Kaffee, Gipfeli, ein Päckli Kaugummi oder ein Energydrink. An einem Schweizer Kiosk bekommt man heute im Vergleich zu früher einiges angeboten. 

Doch das reicht dem Mutterkonzern Valora nicht. «Wir versuchen, das Angebot bei den Kiosken noch besser auf die Kundenbedürfnisse hin zu entwickeln», sagte Valora CEO Michael Mueller gestern am Rande der Präsentation der Jahreszahlen.

So hat Valora das Start-up «Bob Money» auf die Beine gestellt, ein hauseigener Finanzdienstleister. Seit dem vergangenen Jahr kann damit jeder Kunde, ob am Computer oder über das Handy, einen Kreditantrag einreichen. «Bob Money» prüft laut eigenen Angaben in Echtzeit, ob der Kunde für die beantragte Summe die gesetzlichen Kriterien erfüllt. (Die Kreditvergabe ist demnach verboten, falls sie zu einer Überschuldung führt. Die Auszahlung des Kredits erfolgt nach Prüfung der eingereichten Unterlagen und unter Einhaltung der gesetzlichen Widerrufsfrist von sieben Tagen.)

Nach der Lancierung von «Bob Money» doppelte Valora im Dezember mit einem Angebot für einen Minikredit namens «OK-Cash» nach. Von einem Minikredit spricht man, wenn es um Summen zwischen 1000 und 3000 Franken geht. Das Geld muss der Kunde nach höchstens drei Monaten zurückbezahlen.

Es kann an jedem Valora-Kiosk oder bei den Valora-eigenen Filialen von «Press & Books» auf eine VISA- oder MasterCard-Prepaid karte geladen werden. Anschliessend kann man das Geld an jedem Bankomaten beziehen.

Michael Mueller sagt: «Die neue Finanzdienstleistung ‹Bob Money› basiert auf dem einem Kundenbedürfnis. Die Nachfrage nach Privatkredit ist vorhanden.»

Minikredit als Schuldenfalle?

Unkompliziert und einfach. Der Co-Leiter von der Berner Schuldenberatung, Mario Roncoroni, sieht das anders: «Ich bin überzeugt, Valora bietet die Minikredite vor allem an, um mit Kunden in Kontakt zu kommen, die später grössere Kredite aufnehmen sollen.»

Valora sagt dazu: «Beide Produkte richten sich an unterschiedliche Bedürfnisse.» «OK-Cash» ermögliche einem Prepaid-Kunden die Kreditzahlung zusätzlich auf Rechnung. Dem «Bob Money»-Kunden dagegen biete man Möglichkeiten für grössere und langfristige Investitionen.

Roncoroni kritisiert aber auch die Kosten für einen «OK-Cash»-Kredit. Bei einem Kredit von 1000 Franken fallen monatlich 10 Franken an Kreditgebühren an. Dazu kommt eine Jahresgebühr für die Karte von 39 Franken hinzu. Damit bezahlen «OK-Cash»-Kunden nach drei Monaten rund 1040 Franken zurück. Das tönt nicht nach viel. Aufs Jahr gerechnet ist es jedoch einiges mehr. Und wer das Geld nicht innerhalb der Frist von bis zu drei Monaten bezahlt, muss einen Verzugszins von 8,9 Prozent berappen.

Schuldenberater Roncoroni ist nicht der Einzige, der das neue Valora-Angebot kritisch betrachtet.

Laut Marc Parmentier vom Internet-Vergleichdienst Comparis, wird die Überschuldungsprävention unterlaufen: «Valora hat ein Produkt lanciert, welches mit einer Laufzeit von unter drei Monaten nicht unter das Konsumkreditgesetz fällt.» Da der Überschuldungsschutz ein wichtiges Anliegen des Konsumkreditgesetzes ist, sei dieses Angebot kaum im Sinne des Gesetzgebers.

Valora bestätigt diesen Kritikpunkt, weist aber darauf hin: «Wir bieten das Produkt zum Schutze junger Erwachsener erst ab einem Alter von mindestens 25 Jahren an.»

Revision des Bundesgesetzes

Der Schweizer Markt für Kleinkredite ist im Wandel. Im Sommer trifft das revidierte Bundesgesetz zum Konsumkredit in Kraft. Der maximale Jahreszins, den Kreditinstitute verlangen dürfen, wird von 15 auf 10 Prozent gesenkt. Der effektive Jahreszins auf einen Konsumkredit von «Bob Money» liegt mit 8,9 Prozent im neuen gesetzlichen Rahmen.

Nicht unter das Gesetz fallen Kredite, die eine maximale Laufzeit von drei Monaten haben. Also auch «OK-Cash».