«Oben Blau, unten Grau.» Vielen reicht dieser Wetterbericht im Radio nicht mehr, um die Skier zu packen und den Weg vom Unterland in die Berge auf sich zu nehmen.

Skilager kennen die heutigen Teenager nur noch vom Hörensagen. Ja, und die Zeiten, in denen eine Skinationalmannschaft noch ein Vorbild für die Jungen war, sind ein paar Jahre her. Die Folgen: Immer weniger Schweizer fahren Ski.

Zusammen mit dem Rückgang der ausländischen Gäste gibt das einen gefährlichen Cocktail für die Branche: In der vergangenen Skisaison wurden umgerechnet insgesamt 23,9 Millionen Tagespässe verkauft. So wenig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Besonders schmerzhaft war zuletzt der Einbruch bei den Gästen aus dem europäischen Ausland. Schuld ist hier die Währungssituation: «Der europäische Mittelstand bricht uns seit vier Jahren weg, seit dem das Thema Frankenstärke aktuell geworden ist,» sagte der Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, gestern anlässlich der Präsentation der neuen Marketingkampagne für den Winter 2015/16.

Vom Einbruch betroffen sind alle Wintersportgebiete: Im Schnitt sank die Zahl der Übernachtungen um 30 Prozent innerhalb von vier Jahren.

Gäste aus Europa fallen weg

Dieser Wegfall konnte trotz schönen Zuwächsen von den Gästen ausserhalb Europas (China, Australien, Golfstaaten, Brasilien) nicht wettgemacht werden. Letztere machen nur 11,6 Prozent der Touristen aus, während die Europäer rund 35 Prozent ausmachen.

Aktuelle Prognosen der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH gehen davon aus, dass diese Entwicklung anhält. Dass der Anteil der Gäste aus Europa weiter sinkt. Und damit sind auch die Perspektiven für diesen Winter angesprochen. Sie sind mit Ausnahme der grossen Städte, die vom Geschäftstourismus leben, alles andere als gut.

Deshalb konzentriert man sich bei Schweiz Tourismus darauf, die Schweizer wieder für Ferien in der Schweiz zu gewinnen. «Oberste Priorität hat, Schweizer wieder fürs eigene Land zu begeistern,» so Jürg Schmid. Dazu wurde die neue Marketing-Kampagne «Verliebt in die Schweiz» ins Leben gerufen.

Damit soll auf allen Kanälen versucht werden, die Schönheit der Schweiz zu vermitteln. Prominentes Aushängeschild ist hier der ehemalige Astronaut und amerikanische Nationalheld, Buzz Aldrin. Er sorgt mit einem spektakulären Werbespot für Aufregung. Mit dabei sind auch prominente Wintersportler, von Dario Cologna bis Dominique Gisin.

Buzz Aldrin is #inLOVEwithSWITZERLAND.

Buzz Aldrin is #inLOVEwithSWITZERLAND.

Mittel- bis langfristig soll aber hierzulande auch eine neue Generation motiviert werden, den Schneesport für sich zu entdecken. Hier kommt eine neu gegründete Organisation ins Spiel, die von der ehemaligen Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden präsidiert wird: die Schneesport-Initiative Schweiz. Diese wird vom Skiverband über die Anbieter bis hin zum Bundesamt für Sport und dem Dachverband der Lehrer mitgetragen. «Schneesport ist Schweizer Kulturgut. Das muss gelebt und erhalten werden», sagte Frieden gestern zu ihrer Motivation, bei dieser Initiative mitzumachen.

Skilager vermehrt fördern

Mit der Initiative will man Schulen ansprechen. Sie sollen vermehrt wieder Skilager organisieren. Lehrkräfte werden mit einfachen Online-Hilfsmitteln unterstützt, die ein solches Lager organisieren wollen: sei es bei der Suche nach Lagerhäusern, bei der Auswahl von Lehrmitteln, der Beschaffung von Skimaterial oder bei der Finanzierung.

Künftig wird darüber nachgedacht, wie Schulen den Transport in die Berggebiete organisieren können, oder ob ein Fonds für Härtefälle eingerichtet werden kann. Ein grosses Thema ist die Frage der Haftung.

Neben der Sorge um den Nachwuchs will sich Schweiz Tourismus auch vermehrt um die Aussteiger-Generation kümmern: Wie können Menschen, die in ihrer Jugend Ski oder Snowboard gefahren sind, wieder für die Bergwelt und den Skisport gewonnen werden? Hier laufen diesen Winter «Wiedereinsteiger-Pilotprojekte».

Interessierte können für zwei Personen zwei Hotelübernachtungen inklusive Skipass, Materialmiete und privatem Skiunterricht für rund 600 Franken buchen. Ab Januar 2016 will man hier starten.

Innovationen in den Bergen

Zu guter Letzt will Schweiz Tourismus stärker auf die Neuheiten hinweisen, die das Angebot attraktiver machen: Dazu gehören verschiedene neue Hotels, wie das Bever Lodge in Bever oder das Boutique-Hotel The Capra in Saas-Fee, die im Dezember ihre Türen öffnen.

Ausserdem bieten auch Bergbahnen Neuheiten an: In Adelboden Lenk werden zwei Skigebiete verbunden, auf der Lenzerheide wird die Verbindung zu Arosa komplettiert.

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