Geldpolitik

Auch unter Lagarde bleiben EZB-Geldschleusen weit offen

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird auch unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde noch für längere Zeit an ihrer Tiefzinspolitik festhalten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird auch unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde noch für längere Zeit an ihrer Tiefzinspolitik festhalten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird auch unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde noch für längere Zeit an ihrer Tiefzinspolitik festhalten. Die Französin kündigte aber an, ab Januar die geldpolitische Strategie der Notenbank zu überprüfen.

"Es ist ein bisschen überfällig", sagte sie nach ihrer ersten Zinssitzung am Donnerstag in Frankfurt. "Wir werden jeden Stein umdrehen." Bis Ende 2020 soll die Überprüfung abgeschlossen sein.

Von ihrem Vorgänger Mario Draghi setzte sie sich klar ab. "Ich werde meinen eigenen Stil haben." Finanzexperten sollten nicht jedes ihrer Worte überinterpretieren. "Ich bin ich selbst." Die Öffentlichkeit solle nicht versuchen, sie mit Draghi zu vergleichen.

Lagarde stellte in Aussicht, die Schlüsselzinsen würden noch so lange auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben, bis sich die Inflationsaussichten wieder klar dem Ziel von knapp zwei Prozent annäherten. Letztmalig hatte die EZB im Jahr 2011 ihre Zinsen angehoben.

Der Schlüsselsatz zur Geldversorgung der Banken liegt mittlerweile seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, der Einlagensatz liegt sogar momentan bei minus 0,5 Prozent. Auch in der Schweiz ist ein Ende der Ultratiefzinsen nicht in Sicht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beliess am Donnerstag ihren Leitzins auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent.

Inflationsziel im Zentrum

Lagarde hatte im November den Italiener Draghi an der EZB-Spitze abgelöst. Sie stellte schon kurz nach Amtsantritt in Aussicht, die geldpolitische Strategie in naher Zukunft unter die Lupe zu nehmen. Dabei wird Lagarde zufolge das Inflationsziel im Zentrum stehen, das die Euro-Wächter schon seit längerer Zeit verfehlen.

Im November lag die Teuerung bei 1,0 Prozent. Die EZB hatte ihre geldpolitische Strategie letztmalig vor 16 Jahren überarbeitet. Aber auch die Themen Klimawandel, die technologischen Veränderungen und Aspekte der steigenden Ungleichheit in den Volkswirtschaften seien Teil der Überprüfung, sagte die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Lagarde souverän

Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, hat sich die Französin in ihrer neuen Rolle souverän geschlagen. "Wüsste man es nicht, wäre es einem nicht aufgefallen, dass es ihre erste Pressekonferenz zu einem EZB-Entscheid war."

Im Kampf gegen die Konjunkturschwäche im Euro-Raum hatte die Notenbank im November ihre vor allen in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe wieder aufgenommen. Auf ein Enddatum für die Käufe legte sich die EZB erneut nicht fest. Die Transaktionen sollen erst dann beendet werden, wenn die EZB kurz davor stehe, die Zinsen zu erhöhen.

Die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken hatten bis Ende 2018 bereits Staatsanleihen und andere Papiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben.

Anzeichen für Stabilisierung

Die EZB rechnet nun für 2020 mit etwas weniger Wachstum in der Währungsunion als im zu Ende gehenden Jahr. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte dann mit 1,1 Prozent langsamer zulegen als im September mit 1,2 Prozent prognostiziert.

"Es gibt erste Anzeichen für eine Stabilisierung", sagte Lagarde. "Die anhaltende Schwäche des internationalen Handels in einem Umfeld anhaltender globaler Unsicherheiten belastet die europäische Industrie aber weiter." Zudem sei der Inflationsdruck weiterhin verhalten.

Die letzten Wochen der Amtszeit von Lagardes Vorgänger Draghi waren vom internen Streit über das grosse Massnahmenpaket vom September überschattet worden. Zu den Beschlüssen gehörte eine erneute Verschärfung der Strafzinsen, kombiniert mit Erleichterungen für Banken sowie der Neustart der billionenschweren Anleihenkäufe.

Vor allem die Wiederauflage der Wertpapierkäufe war umsritten - rund ein Drittel der Währungshüter war dagegen. Um die Wogen im EZB-Rat zu glätten, hatte Lagarde im November zu einem informellen Treffen ausserhalb der EZB eingeladen.

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