Datenskandal

Auf dem heissen Stuhl: Jetzt wird Facebook-Chef Zuckerberg in die Mangel genommen

Zuckerberg muss am Dienstag und Mittwoch vor Ausschüssen des amerikanischen Parlaments auftreten.

Zuckerberg muss am Dienstag und Mittwoch vor Ausschüssen des amerikanischen Parlaments auftreten.

Diese Woche knöpfen sich Parlamentarier in Washington Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor. Zuckerberg und seine Firma stehen seit Wochen unter massiver Datenschutz-Kritik.

Es ist anzunehmen, dass Mark Zuckerberg den Ernst der Lage erkannt hat. Wenn der 33-jährige Konzernchef von Facebook morgen Dienstag und übermorgen Mittwoch erstmals vor Ausschüssen des amerikanischen Parlaments auftreten muss, wird der Multimilliardär höchstwahrscheinlich auf sein Markenzeichen verzichten – und für einmal nicht einen grauen Kapuzenpulli mit passendem T-Shirt tragen, sondern einen traditionellen Anzug mit Krawatte, so wie dies im Politbetrieb Washingtons üblich ist. Denn Zuckerberg kann es sich nicht leisten, die Mitglieder der Parlamentskommissionen, die ihn vorgeladen haben, vor den Kopf zu stossen.

Zuckerberg und seine Firma stehen seit Wochen unter massiver Kritik – weil es Facebook ermöglicht hatte, dass sich die umstrittene britisch-amerikanische Polit-Beratungsfirma Cambridge Analytica vor einigen Jahren die Profile von gegen 87 Millionen Nutzern unter den Nagel reissen konnte. Diese Datensätze wiederum soll die Firma genutzt haben, um psychologische Profile der Nutzer zu erstellen – und dieses Produkt im amerikanischen Wahlkampf 2016 an den Meistbietenden zu verkaufen.

Zuckerberg hatte sich letztmals am Mittwoch dafür entschuldigt, dass Facebook den Datenschutz jahrelang ignoriert habe. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Parlamentarier mit solchen Entschuldigungen nicht zufriedengeben. Solche Anhörungen gleichen häufig einem öffentlichen Tribunal. Und weil sich morgen Dienstag die Senatsausschüsse für Justiz und Handel zu einer gemeinsamen Sitzung treffen, wird fast die Hälfte der 100 Mitglieder der kleinen Parlamentskammer Gelegenheit haben, Zuckerberg in die Mangel zu nehmen.

Russische Trolle werden Thema

Anzunehmen ist zudem, dass während der Anhörungen zwei Themenkreise im Zentrum stehen werden. Zum einen der Datenschutz, zum anderen der Missbrauch von Plattformen wie Facebook im politischen Wettbewerb. In beiden Bereichen hat Zuckerberg bereits, vorausschauend, Zugeständnisse gemacht. Künftig werde der Zugang, den Software-Entwickler auf den Facebook-Datenfundus hätten, massiv eingeschränkt, gab das Unternehmen letzte Woche bekannt. Auch werde Facebook von nun an jedes Ersuchen von Drittfirmen genauer prüfen. Was die politische Werbung angeht, da will Zuckerberg politische Botschaften künftig besser deklarieren, zumindest in den USA. Auch müssen sich die Auftraggeber virtueller Inserate identifizieren.

Mit seinen Zugeständnissen hofft Facebook, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn die Internetplattform steht auch im Zusammenhang mit den russischen Beeinflussungsversuchen im Wahlkampf 2016 scharf in der Kritik; im Nachhinein stellte sich heraus, dass Trolle im Einflussbereich des Kremls Facebook nutzten, um ihre Botschaften unter das amerikanische Volk zu streuen.

Im Silicon Valley geht derweil die Angst um, Washington könnte die Aufregung um Facebook nutzen, um die Aufsicht über die gesamte Industrie auszuweiten. Deshalb versuchen sich nun andere einflussreiche Unternehmer, von Zuckerberg zu distanzieren. So zum Beispiel Apple-Konzernchef Tim Cook, der sagte, dass der Schutz der Privatsphäre einem Menschenrecht gleichkomme.

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