digitalisierung findet im Detailhandel ein regelrechter Kahlschlag statt. Von insgesamt 50'000 Verkaufsstellen im stationären Detailhandel sind seit 2010 mehr als 5000 verschwunden, wie Hochreutener ausführte. Dafür entstünden 10'000 Schweizer Online-Shops.

Die guten Jahre sind laut GfK vor allem für den stationären Non-Food-Bereich vorbei. "Der Preisdruck ist immer noch enorm, und die Marktbereinigung setzt sich fort", hiess es weiter.

Stark unter die Räder gekommen sind zum Beispiel die Postfilialen - die Zahl der Filialen schrumpfte seit 2010 um 29 Prozent. Im Non-Food-Fachhandel beträgt der Rückgang 27 Prozent. Eine Ausnahme sind die Händler im Bereich Parfümerie/Körperpflege (plus 31 Prozent mehr Verkaufsstellen) und Optiker/Hörgeräte (plus 30 Prozent).

Unter den grossen Verlierern befinden sich auch die Warenhäuser, die die letzten sieben Jahre 12 Prozent der Verkaufsstellen einbüssten. Das "Trauerspiel" bei den Warenhäusern dürfte sich laut Hochreutener fortsetzen.

Schrumpfkurs auch 2017

Der Verdrängungskampf werde in diesem Jahr anhalten. Immerhin dürften sich die Auslandeinkäufe, die letztes Jahr bei rund 10 Milliarden Franken stagnierten, heuer erneut halten.

Nachdem der Detailhandel in den ersten fünf Monaten 0,3 Prozent einbüsste, erwartet Hochreutener für das ganze Jahr einen Rückgang von gegen 1 Prozent.

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